Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1872)
- Date
- 1872-07-09
- Page
- Seite 546 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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der Zehngebote. Mehr als einer, der gegen die Juden vorgcht, glaubt ohne Zweifel, daß er, indem er sie ausrottet, zugleich die Zehngebote auslöscht, welche Pie Qual der Gewissen sind , .wenn sie aufhören ihr Führer zu sein. Das Erste, was die Verfolger der Juden thun, ist, daß sie sich auf die Synagoge werfen, nicht allein weil sie wissen, daß sie damit das Herz der Juden treffen, wenn. sie ihr Heiligthum zerstören, sondern je aufgebrachter sie gegen die Juden sind, desto mehr möchten sie das vernichten, woher, wie es ihnen scheint, jene ihre Kraft ziehen. Die Rumänen haben die atheistischen Zigeuner emancipirt. „Diese,, sagten sie, werden sich leicht mit uns verschmelzen." „Die Juden, das ist etwas anderes," so sagen heute die Rumänen. Wahrscheinlich wenn die Israeliten in dieser Nacht nach ihrem Vorbilde atheistisch würden, so würden sie beim Erwachen der Emancipation für würdig gehalten werden. Die Juden werden hauptsächlich wegen ihres festen und unerschütterlichen Glaubens an Gott verfolgt, der ein Aergerniß für die Atheisten ist. Das ist die wahre Ursache ihrer Leiden. Und deshalb haben stets und überall die wahrhaft religiösen Seelen mit den Juden sympathisirt." Lürrarischer Wochenbericht. Gr. Becskerek, 15. Mai. 'i3i ^bwi^n Yttabnin b? iTY’pn ,v'»bivi->'' n?22 Gibeath Jeruschalaim. Eine Studie über Wesen, Quellen, Entstehung, Abschluß und über den Verfasser des jerusalemitischen Talmuds. Von I. A. Wiesner, Kreisrabbiner zu Nachod. Wien 1862. Herzfeld und Bauer. 84 S. 8. Das Studium des jerusalemischen Talmuds, das selbst von gelehrten Talmudisten nur nebenher betrieben wurde, hat in neuerer Zeit einen regern Aufschwung genommen. Schon die Alten klagten sehr über den mangelhaften, stark verstümmelten Text des jerusalemischen Talmuds, der das Studium und das Verständnis desselben bedeutend erschwert. Von den alten Commentaren, die hier und da spärlich angeführt werden, hat sich nichts erhalten und erst seit ungefähr 1.60 oder besser 150 Jahren wurde ernstlich daran gegangen, ausführliche Commentare über den jerusalemischen Talmud zu verfassen und zu veröffentlichen Diesem eifrigen Streben berühmter undgelehrter Rabbiner haben, wir die Commentare niw '■dt trbun'V' tnbiü ,nwn zu verdanken. Doch auch die Kritik ließ nicht lange auf sich warten und bemächtigte sich eifrig dieses so wenig cultivirten Bodens. Josua Schorr, der Kritiker xar koroe, hat in seinem Jahrbuche yibrm dem jerusalemischen Talmud mehrere ausführliche kritische Abhandlungen, z. B. 5. Jahrg. S. 31, 6. Jahrg. S. 47, gewidmet. Diesem reihete sich sein Landsmann Abraham Krochmal mit seinem i-msDrt 0*^7251^ an. Beide vindiciren dem jerusalemisch. Talmud einen höhern Werch und ein höheres Alter als . dem babylonischen. Herr Director vr. Z. Frankel, der eine kritische und wissenschaftliche Ausgabe des jerusalemischen Talmud vorbereitet, hat in seiner gelehrten Einleitung '"abwi^b «12,2 die Grundlinien zu einer wissenschaftlichen Bearbeitung desselben mit vieler Umsicht und Sachkenntniß gezeichnet. Der gelehrte Rabbiner Wiesner hat sich gleichfalls in dem oben genannten Schriftchen den Jeruschalmi zum Borwurf einer fleißigen Untersuchung genommen und glaubt zu dem überraschenden , bisher ganz unbekannten Resultate gelangt zu sein, daß der jerusalemische Talmud lange nach Entstehung des Karäismus, dessen Spuren sogar häufig darin gefunden werden, zwischen 760—900, verfaßt wurde. Es hat wohl der Gedanke etwas sonderbares an sich, in einem so weitläufigen Werke, das einzig und allein der Tradition und der Auslegung der Mischna gewidmet ist, Karaitisches, also starre Negation von Tradition und Mischna, finden zu wollen. Ja, so wenig wir dem gelehrten Verfasser die Anerkennung seines redlichen Forschens und seiner ausgebreiteten Belesenheit versagen wollen, so .müssen wir doch die ganze „Studie" als eine Hyperkritik verwerfen. Herr Rabbiner Wiesner scheint nicht einmal die Arbeiten von Schorr im Hechaluz und ' von vr. Frankel zu kennen, worin er viele angeregte Puncte weit gründlicher erledigt gesunden haben würde. Das Schriftchen, welches zuerst in der in Wien erscheinenden hebräischen Zeitschrift „Hafchachar" veröffentlicht wurde, ist vom Redacteur Herrn Peter Smolensky als Sonderabdruck, mit kritischen Bemerkungen vom Herausgeber versehen, herausgegeben worden, und jeder Unbefangene muß gestehen , daß die kritischen Bemerkungen des Herrn Smolensky zumeist sehr richtig sind. Aber sehr viele Puncte, besonders, in sprachlicher Beziehung, worauf Herr Rabbiner Wiesner so viel Gewicht legt, lassen sich noch berichtigen, von denen -wir