Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1872)
- Date
- 1872-07-02
- Page
- Seite 534 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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an den nochwendigsten Schulrequifiten fehlt es oft u. s. w. Und alle gewissenhaften Lehrer klagten mir oft genug, wie schmerzlich sie jede Aufsicht und jede Theilnahme für die Schule vermissen. Der Referent „vom Rheine" will zu diesen nicht gerechnet werden. Er bedarf all dieses Zeuges nicht, „dessen bis jetzt zu entbehren er so glücklich war". Auf welchen gesegneten Fluren wag seine Schule liegen? Glücklicher Unfehlbarer! . Mit dies er hier geschilderten Mangelhaftigkeit hängt aber noch ein anderer bedauerlicher in meinem Circular besonders hervorgehobener Punct zusammen, nämlich die Spärlichkeit pecuniarer Mittel bei den kleinen Gemeinden, aus der einerseits eine ganz ungenügende Besoldung der Lehrer und in Folge dessen auch ein häufiger für die Schulen so schädlicher Lehrerwechsel, andrerseits aber da, wo keine jüdische Elementarschule besteht, der Mangel jedes Religionsunterrichtes hervorgeht. — Weil ich mich nun — „allen hierarchischen Gelüsten" abhold — nicht als alleinigen Jnspector des Sprengels geriren wollte und vielmehr meine für die meisten Schulen nur einmal in drei Jahren wiederkehrende Inspektion nicht für ausreichend halte, darum fordere ich von dem Sprengel, ohne mich aber von der mir „naturgemäß (ja contractgemäß) anheirnfallenden Ueberwachung" befreien zu wollen, eine Mitwirkung seitens der Laien — und wollte Gott ich könnte auch im Sprengel auf „einsichtsvolle Pädagogen" reflectiren. — Zur möglichsten Hebung aller obengenannten Mißstände beantragte ich nun in jenem Rundschreiben die Bildung eines Vereins, der einerseits durch ftinen Vorstand für die Creirung von Schulvorständen twie fie ja doch für jede geordnete Schule _ in unserem Staate bestehen) und für pünctliche Ausübung ihrer Functionen sorgen, anderntheits durch freiwillige Beiträge die unbemittelten Gemeinden auch materiell unterstützen soll, um eine bessere Ausstattung der Schulen, eine günstigere Besoldung der Lehrer, wie nicht minder die weitere Ausbildung von befähigten, unbemittelten Kindern zu ermöglichen.— Dieses Projett wurde denn auch von Lehrern und Gemeinden meines Sprengels freudig begrüßt. Der Verein ist nmr auch constituirt und sein Bestand fast ganz garatttirt, worüber diese geschätzte Zeitung wohl seiner Zeit Näheres berichten wird. So weit das tatsächliche betreffs meines Cirmkars. Wenn ich nun hier noch zur Charakterisirung des im Referate erwähnten „wackern undenergischen" Protestes der Lehrer constatire , daß in jener Lehrereonferenz bei der betreffenden Debatte nur 3—4 Lehrer aus meinem Sprengel gegenwärtig waren und unter diesen Einer energisch seine Stimme gegen jene Anschuldigung erhob, so kann ich nun wohl jedem Unbefangenen das Urtheil überlassen, was von Lehrern zu halten sei, die , wie es ja der Referent in seinem emphatischen Ausrufe naiv genug verräth-, durch das blosse'Wort „Aufsicht" oder „Ueberwachung" von einem heillosen Schrecken befallen, Vertuschung und Verdunkelung von Thatsachen und Motiven nicht scheut, um einem Institute zu schaden, das nur das wahre Interesse der Schulen und Lehrer im Auge hat. — Daß ich mich unter solchen Verhältnissen mit jenen Herren in eine weitere Discussion einlassen solle, wird mir wohl Niemand zumuthen. vr. Horowitz. Donaufürstenthümer. Konstantinopel, 17. Juni. Neuesten Telegrammen zufolge ist der rumänische Minister Köstaforu hier angekommen, um in der Judenfrage die Pforte Rumänien geneigt zu machen, und hat zu diesem Zwecke dem Großvezir und Servet-Pascha Besuche abgestattet. — Jedenfalls sieht Rumänien jetzt, daß die Sache der Verfolgung und der Rechtsverhöhmmg nicht mehr mit einigen ministeriellen Phrasen abgethan ist, sondern daß die Schutzmächte Ernst zeigen, einen solchen Zustand nicht länger zu dulden. Wir glauben nicht, daß die Pforte die ihr günstige Gelegenheit vorübergehen lassen wird, den Herren Rumänen fühlbar zu machen, daß sie auch noch etwas zu bedeuten habe. Der Nachdruck, den ihre Politik dem Bicekönig von Aegypten, dem Papste und infolge dessen selbst Frankreich gegenüber bethätigt hat, läßt uns hoffen, daß sie auch gegen Rumänien nicht allzu gelinde Saiten aufziehen wird. Türkei. Konstantinopel, 20. Juni. . Der rumänische Minister des Innern Kostaforu hat sich nicht damit begnügt, in einer Cirmlarnote den Schutzmächten zu bemerken, daß sie sich ganz und gar nicht darum zu