Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1872)
- Date
- 1872-07-09
- Page
- Seite 550 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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den Communen und den; Aeltern - zugehörig erklären.- - Denn ob sie schon von allen gesetzgeberischen Factoren votirt und sanctionirt sind, kommt es doch erst auf die Verwaltung an, um jene Gesetze mehr oder weniger zur Ausführung zu bringen, ihnen mehr oder weniger den Erfolg zu sichern. Erst wenn die Verwaltung für die Verwirklichung gewissenhaft sorgt, unermüdlich strebt, darf man ein Siegeslied anstimmen. Wir erfahren dies täglich. Wir haben vortreffliche Schulgesetze der freisinnigsten Art 1868 erlangt; aber mit dem Wechsel der Cultusminister wechselt auch die Freundschaft oder die Feindschaft, welche betreffs derselben in der Administration gehegt und geübt wird. Eine Wurzel des Nebels liegt in der Vereinigung des Cultus- und des Unterrichtsministeriums. Zum Cultusminister wird in der Regel ein fromwgesinnter, der Kirche nahe stehender Herr gewählt, und der bringt dann mehr oder weniger die Schule wieder unter den Krummstab der Bischöfe, während in ein besonderes Unterrichtsministerium ein pädagogisch gebildeter Mann eintreten sollte, der durch seine Position selbst schon zur Unabhängigkeit von der Kirche gedrängt würde. Unser gegenwärtiger Cultus- und Unterrichtsminister Or. Stremahr hat bereits , von seiner Nachgiebigkeit gegen die Ultramontayen Beweise gegeben, und es - ,tft daher nicht zu verwundern,, daß die östreichischen Bischöfe sich zusammengethan. und in einer gemeinsamen Eingabe ihre Forderungen betreffs der Schule normirt haben. Freilich können die Gesetze nur auf dem Wege der Gesetzgebung beseitigt oder auch nur verändert werden. Daß dies geschehe, hat man keine Aussicht. Aber man weiß Rath^ Die Verwaltung soll thun, was die Gesetze illusorisch macht. So z. B. fordern die Bischöfe unumwunden, daß kein protestantischer oder jüdischer Lehrer an einer öffentlichen Schule angestellt werde. Nun braucht man das desfallsige Gesetz; nicht zu ändern: die Verwaltung stellt einfach solche Lehrer nicht an. Dies ist der Rath der Bischöfe, und es geschieht also. Wählt eine Ortsgemeinde einen protestantischen, oder jüdischen Lehrerso wird ihr von Aufsichts wegen so viel Schwierigkeit gemacht, daß die Gemeinde es nur mit großer Mühe und Zähigkeit blos in sehr vereinzelten Fällen durchzusetzen vermag, Dieses eine Beispiel verbürgt, -s daß auch die anderen Forderungen berücksichtigt werdem—Jndeß ist deshalb die. Hoffnung nicht aufzugeben... Jede Institution. muß sich durch solche Chancen , .durch solchen Wechsel der leitenden Persönlichkeiten hindurcharbeiten; .und: je weiter diese letzteren es treiben, desto sicherer wird ihr Sturz und die Energie der entgegengesetzten Richtung. Schließlich muß dann doch das Gesetz, seine Kraft erhalten. - Altofen, 30. Juni. (Privatm.) Es ist wohl eine eigenthümliche, doch nicht überraschende Erscheinung, daß bei den jetzt vor sich gehenden Wahlen die jüdische hyperorthodoxe Partei, der Schomre-hadath-Verein mit den Ultramontanen eine Sache gemacht hat. Allerdings vermochte die ultramontane Partei im ganzen Lande nur einen einzigen Candidaten, Graf, Apponyi, durchzusetzen, ihn, der im ungarischen Reichstage eine „katholische Fraction" bilden will, gleich der im deutschen Reichstage, aber freilich eben nur sich selbst allein als eine solche Fraction constituiren kann. Er wurde in Szent-Endre gewählt, und zwar mit Hülfe der Schomre-hadath, welche alle Anhänger der Orthodoxie durch Briefe und persönliche Unterredung in dem genannten Bezirke für den Grafen Apponyi zu stimmen beschwur. Er wurde gewählt; allein doch nur durch Hülfe großer Summen, man berechnet sie auf 180,000 fl.; und da Bestechungsacte nachweisbar. in Menge vorliegen, so ist es leicht möglich, daß die Schomrehadath die Wahl ihres Günstlings doch vom Reichstage annullirt sehen werden. - Besser als durch die eifrige Beförderung dieser Wahl konnte sich wohl der Schomre-hadath-Verein nicht charakterisiren. - Frankreich. Paris, 15. Juni. Der soeben vertheilte Budgetentwurf von 1873 enthält die Creirung neuer Rabbinatssitze zu Valenciennes, Nantes, Remiremont u.s.w; Auch sollen zur Vollendung der beiden Tempel in Paris 200,000 Frcs. für den auf der Place Royale, und 300,000 Frcs. für den auf der Rue de la Yictoire ausgesetzt werden.. Man kann doch nicht läugnen, daß diese thatkräftigen Verwirklichungen ider Gleichstellung der Culte sehr - ab stechen von den Almosenwelche sich andere Staatsregierungen für den jüdischen Cultus abringen lassen, und kein Patriotismus kann es-läugnen, daß Frankreich noch heute der einzige Staat ist,) in welchem die Gleichstellung nach allen Beziehungen hin aus der Phrase herausgekommen und vollständig realjsirt worden ist.,, , , , . . - ,