Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1872)
- Date
- 1872-07-02
- Page
- Seite 533 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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In der dritten Lesung nahm übrigens Herr Dr. Lasker auch bas Wort und sprach gegen das Gesetz, und zwar weil es auf Verwaltungsjustiz beruhe, die er verwirft, und schließlich auf Verfolgung deutscher Bürger hinauslaufe. — Das Comits für die rumänischen Juden Hat bereits 6097 Thlr. 5 Sgr. empfangen, allerdings zuw überaus größten Theile aus Berlin selbst. Crefeld, 20. Juni. (Entgegnung.) In Nr. 23 dieses geschätzten Blattes befindet sich eine Privatmittheilung „vom Rheine, 22. Mai," deren Verfasser offenbar identisch ist mit dem Einsender des unter demselben Datum in der cölnischen Zeitung erschienenen und nachher von mehreren Lehrern meines Sprengels sachgemäß zurückgewiesenen Referats. — Nach dieser Privatmittheilung, die sich von dem Referate in der cölnischen Zeitung nur dadurch unterscheidet, daß sie noch einige derbe Faustschläge mehr der Wahrheit in's Gesicht versetzt, wäre in der Conferenz der israelitischen Lehrer aus Rheinland und Westphalen ein Circularschreiben des Rabbiners vr. I. Horowitz in Crefeld zur Sprache gekommen, in welchem er sagte, daß „die Aufgabe der Ueberwachung der Schulen naturgemäß ihm, dem Rabbiner, zufalle." — Zur Rettung des Judenthums vor Einschleppung „hierarchischer Gelüste" hätten denn die Lehrer energisch protestirt „gegen eine solche, weder in der Natur noch im Gesetze begründete Ueberwachung der Schulen durch den nur als Theologen gewählten Rabbiner". Die meisten Herren Rabbiner seien keine „einsichtsvollen Pädagogen" — darum „wollen wir sie nicht.zur Ueberwachung der Schule haben! Wir wollen uns nicht auch das noch aufladen, woran unsere christlichen Collegen zu schleppen haben, und dessen bis jetzt zu entbehren wir so glücklich waren." So das Referat. Da nun die in ihm enthaltene Verdächtigung meiner Person, welche für jeden nur einigermaßen Eingeweihten den Stempel dreister Entstellung und Fälschung von Thatsachen und Motiven an der Stirn trägt, eben nur für solche berechnet ist, die weder das darin angeführte Circular gelesen haben, noch mein amtliches Verhältniß zu Crefeld und dem crefelder Sprengel (von welchem wohlweislich der Referent ganz schweigt) kennen, so erlaube ich mir eine kurze Darstellung der Sachlage zu geben, um jene Anschuldigung in das rechte Licht zu setzen und zugleich den Geist zu kennzeichnen, von welchem jene Lehrerconferenz — wenn das Referat wahrheitsgemäß be« richtet — geleitet worden ist. Ich bin von Crefeld und fast allen zu dem früher» Consistorialsprengel gehörenden jüdischen Gemeinden zum Oberrabbiner gewählt worden. Für die crefelder bekanntlich städtische jüdische Elementarschule bin ich städtischer Schulinspector und außerdem seit einiger Zeit auch von der Regierung bestätigtes Mitglied der städtischen Schulcommisfion. — Ob diese von mir auch übernommene Jnspection nun wohl eine „im Gesetze begründete" ist? Was nun den Sprengel betrifft, dessen sämmtliche Religions- und Elementarschulen weder städtisch noch staatlich, sondern nur privater Natur sind, so lautet § 3 in meinem mit dem ganzen Sprengel contrahirten Vertrage: „Er (der Oberrabbiner) hat die Schulen des Sprengels zu inspiciren und sich von deren Leistungen unterrichtet zu halten." Ich bin also nolens volens Inspektor der jüdischen Schulen meines Sprengels, und ich wäre einfach contractbrüchig, wenn ich mich dieser auch noch so schweren Last, entledigen und pflichtvergessen, wenn 'ich dieses mein Amt nicht in der mir für den Sprengel am ersprießlichsten scheinenden'Weise ausüben würde. Nach meiner nunmehr dreijährigen Wirksamkeit habe ich die Erfahrung gemacht, daß einigen Schulen jede Localaufsicht fehlt, daß dieselbe in den meisten ungenügend ist, daß an mehreren Orten nicht einmal ein Schulvorstand existirt, und daß der für manche Elementarschulen zum Localinspector designirte Ortspfarrer eingestandenermaßen fast nie die betreffende Schule besucht, und man kann demselben, soweit es das specifisch Jüdische betrifft, den Mangel an Interesse nicht zum besondern Vorwurf machen. — Der Herr Referent, der jüdische Lehrer „vom Rheine", will aber vom Rabbiner nichts wissen und lieber den Pfarrer, dem ja stets mit besonderer Vorliebe die jüdische Schule auch von der Regierung zugewiesen wird, zum Inspektor haben. Darüber mag er sich mit dem Judenthume, das er von „hierarchischen Gelüsten" retten will, auseinandersetzen. Aber freilich , ein Inspektor, der-die Schule nicht inspicirt, ist bequemer. Unter solchen Zuständen aber leiden die Schulen und Lehrer kleinerer Gemeinden moralisch und materiell im empfindlichsten Maße. Versäumnißlisten werden fast gar nicht, oder nur mangelhaft geführt, die Schullocalitäten sind häufig in desperatem Zustande und 27*