Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1872)
- Date
- 1872-06-25
- Page
- Seite 510 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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geben haben, die, wie Jedermann weiß, was auch die zahlreichen polnischen Gemeinden in Amerika und England darthun^ seit mehr als dreißig Jahren vorhanden und innerhalb dieser Zeit Tausende und Tausende aus ihrer Heimath in die Ferne getrieben hat. Wenn die OcLoberversammlung zu Berlin im Jahre 1869, daS Hauptgränzcomits, wie Sie, Herr Redacteur, selbst in Ihrer Denkschrift u. a. m. unter den Mitteln zur Abhilfe des Nothstandes auch zu der Auswanderung gegriffen' haben, so ist dies gewiß nur deshalb geschehen, weil gerade die Erfahrung bereits hinlänglich bewiesen hatte, welch günstige Resultate die in jenen freien Ländern ermöglichte Entfesselung der in dieser armen Bevölkerung schlummernden Intelligenz und Arbeitskraft erzielt hatte, weil man bereits von so vielen wußte, die in der neuen Heimath auch eine neue gesicherte Existenz gefunden und mittelbar wie unmittelbar zu Wohlthätern der in der Heimath Zurückgebliebenen geworden waren. Daß die Auswanderung in den letzten zwei Jahren größere Dimensionen angenommen, hat ebensowohl in dieser Erfahrung als in der progressiven Steigerung des Elends, das dort nach wie vor andauert, seinen ausreichenden Grund. Bon einem durch das sHauptgränzcomite gegebenen Impuls kann nur insofern die Rede sein, als den gänzlich Mittellosen, die bis dahin mit schwerem Herzen die wohlhabenderen Glaubensgenossen aus dem Mittelstände davon ziehen 'sahen, indeß die Armuth sie an die Scholle fesselte, als den zahlreichen Frauen und Kindern, deren Männer in der neuen Welt wohl Existenz, aber nicht Mittel genug zur Ueberfahrt für die ihrigen gefunden, durch uns die Aussicht eröffnet wurde, auch ihrerseits die Hoffnung auf Erlösung verwirklicht zu sehen. Hier aber läßt uns der Herr Correspondent zu wenig Gerechtigkeit widerfahren. Wir dürfen hierbei nicht nur die Ehre des Impulses beanspruchen, sondern behaupten, daß Alles was bisher geschehen durch uns und nur durch uns, resp. durch Alliance und Gemeindetag geschehen ist, und es wird dem Herrn Correspondenten schwer fallen, auch nur eine einzige Familie namhaft zu machen, die, wenn ihr die Mittel zur Ueberfahrt fehlten, sie von irgend jemand außer uns, sei es in Polen oder Deutschland, erhalten hat. Daß, wie auch der Herr Correspondent zugesteht, nicht allen geholfen werden konnte, selbst bei reichlicher fließenden Mitteln und unter günstigeren Verhältnissen als diejenigen , gewesen find, - in die unsere Thätigkeit seither gefallen, ist selbstverständlich, aber wohl müssen wir dagegen protestiren, daß unsere seitherigen Leistungen auf ein so. geringes Minimum reducirt... werden, wie es der Herr Correspondent andeutet. 'Nennt der Herr Correspondent die Beförderung von mehr als 700 Personen, zu der circa 35,000 Thaler verwendet worden sind, nur einen Impuls, oder dürfen wir es nicht vielmehr, selbst abgesehen von den durch jene bereits nach Polen gesendeten Gelder und Schiffskarten, — die zum Theil durch unsere Hände gegangen find, — als eine Leistung bezeichnen, als einen Erfolg, dessen sich alle, die uns hierbei unterstützt haben, freuen dürfen? — Aber der Herr Correspondent belegt seine Behauptung mit Zahlen. Aus Czaki sind 300 ausgewandert und von diesen nur einer auf Kosten der Alliance! Vs Procent, , was will das heißen! Nun beweist das Beispiel an und für sich gar nichts; denn selbst wenn es richtig wäre, ja wenn wir aus ,Czaki auch nicht diesen „einen" befördert hätten, könnten wir, da es viele hundert polnische Städtchen mit größeren oder geringeren Gemeinden giebt, Tausende befördert haben, zumal wir bei der Beförderung neben der Dürftigkeit auch die Reihenfolge der Anmeldung berücksichtigen. — Aber das Beispiel des Herrn Correspondenten ist aus noch einem anderen Grunde ganz unglücklich gewählt. — Abgesehen davon, daß diese Zahl für eine so kleine Gemeinde etwas hoch gegriffen erscheint, hat der Herr Correspondent vergessen anzugeben: 1) in welchem Zeitraum diese 300 ausgewandert sind, ob überhaupt, oderwas hier allein in Betracht kommt — ob erst seit dem. Impulse des Hauptgränzcomitss, also innerhalb der letzten zwei Jahre; 2) durfte es doch wohl ganz besonders darauf ankommen, ob diese 300 mittellos gewesen?—Der Herr Correspondent führt Zahlen an, aber da Zahlen bekanntlich nicht nur beweisen, sondern auch oft blos frappiren, so erachten wir es als unsere Pflicht diesen „einen" uns zugestandenen Auswanderer an das rechte Licht zu setzen. Nach Ausweis unserer Bücher haben, sich aus dem Städtchen Czaki überhaupt zur Beförderung nach Amerika gemeldet 57 Personen. Hiervon ist nicht einer, sondern sind bis heute zwanzig Personen,; alle nachweislich in Czaki bis dahin wohnhaft und vom dortigen Rabbiner legitimirtbefördert worden, und zufällig sind unter der am 15. Juni abgehenden Expedition