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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-06-25 · Heft 26 (25.6.1872) · p. Seite 503

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 26 (25.6.1872)
Date
1872-06-25
Page
Seite 503 (sequence 3)
Language
German
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zusammengesetzt seien! Hierauf folgt die banale Entschuldigung, daß hieran die Christen selbst schuld seien, und zwar nur um mit desto größerm Anschein von Recht die feindlichen Eigenthümlichkeiten der Juden als Thatsache aufstellen zu können. Seine eigene Entschuldigung aber vergeffend, nennt er die Juden Semiten und „phönicisch-palästinische Händler, in deren Händen sich das Geld zu concentriren beginnt." Was doch diese Arier trotz ihren Hunderten von Millionen vor der Hand voll Semiten für Furcht besitzen. Und wollen die Herren Arier nicht ein wenig die ganze Reihe der Völkerschaften betrachten, welche zu den Ariern gerechnet werden? Werden sie dann noch ferner die „Semiten" so allgemein den allgemeinen „Ariern" entgegenzustellen sich berechtigt halten? . . . Also diese Concentrirung des Geldes könnte die Juden staatsgefährlich machen, so lange sie noch ein Judenthum haben, und darum müsse das letztere hinweggeschafft werden, was ja auch ohne große Mühe geschehen werde. Wir haben in unsren beiden ersten Artikeln alles widerlegt, was Ernsthaftes in diesen Auslassungen enthalten ist, und brauchen auf die Fraubasereien des Verfassers nicht weiter -einzugehen. Wir hätten ihn auch durchaus nicht zum Gegenstände einer Besprechung gemacht, wenn er nicht eben unumwunden ausspräche, was mehr oder weniger in den Kreisen des deutschen Liberalismus verbreitet ist, ja was wir in den Leitartikeln Nr. 2—5 d. I. auch unter den Liberalen in außerdeutschen Ländern als vorhanden sahen. Es war und ist daher nothwendig, daß wir uns mit diesem Liberalismus verständigen. Wir haben, uns dahin erklärt, daß wir den Wahren Liberalismus darin erblicken, daß die drei großen- Elemente der Menschennatur „die Religion , die intellektuelle und materielle Production und Consumtion, und der Staat" in Freiheit, in freier Entfaltung und Wirksamkeit neben einander bestehen und sich in ihren Erfolgen fördern und stützen; daß aber das ein falscher Liberalismus ist, welcher der Machtfülle des Staates die beiden anderen hingeben und ihr dienstbar machen will. Wir wissen sehr wohl^ daß auf dem geschichtlichen Boden, auf welchem alle Menschen stehen , Verhältnisse gegeben sind, welche nur allmälig die Verwirklichung jener wahren Freiheit -zulassen^ Mit diesen gegebenen Verhältnissen muß gerechnet werden. Die Verwirklichung jener wahren Freiheit verlangt, daß feindlichen Elementen nicht die Möglichkeit eingeräumt werde, durch Mißbrauch-der Freiheit die wahre Freiheit zu gefährden oder unmöglich zu machen. Vorsicht, Umsicht, Beschränkung im Fortschritt — wir geben sie zu — aber was wir nicht zugeben, das ist Rückschritt, principieller Rückschritt zur Unfreiheit, zum Absolutismus des Staates gegen Religion und Production, zur Gleichmacherei, Unification, Nivellirerei, zur Feindschaft gegen jede Individualität, gegen jede geistige Selbstständigkeit. Aus diesem Gesichtspuncte ist es sehr leicht, die Stellung des Judenthums und der Juden zu bezeichnen. Politisch wollen wir gar nichts anderes als Staatsbürger sein. Jede besondere Stellung ist uns zuwider, jede Ausnahme perhorresciren wir. Wir treten nur da solidarisch auf, wo wir Verfolgung Mer Juden als solche verhängt sehen, zu gemeinsamer Abwehr. Das Judenthum ist universell, es existirt in Neuholland wie in Rußland und der Türkei, am Cap der guten Hoffnung wie am Nordcap. Aber es hat keine Hierarchie, ist keine Kirche, beansprucht keine politischen Rechte, hat keine Concentration — in allen diesen Stücken unterscheidet sich die Universalität des Judenthums von der des Katholicismus. Es hat also mit dem Staate gar nichts zu thun. Das Judenthum ist universell, der Jude aber vaterländisch, Wo er geboren ist, wo er seinen Heerd ausgeschlagen, seine Familie gegründet hat. — So vollständig mithin der Jude als Jude eine besondere politische Stellung weder hat noch beansprucht, eben so vollständig will er religiös ganz unabhängig, selbstständig, unbeanstandet, frei sein, und niemand, weder Ultramontaner noch Pietist, weder Nationaler noch Particularist , weder Liberaler noch Radicaler, sollen ihm hierin entgegentreten, sollen ihm hierin aus falsch verstandenen Principien und Motiven, aus Unkenntniß und Vorurtheilen eine Beschränkung, ein Hinderniß, eine Schwierigkeit schaffen. Die wahren, nicht blos nominellen Bekenner des Judenthums werden daher dem Liberalismus, immer und überall anhängen , wo er die Grundsätze des wahren Liberalismus bekennt und deren Verwirklichung anstrebt. Sobald aber die Liberalen sich von jenem trennen, zu antiliberalen Maßregeln ihre Zustimmung geben, und verfälschten liberalen Principien folgen, gegen wen dies auch gerichtet sch werden wir ihm keine Folge leisten. Wir wollen auch keinen Absolutismus des' : Staates: cm - der Stelle des absoluten Monarchen; keinen Absolutismus einer politischen Persönlichkeit an der Stelle des absoluten Monarchen; keine Erneuerung des ministeriellen Absolutismus und des Polizei- ' staates, selbst nicht zur Abwehr des Ultramontanismus 26*

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