Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1872)
- Date
- 1872-07-09
- Page
- Seite 547 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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nur einige wenige Beispiele anführen wollen. 'S. 18 bemerkt Herr Wiesner, daß der Ausdruck 17212-72 für einen Apostaten Llos dem jerusalemischen Talmud eigen fei, - während der babylonische Talmud dafür ->2172 gebraucht. Abgesehen davon , daß nach den Citaten bei den Decisoren und den alten Commentatoren anstatt -»Toi», das wahrscheinlich aus Censurrücksichten zumeist gebraucht und substituirt wurde, sehr häufig 27212,72 angeführt wird, so findet sich ja schon das daraus gebildete Zeitwort bei Onkelos 2 Mos. 12, 43: -wnu-a-i drri'w'' -12 ba. S. Nachmanides z. St. und Buxtorfs talm. Lex. Col. 2442. Ebenso haltlos ist die Bemerkung, daß der babylonische Talmud das Substantiv wnw, welches nur im Ieruschalmi für Synagogendiener bisweilen gebraucht wird, nicht kenne. Sanhedrin 59 b.: bna 2,722b* bsn und in den Targmnim ts. die Citate bei Buxtorf Col. 2457) findet sich öfters dieses Wort in den verschiedensten Bedeutungen. Merkwürdig ist es, daß Herr Wiesner, ein gewiegter Talmudkenner, folgende Stelle zu Gittin 1, 1 gänzlich mißverstanden hat und dadurch zu falschen Devuctionen verleitet wurde. Es wird nämlich daselbst über den Ort verhandelt, wo der Scheidebrief geschrieben werden soll, und die Meinung angegeben, daß dies an der Gerichtsstätte, ■»p'w-nrT» V1P722, oder in der Synagoge, nvran -'p^rrnin'' vw ■)'«, oder in' Gegenwart von 10 Personen zu geschehen Habe. Das verstümmelte Wort -'p^nin^, wofür (f. Aruch s. v.) zu lesen ist, brachte Herrn Wiesner auf den sänderbaren Gedanken eine „Iudengass e," Judaica, ein Ghetto, im Talmud zu entdecken. Allein schon der Commentator Moses Margolies hat aus dem Sinne das Richtige errathen und auf Aruch hingewiesen, und daß hier nur eine Gerichtsstätte, Judicatorium, gemeint sein kann , zeigt schon ein flüchtiger Blick. Eigenthümlich ist ferner die Entdeckung, daß der jerusalemische Talmud bereits das italienische Wort Conto gekannt habe. -Baba Bathra 10,1 wird die Frage aufgeworfen, wenn auf einem Schuldschein die einzelnen Schuldposten verlöscht. sind und Llos die Summa deutlich ausgeschrieben ist, ob derselbe rechtskräftig fei: p^nn ab av2ip p->n?2iina«.- Herr Wiesner stellt nun awaip mit Conto, Rechnung, zusammen und will dadurch die Jugend des Jeruschalmi darthun. Allein wahrscheinlich ist hier eher an quavtmv zu denken, wie überhaupt'die sprachliche Erklärung der dort angeführten Debatte sehr schwierig ist. Nichtig ist ebenfalls der Beweis von der Jugend des Ieruschalmi aus der Erwähnung des Gebrauches des sogenannten „Schulklopfens", bei den Arabern Al Naküs genannt. Megilla 3, 5: nainrr. iaa ^2,1272 iian'' iiriion. Herr Dr. Perles, Etymologische Studien S. 76, hat nachgewiesen, daß Muhammed diesen Gebrauch nebst Namen Mküs----2,i272 und wipu dem Judenthume entlehnt habe und daß sich dessen auch die Griechen vor Muhammed zu demselben Zwecke bedienten. S. Ducange glossar. graec. oiyLiavTijQiov, signum, quo Graeci fideles ad ecclesiam convocant. Endlich wundert sich Herr Wiesner, daß der Ieruschalmi Sabbat 7, 2, Beza 4, 5: inn des Zuckers Erwähnung thut. Aber das hat ja gar nichts befremdendes. Saccharum, oay.%ctQov, ein aus den Knoten des Bambusrohres schwitzender Zuckersaft, wird bereits bei Dioskorides und Plinius erwähnt, und auch in den angeführten Stellen im Talmud ist nur von diesem Zucker die Rede. Daß der Text des Ieruschalmi voll Corruptelen und Fehler sei, ist schon eine alte Klage, und darum muß die Kritik hier mit ihrem Urtheile sehr behutsam sein und nicht gleich Gothen und andere Völkernamen Herauslesen. Herr Wiesner hat an einer andern Stelle irrthümlich „Gothen" statt Krücken ausgegeben. Beza 1, 7 wird von Rabbi Abuhu erzählt, daß er,, wenn er die Bäder in Liberias besuchte, sich zweier Krücken bediente, um nicht gleich aus dem warmen Bade auf die kalten Marmorsteine zu treten, ■pma y>nn b’y -p2nö?2 “nrri. Das dunkle i^nia erklärte Rabbi David Frankel aus dem Zusammenhänge mit Krücken (vielleicht vom Verbum ma Herausstoßen, hervorhüpfen, s. Fürst hebr..Wörterb. u. Aruch s. v. na). Herr Wiesner las aber -pnia und übersetzte dies mit Gothen: Rabbi Abuhu habe sich zweier Gothen als Diener bedient. Allein wenn man schon die Lesart V'-ma gelten lassen will, so ist hier doch keineswegs an Gothen zu denken. Ieruschalmi und Midrasch schreiben oft ^nia anstatt dviid,- Samaritaner, wie dies schon Lonsano im Maarich bemerkt. Die vermeintlichen Gothen sind hier Samaritaner. Durch solche Jrrthümer ist der gelehrte Verfasser zu falschen Urtheilen verleitet worden, die er bei genauer Prüfung der Stellen leicht hätte vermeiden können. So muß man jerus. Sanhedrin 8, 7 lesen: i->i72bn nawb, d. h. er lobt sich sein Handwerk, seine Lebensweise. Freilich muß man zugeben, daß der Jerus chalmi