Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1872)
- Date
- 1872-06-25
- Page
- Seite 504 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226852-3226879--30729-3253619- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und Jefuitismus. Die Gefährlichkeit dieser Verden wird außerordentlich übertrieben, nur um die ministeriellen Vollmachten zu vermehren. Auf derselben Linie dichten die Liberalen gegenwärtig dem Judenthume staatsgefährliche oder doch gesellschaftsschädliche Intentionen an, und es ist nur Vorsicht von uns, wenn wir diese schon jetzt energisch zurückweisen. Zeitungsnachrichten. Deutschland- Berlin, 10. Juni. (Privatwitth.) Ohne jetzt schon irgend welche Schlußfolgerungen ziehen zu wollen, dürfen wir es doch nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, daß der gegenwärtige Unterrichtsminifter vr. Falk katholische und evangelische Sachverständige . zur Berathung über das Volksschul- und Seminarwesen berufen hat. Einen jüdischen Sachverständigen hierzu zu berufen, hat er unterlassen. Um so wachsamer müssen wir hinsichtlich der Resultate und wetteren Folgen sein. Bonn, 13. Juni. (Privatrnitth.) Zur Ergänzung dieser Mittheilung aus Berlin können wir heute darauf aufmerksam machen, daß in der Vorlage, die der gedachten Commission vom Unterrichtsminister zur Berathung als Grundlage gegeben ist, gleich im ersten Abschnitt es heißt 5: „Die einclassige Schule hat einen confesfionellen Charakter; Verschiedenheit des Glaubens-, bekenntnisses schließt nicht von der Aufnahme aus; für eine Minderheit der einer der anerkannten Landeskirchen ungehörigen Kinder besorgt in der Regel die Schule den Religionsunterricht. Dissidenten und Juden haben für den Religionsunterricht ihrer eine solche Schule besuchenden Kinder privatim zu sorgen." — Auf eine Behandlung der Juden vom Standpuncte der Gleichberechtigung ist also aus dieser Vorlage keine Hoffnung zu schöpfen.' Bonn, 14. Juni. (Privatm.) Wenn wir öfter den Irrungen entgegen treten, welche auf liberaler Seite durch Einseitigkeit und alte Vorurtheile geschehen, so entschließen wir uns immer seltener, den Handschuh auszuheben, wenn er aus Kreisen geworfen wird, die einmal abgeschlossen in ihren Ansichten,'Voraussetzungen und Folgerungen verbleiben, wie sie der Welt längst bekannt sind. Den Mohren weiß zu waschen ist eine längst als vergeblich erkannte Mühe, und da die ganze Welt ihn als Mohren kennt, wäre es auch ganz unnöthig, ihn durch eine starke Wäsche als Mohren erkenntlich machen zu wollen. Wir unterscheiden hier noch zwischen Ultramontanen und protestantischen Pietisten. Jene gehen so entschieden vor, und haben immer noch einen so weit reichenden Einfluß, daß ihnen von Zeit zu Zeit eine Abwehr entgegen zu stellen nützlich sein kann, schon um das Gefährliche ihres Treibens zum Bewußtsein zu bringen. Anders ist es mit den Pietisten. Diese haben einen so kleinen Anhang, einen so geschlossenen Kreis, daß gegen sie oft und weitaus die Waffen zu kehren viel Lärm um nichts wäre. Wir können uns daher auch nicht entschließen, weitläufig auf einen Artikel „Zur Judenfrage" in Nr. 22 der „Allgemeinen Evangelisch-Lutherischen Kirchenzeitung," die uns deshalb zugesandt worden, einzugehen, noch dazu da er doch nur innerhalb des engen Gedankenkreises und der in demselben gebräuchlichen Ausdrücke sich bewegt. Ja, arm an Gedanken find diese Leute, denn sie kauen dieselbe Nahrung immer wieder, und sind dabei so wenig ekel, daß sie diese wiedergekäute Nahrung einer dem andern aus dem Munde nehmen. So entnimmt der fragliche lange Artikel seine Schlagwörter aus einer, auch in diesem Blatte beurtheilten Schrift eines Herrn de le Roi (1871 S. 838), und dieser hat sie anderen Autoren entnommen, denn wir können Nachweisen, daß wir dieselben schon im ersten Jahrgang dieser Zeitung 1837 besprochen haben. Was enthält er auch anderes , als die bekannten Phrasen von „Humanitätsschwindel der Gegenwart," „Flachwasser der Aufklärung", „Bodensatz unüberwundener Antipathien", „Gleichheit egoistischer Interessen", „Verneinung göttlicher VolkSferwente", „Licht des Aufklärichts", „Entchristlichung", „Modernes travestirtes Judenthum" u. s. w. Alle diese nichtssagenden hohlen Masken und, Fratzen sind der Welt schon so oft vorgeführt worden, daß an keine Wirkung, aber eben so wenig an eine Vertagung, aus dem/Tageslichte zu denken ist. Lassen wir sie ihr ungefährliches Spiel weiter treiben. .Sie sind so oberflächlich, so körperlos, so nichts weiter. als ein Spiel des Nachtwindes, daß jede Widerlegung dem Kampfe des bekannten Ritters gegen die Windmühlen gliche. Wenn