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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-07-09 · Heft 28 (9.7.1872) · p. Seite 545

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 28 (9.7.1872)
Date
1872-07-09
Page
Seite 545 (sequence 3)
Language
German
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Die Christen fanden ihrer Mehrzahl nach den Höhepunkt ihrer Liebe zu Israel darindaß sie dieses Volk äußerlich sich selbst immer mehr gleichstellten. Sie verkannten aber, wie sie hierdurch dazu beitrugen, daß daS Volk des alten Bundes, nur noch mehr verblendet, sich von dem Lichte Mehrte, und wie sie mit ihren Bestrebungen das über Israel ausgesprochene Wort der Weissagung (5 Mose C. 28) zu bekämpfen und aufzuheben suchten," Dagegen wurde es als ein großer Wendepunct angesehen, als die Gesellschaft im März 1851 durch ein Gesuch an den evangelischen Oberkirchenrath bewirkte, „daß in das allgemeine Kirchengebet der sonntägigen Liturgie die Fürbitte für das Volk Israel und für seine Bekehrung zu Christo ausgenommen wurde." Allerdings hat die Zahl der Getauften seitdem dennoch nur abgenommen. Aber das Schriftchen weiß doch von einigen Fällen zu erzählen, wo Juden weinten, als sie erfuhren, daß die Christen für sie beten (!!). Im Uebrigen enthält das Schriftchen vorzugsweise die Geschichte der Missionäre der Gesellschaft und berichtet ausführlich, an was für Krankheiten sie litten, Blutschwamnr, Wassersucht und dgl. — Unsre Leser mögen verzeihen, wenn wir sie so lange hiervon unterhielten — aber die Sache ist doch immerhin curios. Eine religiöse Verfolgung durch Atheisten. Unter der Überschrift „live persdeution religieuse par des Ath^es“ bringt die Esp&ance de Rome einen Artikel, welcher der Beachtung sehr werth ist. Es wird in demselben behauptet, daß die in Rumänien stattfindenden Judenverfolgungen ein Ausfluß des Atheismus seien. Niemals habe in Rumänien selbst in den Zeiten des blindesten religiösen Fanatismus eine Verfolgung der Juden stattgesunden, und noch heute sei die rumänische Geistlichkeit durchaus von toleranter Gesinnung. Dagegen seien die gegenwärtigen Führer der Bewegung in Rumänien sämmtlich ausgesprochene Atheisten, wenn .sie sich auch jetzt nicht selten orthodox geberden; sie wollten den rumänischen Staat aus atheistische Grundlagen stellen, um ihn völlig unabhängig zu machen, und wollten deshalb zuerst das Judenthum, dann das Christenthum in Rumänien ausrotten. Der Verfasser dieses Artikels ist jedenfalls mit den Persönlichkeiten Rumäniens und deren Antecedentien genau bekannt. Er geht jene einzeln durch und theilt ihre Handlungen und Aussprüche mit, durch welche sie sich als die gesinnungslosesten Atheisten bekunden. Er weist zunächst auf den Professor Barnutz hin, von welchem auch in diesem Blatte wiederholt gesprochen worden, und dessen Schule in Jassy und der Moldau herrschend ist. Der bedeutendste von seinen Schülern, Nikolaus Jonesko, ist nach dieser Richtung hin genügend bekannt. In Bukarest spielt Cäsar Bolleak seine Rolle als Vertheidiger der orthodoxen Kirche, während er in Paris sich öffentlich des Atheismus rühmte. Für die Religionsspötterei und Gottesläugnung C. A. Rofetti's werden Beweise herangebracht — und doch wurde er nach seiner Rückkehr nach Bukarest Cultusminister. Gestern zeigte er sich bei der Procession, die Wachskerze in der Hand, heute spottet er über die göttliche Vorsehung. Auf gleicher Linie sieht Johann Bratiano; er bekannte sich öffentlich als Atheist, und wunderte sich nicht, als ihm eines Tages gesagt wurde, daß sämmtliche Glieder der höheren Claffen in Rumänien weder an Gott, noch an Liebe, noch an Freundschaft glauben; vielmehr gestand er lachend zu, daß er auch zu ihnen gehöre. Der Artikel endigt mit folgenden Sätzen: „Und von der anderen Seite ist es richtig, daß hauptsächlich, weil die Parteiführer in Rumänien in Lehre und Leben Atheisten sind, sie die Juden verfolgen. Wenn Polen als Repräsentant des Nativnalitätsprincips betrachtet wird und deshalb diejenigen, welche das Vaterland verläugnen, zu Feinden, und diejenigen, die daran glauben, zu Freunden gehabt hat und noch hat, so kann man sich wohl erklären, daß ebenso Israel, das Volk, welches die Gottesidee trägt (und deshalb wurde es inmitten der anderen Völker mit dem schönen Namen „Volk Gottes" bezeichnet), natürlich diejenigen zu Feinden hat, deren Handlungen eine Verläugnung Gottes sind. Das Judenthum ist der stärkste Gegensatz des Atheismus, ein lebendiger und thätiger Gegensatz. Wenn mit übertriebenem Ausdruck gesagt worden ist, daß die Völker, welche ihre Propheten tödten, einen Gottesmord begehen, weil sie einen der kostbarsten Lichtstrahlen Gottes vernichten, mit wie viel mehr Recht kann man von denen, welche ein Volk vernichten und zerstören, in dem und durch welches der Glaube an die Einheit Gottes verkündet worden ist, sagen, daß sie einen Gottesmord begehen, da sie eines der erwählten Organe des Allerhöchsten unterdrücken. Man hat von Israel gesagt, es sei das Volk der Schrift; es ist hauptsächlich das Volk 28*

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