Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1872)
- Date
- 1872-07-02
- Page
- Seite 530 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Facta sowohl, als auch auf den allgemeinen Stand der Judenfrage in Rumänien herzustellen; es wird Ihnen auf diese Weise gelingen, uns die wohlwollende Unterstützung der civilisirten Mächte zu gewinnen, welche, über unsere Situation bester unterrichtet, nicht ermangeln werden , wie ich mit Festigkeit hoffe, uns beizustehen die Schwierigkeiten, die wir umgehen wollen und die man uns fortgesetzt creirt, zu ebnen. So hat man, ohne Berücksichtigung der gerechten Empörung, welche der in der Kathedrale verübte Frevel und der ruchlose Diebstahl der heiligen Gegenstände im ganzen Lande und besonders unter den niederen Elasten der Gesellschaft Hervorbringen mußten, auf jede Weise gesucht, etlichen Zerstörungen, die infolge der ersten Erhitzung der Gemüther und bevor die Autorität die Ruhe wieder Herstellen konnte, stattgefunden haben, riesige Dimensionen zu geben; man hat in diesen bedauernswerthen Thaten — die man sich leicht hätte erklären können, wenn man sich bemüht hätte, 'die Umstände unter denen sie erzeugt wurden, zu erwägen — ein Verfolgungssystem gegen die Juden gesehen, und suchte für einige durch eine abscheuliche That hervorgerufene locale Ruhestörung ein ganzes Land verantwortlich zu machen. Mußte man denn daraus den Schluß ziehen, daß es absolut nothwendig sei, eine Frage nicht länger ruhen zu lasten, welche zu wiederholten Malen zum Nachtheile der Interessen des Landes und selbst der jüdischen Bevölkerung hat mit Erfolg invocirt werden können? Heute noch, wo alles schon wieder seit lange in's Geleise der Ordnung eingetreten ist, und wo infolge der energischsten Maßregeln der Regierung die Furcht, daß bei Gelegenheit des Osterfestes neue Ruhestörungen sich - wiederholen würden, vollständig beseitigt ist; heute, wo wir im Rechte wären zu glauben, daß die Wahrheit sich Bahn gebrochen, und daß es durch die Augenscheinlichkeit der mittelst der Agenten der ausländischen Mächte selbst an Ort und Stelle constatirten Thatsachen anerkannt ist, daß weder ein einziger Jude getödtet oder verwundet, noch eine einzige Frau geschändet, und überhaupt die Bedeutung der verursachten Verwüstungen übertrieben worden ist; sehen wir mit Bedauern, daß man sich noch nicht entschlossen hat, den um die öffentliche Meinung zu täuschen seit jeher angewendeten falschen Mitteln zu entsagen, und daß eminente, zweifellos irregeführte Männer so weit gehen, zu glauben, daß es dem Gelingen der Sache. nütze, selbst im Schooße der ausländischen Parlamente schauderhafte Bilder von Verfolgungen, von Mordthaten, von Attentaten auf die Keuschheit und andere Grausamkeiten aufzutischen, welche weder in JSmail, noch in Kahul, noch in Vilkow, woselbst die Unordnungen Platz griffen, stattgefunden haben. Wir suchen nicht die Größe des begangenen Nebels zu verringern', und wir täuschen uns nicht im Geringsten über die Wichtigkeit, welche die Großmächte dieser jüdischen Frage beilegen; aber wir fragen uns mit vollem Gewissen, wie es einer Regierung, die von den besten Absichten beseelt ist und die nie aufhört materielle Proben der Aufrichtigkeit ihrer Absichten zu geben, gelingen könnte, die Schwierigkeiten, von denen sie umgeben ist, zu überwinden, wenn sie gegen ein System zu kämpfen hat, welches die Tendenz hat, die Klagen zu übertreiben, ohne die Ursachen ihrer Entstehung in Betracht zu ziehen, und sich bestrebt, den enormen Unterschied vergessen zu .machen, welcher zwischen' den Juden des westlichen Europas und der zu Hunderttausenden angehäuften und beinahe ausschließlich mehrere Städte Rumäniens bewohnenden jüdischen Bevölkerung besteht. ' Wir wollen Ihnen, Herr Agent, ebensowenig den schlechten Eindruck verbergen, welchen das von der Jury zu Buzeu zu Gunsten einiger Angeklagten ausgesprochene Befreiungsverdict auf die fürstliche Regierung gemacht hat. Aber wenn es erlaubt ist , die Natur Vieser Institution sogar bei den civilisirtesten Gesellschaften, woher wir sie genommen, zu studiren, wird es nicht schwer sein anzuerkennen, daß man oft in den Verbieten der Jurys die traurigsten Einflüsse zu beklagen hat, welche die Borurtheile oder die Leidenschaften des Augenblicks aus den Geist der über ihres Gleichen zu urtheilen berufenen Mitbürger zu üben im Stande waren und die sie vom . geraden Wege der Gerechtigkeit ablenkten. Die rumänische Regierung hat mehr als einmal und zu verschiedenen Epochen solche Abweichungen zu bedauern gehabt , und hat daher nicht ermangelt, die zur Einführung in das Gesetz der Jury dringend befundenen Modificationen den Kammern zu unterbreiten. Wir sind überzeugt, daß die legislative Gewalt sich beeilen wird, dieses Gesetz in der nächsten Sitzung zu siudiren und zu verbessern. Man muß übrigens der allgemeinen Aufregung der Geister in Folge der Kirchenentweihung Rechnung tragen und überhaupt in dem Augenblicke, wo man nach fünftägigen Recherchen das Kreuz und die heiligen Gegenstände in der Retirade eines von Juden;; bewohnten Hauses, wohin sie von den Israeliten A. Preismann