Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1872)
- Date
- 1872-07-09
- Page
- Seite 551 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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. Der Verfasser des Memoires über die himjaritischen Inschriften, welcher von der Akademie der Inschristen und schönen Wissenschaften beim Concurs des Preises Bordin im Jahre 1.871 einen Preis von 2500 Frcs. für diese bedeutende Arbeit erhalten hat, ist Herr Joseph Halevh. Meisenheim, im Juni. (Privatm.) Ich erfülle eine schmerzliche Freundespflicht, indem ich Ihren Lesern den Heimgang eines jungen jüdischen Gelehrten berichte. L6on Nordmann war in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre in Hegenheim (Oberelsaß) geboren. In Folge der Revolution von 1848 siedelten seine Aeltern nach - Lörrach im badischen Oberlande über, woselbst der sehr befähigte Knabe das Pädagogium besuchte. Später besuchte er das Lhceum zu Straßbmg und betrieb seine talmudischen Studien bei dem dortigen greisen Talmudgelehrten Rabbi Moses Uttenheim. Hierauf besuchte und absolvirte er die damals noch in Metz befindliche Rabbinerschule, gab sich jedoch mit dem erlangten Rabbinerdiplom nicht zufrieden, sondern suchte seine Kenntnisse in den Hörsälen von Paris noch zu mehren. Namentlich zog ihn der selige Munk an, zu dessen Lieblingsschülern er gehörte. Trotzdem ihm mehrere Male bedeutende Rabbinate angeboren wurden, schlug er dieselben doch immer aus, da er sich von Paris, der Centralstätte der französischen Wissenschaft, nicht zu trennen vermochte. Nach Gründung der Alliance isra61ite universelle ward er Secretär derselben und hatte als solcher Gelegenheit, eine seinen Neigungen entsprechende Thätigkeit zu entfalten. Denn in dem Glücke und Wohle Anderer suchte und fand er sein eigenes Glück. Bedauerlich war ihm hierbei nur, daß sein Beruf seine schwachen Kräfte der Art in Anspruch nahm, daß ihm nur wenig Muße vergönnt war, dieselben der Wissenschaft zu weihen. Er gab deshalb später diese Stellung auf, um die Ertheilung des Religionsunterrichts an mehreren pariser Lhceen zu übernehmen. Zugleich wendete er sich nun mehr der wissenschaftlichen Forschung zu, und es erschienen von ihm im Drucke außer Journalartikeln und Predigten besonders sein 1870 publicirtes Werk Textes classiques de la litt&rature religieuse. Dasselbe fand in der jüdischen Presse ts. d. Z. Jahr .1871 S. 736.) eine sehr günstige Beurteilung. Ursprünglich nur für die lernende Jugend berechnet,legt das Buch doch vielfach Zeugniß ab für die selbstständigeunabhängige Forschungsweise des Verfassers, und namentlich wird der Hebraist im ersten , der Grammatik gewidmeten Theile des Buches mancher neuen und anregenden Ansicht begegnen. Der bescheidene Verfasser gab mehr, als der Titel seines Buches erwarten läßt. In edlem Stile geschrieben, vorzüglich die Lehren der Humanität in Schrift und Talmud berücksichtigend, zeugt das Buch hierdurch schon für den Gesinnungsadel des der Wissenschaft zu früh entrissenen Verfassers. Diejenigen, welche ihn persönlich gekannt haben, namentlich unbemittelte Studirende und Gelehrte, die sich in Paris seiner Beihülfe und seiner thätigen Unterstützung zu erfreuen hatten, wissen ohnedies von seiner Seelengröße, seiner Nächstenliebe und seiner geräuschlosen Wohlthätigkeit zu erzählen. Ein großer Verehrer ltnd Kenner deutscher Wissenschaft war der Verstorbene wie sein Freund Aftruc in Brüssel dem wissenschaftslosen französischen Rabbinismus abhold und zählte zu jenem jüdischen „jungen Frankreich", welches seine Vertretung in der in Paris erscheinenden Revue isra<51ite fand. Als Aftruc vor einigen Jahren wegen feiner „Biblischen Geschichte" von den Consistorialrabbinern heftig angegriffen wurde, da war es Nordmann, der den Freund in der Revue isra&ite am energischsten in Schutz nahm. Daß diese Kraft dem französischen Juden thume, welches keinen allzugroßen Ueberfluß an geistig unabhängigen und strenger wissenschaftlicher Forschung huldigenden Theologen aufzuweisen hat, so früh verloren gehen mußte, ist aufs schmerzlichste zu beklagen. Nordmann starb als ein Opfer des vorjährigen Krieges. Vor der Belagerung von Paris hatte er Weib und Kinder in seine Heimath geschickt, er selbst blieb und war dem Hunger ausgesetzt. Die Folgen blieben nicht aus. Vergebens suchte er den Winter über Hülfe und Genesung unter dem milden Himmel Italiens. Vor Ostern in den Kreis der Seinigen nach Lörrach zurückgekehrt, starb er kurz vor dem Wochenfeste und wurde am Rüsttage desselben beerdigt. Friede seiner Asche! Dr. I. Mayer, Rabbiner. Schweiz. Genf, im Juni. Bekanntlich ist die Revision der Bundesverfassung, welche auch die völlige Trennung " ' " - 28