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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-07-09 · Heft 28 (9.7.1872) · p. Seite 548

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 28 (9.7.1872)
Date
1872-07-09
Page
Seite 548 (sequence 6)
Language
German
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'an vielen Stellen von später» Händen interpolirt worden sein mag; aber karäische Elemente lassen sich mit Gewißheit darin nicht auffinden. Hat doch auch der babylonische Talmud an vielen Stellen von den Geonim, was historisch feststeht , Einschiebsel und Zugaben erhalten, und es ist daher eben so gut möglich, daß der Jeruschalmi ein gleiches Schicksal erfahren hat. Aber diese Stellen mit Bestimmtheit anzugeben ist höchst schwierig, weil erst der Text von den Fehlern gelichtet und das Sprachgut aufgeklärt werden muß. Jedenfalls verdient Herr Wiesner unsere volle Anerkennung, daß er die Aufmerksamkeit auf den jerusalemischen Talmud gelenkt hat, und wenn wir gleich den Ergebnissen seiner Untersuchung nicht beipflichten können, so ist doch das Schriftchen, das manche gute Bemerkung enthält, sehr anregend und interessant. Rabbiner D. Oppenheim. Aeituugsnachrichteu. Deutschland. Aus Baiern, im Juni. (Nach der Wahrh.) Das relativ wichtigste Ereigniß in unserm CultusleLen ist die staatlich bewilligte Aufbesserung der Rabbinatsstellen auf das Minimum von 900 fl. Angeregt ward bekanntlich diese Frage durch eine Eingabe des (seitdem verstorbenen) Rabbiners Ehrlich aus Schopfloch an die Kammer. Sie wäre aber erfolglos geblieben, da der Ausschuß nahe daran war, sich für in der Sache nicht instruirt zu erklären, hätte nicht der Abgeordnete Dr. Frankenburger mit advocatischem Scharfsinn sie in dem rechten Moment und an der rechten Stelle einzufügen und sie als Theuerungszulage durchzubringen verstanden. Es ist dies der erste Tropfen , welcher aus der reichen Quelle des bäurischen Staatsbudgets auf das dürre Feld rabbinischen Einkommens erquickend fällt, denn aus diesen Verhandlungen geht für den, der es noch nicht wußte, hervor, daß es in Baiern 37 Rabbiner, beziehungsweise 38 Rabbinate mit 37 Rabbinern gibt. Von diesen Haben 7 ein Einkommen, welches den Betrag von 900 fl. übersteigt, bei 5 andern ist eine Zulage von je 100 fl. nöthig zu einem Einkommen von 900 fl. Von den übrigen 25 Rabbinern würde durch eine Zulage von 200 fl. nur ein Theil, und die übrigen auch dann noch ein Einkommen unter 900 fl. haben. Hierzu wurden auch 5500 fl> aus. der Staatskasse durch Mehrheitsbeschlüsse genehmigt. Die Nürnberger habensich doch noch eines andern besonnen und ihre Rabbinerwahl am 28. vor. Mts. vorgenommen. 12 Stimmen unter 21 erhielt vr. Le vin aus Z ürich. Die Minorität von 9 Stimmen war auf vr. L. Stein aus Frankfurt gefallen. Der Erwählte war früher Lehrer und hat die Morenu von einem französischen Rabbinate erhalten. Metz, im Juni. Im Budget von Elsaß-Lothringen für 1872 haben die Geistlichen der verschiedenen Culte Gehaltsaufbesserungen erhalten. Die jüdischen Cultusbeamten sind nicht hintangesetzt, vielmehr ganz besonders begünstigt worden. Die drei Großrabbiner erhalten jeder 5000 Frcs. statt 3600, vierzig Rabbiner jeder 2250 statt wie bisher 1800. Frcs., fünfundvierzig Vorbeter erhalten je 1500 Frcs. statt 900. Dies macht zusammen eine Erhöhung des Budgets von jährlich 49,200 Frcs., und niemand wird verkennen, daß dies eine so beträchtliche Spende ist, wie sie selbst auf dem französischen Etat so leicht nicht vorgekommen. Vom Rhein, Ende Juni. (Privatmitth.) . Während in Baiern und Würtemberg von Seiten der gesetzgebenden Factoren das Nöthige angeordnet wird, um die Gemeindebeamten materiell besser zu stellen und dadurch indirect die Gemeindeverhältnisse selbst wesentlich gebessert werden, bin ich in der erfreulichen Lage, Ihnen von einer neupreußischen Gemeinde wittheilen zu können, daß sie aus eigenem Antriebe ihre Verhältnisse in schönster, liberalster Weise zu ordnen sucht, wobei Gemeindevorstand und Rabbiner in seltener Einigkeit rüstig zusammen wirken. Die früher hessische Gemeinde Meisenheim hat in den letzten Jahren mit bedeutenden Kosten eine sehr schöne Synagoge gebaut und ist besonders seit etwa 2 Jahren, seit nämlich Herr Rabbiner vr. Jsr. Maier dort wirkt, in raschem Aufblühen begriffen. Herr Rabbiner Maier trat die anfangs sehr gering dotirte Stelle an, noch ehe die Gemeindeverfassung nach preußischem Gesetze umgestaltet war; durch seine rastlose Thättgkeit bei Gemeinde und Behörden wurde diese Umgestaltung rasch zu Ende geführt, der Gottesdienst neu und höchst entsprechend. geordnet, die Schule den Bedürfnissen der

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