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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-06-18 · Heft 25 (18.6.1872) · p. Seite 499

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 25 (18.6.1872)
Date
1872-06-18
Page
Seite 499 (sequence 19)
Language
German
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avuiuujcu, welcheÄahrhünderte lang dauerten, waren aus Griechenland' engeren- Sinne des Wortes, namentlich aus den Landschaften, welche jetzt zum griechischen Königreiche gehören, die Juden gänzlich geschwunden, während in den nördlichen Provinzen unter der Herrschaft der Türken sich zahlreiche Gemeinden sammelten, besonders auS den spanischen Mchtlmgen, Gemeinden, die nach vielen Tausenden zählen, wie Konstantinopel, Adrianvpel, Salomchi untz andere. Wer und was sind, nun diese modernen Grieche», die Iheils in ihrem Königreiche, theils in zahlreichen Haufen durch die ganze Türkei leben? Es ist bekannt, daß neuere Forscher behauptet haben, die gegenwärtigen Griechen hätten mit den allen Griechen gar nichts mehr gemein; sie wären v'orhenschend Slaven; die ursprüngliche Bevölkerung wäre nach und nach durch die Römer , durch die verheerendes Einfälle und Niederlassungen der Avaren , Bulgaren und Slaven, durch die Herrschaft der Lateiner u. s. w. völlig verdrängt, vernichtet und so gemischt und entartet worden, daß kaum in kleinen Bezirken im Innern Moreäs, wie in der Maina am Taygetos, sich kleine unvermischte-Reste des alten hellenischen Stammes erhalten hätten. Diese Meinung war eine Zeit lang die vorherrschende. In jüngster- Zeit traten andere Gelchrte, wie Hops > Karl Mendelssohn - Bartholdy, gegen diese Ansicht aus, und suchten sieauf dem Wege gelehrter Forschung zu entkräften, und hingegen alle Momente zu betonen, welche für eine 'Continuität in Süte, Charakter und Erscheinung sprechen sollen. Wir wollen nnS hier in diesen Streit nicht einlaffe»; wir wollen den modernen Griechen nicht all e Rechtslitel aus den Namen der Hellenen absprechen. Die Wahrheit scheint uns wie so oft in der Mitte zu liegen. Die eifrigsten Philhellenen können die gewaltigen Bölkerüberschwemmungen, welche Griechenland betrafen, dis Verheerungen und theilweisen Ausrottungen der eigentlichen Bewohner durch hie; fremden Eindringlinge und in den Mmpfen gegen sie nicht läugnen; die Vermischung mit anderen Völkerstämmm war eine, wenn nicht totale, doch überaus stänke; und hiergegen? können die Überlieferungen vonVolkssitten und Gebräuchen, von Glaubensmeinungen und der Behandlung des Lebens überhaupt innerhalb engerer Districte nicht aufkommen. Was' kann uns an dieser Stelle auch daran gelegen sein, ob die modernen Griechen in eiujgem oder in gar keinem Reste nmnittelbare Wkommlinge der alten Hellenen sind L N nK liegt, dw Frage näherwas nnd wie beschaffen sind, diese-die Juden verfolgenden, jetzigen Griechen? Wir wollen uns auf, notorische Zuständenicht berufen, welche erst vor kurzem ganz Europa zum offenbaren Bewußtsein kamen, wo außerhalb der Mauern Athens niemand semeS Lebens und Eigenthums sicher ist und die Küsten und die Inseln von.griechischen Piraten wimmeln. Wir halten uns vielmehr an die Zeugnisse solcher Männer, welche, nsit stller Energie gegen die Ansicht aufgetreten sind, daß es „in Griechenland keine Griechen mehr gebe", und die mit wahrer Begeijletung für die Griechen, ihre-doch eck)ä lobenswerthen Eigenschaften und ihre? Zwkunft ' pkaidrrtzn; wir sichren die Worte des letzten derselben-des Professors Karl Mendelsfohn-Bartholdh, in ftiner „Geschichte Griechenlands von der Eroberung KonstantinopelS n. f. w/' (Leipzig 18W) an, der selbst dreünak in Griechenland gewesen ist. Er sagt schon in der Einleitung zu obiger Streitfrage: Ms braucht nicht einmal großerErwartungen, damit der Reifende, welcher, im PiräuS landet und nun eifrig nach dem alten Griechenland späht, grausam enttäuscht werden Jeder Eindruck, der ihn empfängt, scheint nur dazu angethan, den Abstand zwischen sonst und jetzt grell hervortreten zu lassen. Die Wirklichkeit wird ihm als Parodie seiner Erinnerungen, das moderne Griechenthum als eine verunglückte Carieatur der Anüke erscheinend Hiermit ist, eigentlich für uns, nämlich vom sittlichen Standpunkte aus, die ganze Streitfrage entschieden/ Man lese nun feiste Schilderungen S. 4 t-—58um ein Bild von dm sittlichen Zuständen der jetzigen- Griechen zu erhalten, wie er es fast wider seinen WUe» entwirft. Das Klephten- (Räuber-) uyd Piratenwesen ist nicht allein in ausschweifendem Maße noch vorhanden -und widersteht der Naüonalregierung wie ehemals der türttschen Macht, sondern ist auch in den Angen des BolkeL gevechtfertigt, ja rühmlich. Neben dieser „Neigung zuräuberist^r Selbsthülse" sind eS „Ungehorsam, Zügellosigkeit und Neid, die im Volke wuchern". Ein mrbegränzterEgoismus beseelt alle Griechen und macht sie gehässig gegen jedes Verdienst, dasin, ihrereignen- Mitteaufkörmnt. Merwelssohn sagt: „Man nenm heutzutage ist Griechenland einen großen Namen, man frage nach einem bedeutenden Minne. Wenn die.Antwort nicht-lautetru-,er ist ein Räubers so muß er zum mindesten „ein Unmensch" sein, „der vom Schweiß? der Armen praß^> odep ,,ein Betrüger, der die öffentlichen Caffen bestiehlt." Hiermit ist, wie Mendelssohn. bemerkt, „wieder ein,> Lief eingewurzelter Nationalschler bezeichnet/^ „Der griechische-Freiheitskamps hateine? Reihe trauriger Exempel gezeigt, .daß Gelder, die für . das allgemeine Wohl' bestimmt waren, in die Taschen oerPrimatenund Klephlen wanderten. Heute warnt das Sprichwort der Levante davor, sich mit einem- Griechen ür Handelsgeschäfte Lmzulvffem -Das Tahrnt? zAM-GsWirw,/^,-Kyüiüsinstinct führt aber zur Verwechselung von mein und dein. Mercur ist noch immer der Gott deS Handels und der Diebe.. Umsich zü/hereichern, . geften alle MitftlurlL gut. , Nur .UngeschrcklichLeitund Mißerfolg werden, geahndet der gsückliche-.Diebstahl wird aysrkqrmt; wer, sich fangen, laßt, erröchet.nur darüber, daß? er nicht entwisthtk. Mor<Msche. Serupek Mte» als blötze. Befangenheit, und nirgends stützet unglückliche, Ehrlichkeit weniger Bedauexmalsi ^Griechenland. . ,Mur aus den Märkten übt, sichklug- Die alte List , ererbter Trug, Darin und einzig darin preist Man noch der Griechen feinen Geist."

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