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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-07-02 · Heft 27 (2.7.1872) · p. Seite 531

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 27 (2.7.1872)
Date
1872-07-02
Page
Seite 531 (sequence 9)
Language
German
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und Hairtt David geworfen wurden, gefmdeu. Diese Thatsache.ist constatirt und ist nicht mchr in Frage zu -stellen. Wenn in Folge der großen Schwierigkeiten einer während mehrerer Monate mühsam fortgesetzten Instruction gerichtliche Jrrthümer den Rabbiner Mer Brandes und David Goldfchläger, welche der Hauptschuldige als Mitschuldige und Anstifter des Verbrechens denuncirte, haben in Anklagestand versetzen können; wenn das Geschwornengericht, fremd den Nüancen, welche die Wissenschaft zwischen den verschiedenen Personen, die bei dem Verbrechen mitgewirkt haben, festsetzt, dort Mitschuldige erblickt hat, wo es nur Hehler gab; so muß man doch nicht daraus schließen, daß nur ein einzigerschuldig war. Die osficiell constatirten Thatsachen, die von den Schuldigen selbst umständlich abgegebenen Geständnisse, so wie sie im Rapport des Justizministers detaillirt sind, das bei dem einen Vorgefundene gestohlene Geld und die von zwei andern Juden in die Re- Lirade geworfenen und von den Regierungsagenten nach ihrer eigenen Anzeige daselbst Vorgefundenen heiligen Gegenstände lassen keinen Zweifel mehr in dieser Sache. Ich erinnere, Herr Agent, an diese Details gewiß nicht um das Vorgehen der Geschworenen zu entschuldigen, sondern weil es mir scheint, daß es nicht gerecht wäre, jedwede Beziehung zwischen dem begangenen Verbrechen und den darauf gefolgten Ruhestörungsacten zu verwischen; die öffentliche Meinung wäre nur halb unterrichtet, wenn, indem man die Tragweite der letzteren übertreibt, man geneigt ist, die moralische Wichtigkeit des Hauptfactums zu verringern, indem man es auf eine einfache Ziffernfrage reducirt, wie man es im englischen Parlament zu thun versucht hat. Hier halte ich inne, Herr Agent, weil ich darüber genug gesagt zu haben glaube, um die Hauptpunkte, welche Sie entwickeln und vertheidigen sollen, hervorzuheben. Es gibt keine religiöse Verfolgung in Rumänien, und es gab eine solche hier niemals. Aber verhältnißmäßig gibt es hier eine große Anzahl Juden, wie es deren in keinem anderen Lande gibt. Der einheimische Handel empfindet es, und es gibt mehrere Städte, wo er vollständig den Händen der Juden überlassen ist. Der Civilisationszustand der Juden läßt noch viel zu wünschen übrig; man muß von den Fortschritten der Zeit und von den Anstrengungen, welche die aufgeklärten Juden zur Verbesserung der Sitten ihrer Glaubensbrüder machen, alles hoffen. Jndeß bilden sie eine abgesonderte Classe, eine wahrhafte Kaste im Lande, wohin sie nicht aufhören sich zu flüchten, trotz der Unduldsamkeit, deren man unsere Nation in den letzten Zeiten beschuldigt hat, die jene eigentlich davon fern halten sollte, wenn sie wirklich exiftirte. Behaupten, daß ihre Aufführung immer eine correcte sei und daß sie nur unschuldige unglückliche Opfer der (wie man es zu nennen beliebt) Berfolgung der Juden in Rumänien seien, ist inexact. Ebenso scheint mir die Propaganda, welche die jüdische Presse gegen das Land und seine Regierung macht, und der unaufhörliche Appell an fremde Intervention nicht von der Natur zu sein, um das Uebel zu Men, im Gegentheil es aufzureizen. Indem man das Ziel erreichen will, geht man darüber hinaus. Die gegenwärtige Regierung hat Beweise von Festigkeit gegeben, und in den ernsten Umständen, welche sie seit ihrem Regierungsantritt durchzumachen hatte, hat sie keinen Augenblick aufgehört den Weg der Pflicht zu beobachten, sich über alle Leidenschaften und alle Rücksicht auf eine eitle und falsche Popularität stellend. Die Israeliten selbst erkennen diese Wahrheit an, und die Aufgeklärtesten unter ihnen verstehen vollkommen die Schwierigkeit der Lage, und wie viele Hindernisse wir zu übersteigen gehabt haben, um das Gleichgewicht der socialen Verhältnisse zu erhalten und die allgemeine Ruhe zu sichern. Man muß uns daher nicht andere Hindernisse schaffen, noch die Frage durch Interventionen erschweren, welche die Wirkung hervorbringen könnten, die Action der Macht abzuschwächen und ihre'besten Intentionen zu lähmen. Die in Bukarest accreditirren fremden Herren Agenten sind mehr als alle anderen im Stande, ihren Regierungen über die Sachlage in Rumänien und über die Richtschnur des Benehmens des gegenwärtigen Cabinets Aufklärung zu geben. Wir wären also im Rechte auf ihre wohlwollende Mitwirkung zu rechnen, um uns zu Hilfe zu kommen und uns in der Aufgabe, welche wir uns auferlegt haben, mit ihren Sympathien zu umgeben. Aber dieser Hoffnung ganz entgegengesetzt wurde die Regierung schmerzlich überrascht, indem sie von einem Collectivacte Kenntmß erlangte, dessen ungebräuchliche

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