Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1872)
- Date
- 1872-06-18
- Page
- Seite 500 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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; „Streit- und händellüstig s unruhig, verändeimngSsüchtig, neidisch und gewissenlos, vas ist das heutige Volk der Griechen/? (S. 56.) Mendelssohn. schließt selbst: „Der leuchtende Frühling, den die Menschheit im. alten Hellas gefeiert hat/ ist freilich dahin und lebt nur im dev-Sehnsucht fremder nordischer Dichter. Die. Akademien steht: verlassen. Dort denkt: kein Plato mehr den höchsten-RäHseln des menschlichen Daseins nach. Keine Diotima verkündet heutzutage, daß der Mensch erst wahrhaft leben kann, wenn er das Urschöne schaut. Auch der - göttliche Funke, welcher einst den Meißel' des SkopaS und: den Pinsel des Apelles; beseelte, ist erloschen. . Die Kraft künstlerischen Schaffens, die Originalität des Denkens scheinen von der Stätte gewichen zu sein, wo ste ehemals heimisch ^aren. Statt eines Volkes von Denkern und Künstlern-steht heutzutage ein Volk von Kaufleuten -und Seefahrern vor uns.' - Der Geist, welcher einst die Schlachten--der europäischen Civilisation geschlagen hat, wohnt jetzt unter den Räubern der Berge oder in Comptoirs der Handelshäuser von Smyrna und Odessa; er dienkder -Nautik-und der Speculation/? .. Und in welchem sittlichen Geiste geschieht dies? Professor Mendelssohn - Bartholdy giebt zum Schluffe ein - griechisches Volkslied, das - uns über die; öffentliche Moral dieses- Volkes Aufschluß bringt. Es lautet: ,Me der Himmel Farben spielet, spielen wechselnd sie im Meere. Willst du. ruhig sein hienieden, nutze diese gute Lehre: - Immer sei bereit und willig, fremde Meinung zu erff, ■ * J t , * i . kennen; sDcykeniemals, es sei Sünde, TageShelle Nacht zu 1. - ' '' Nennen''/ - - ^Sei/wenn's nützet, stets gefällig, eignen Glauben zu - * verschweigen Und daß Honig giftig bitter, jedem Frager zu bezeugen. ' Dies ist eines von den Mitteln , sicherlich sein Glück ' zu finden. Doch wer Trug und Lügen hasset, Wahrheit strebet zu begründen, Traue meinem weisen Rathe, lasse seine Grube graben, Nähe sich sein Sterbehemde, sonst wird er nicht Frieden haben." . Dies! ist das Volk, wie es sich selbst malt und seine Jmmoralität noch besingt. WaS kann uns nun: daran getzgen sein, zu bemessen, wie viel oder wie wenig Hel-- lenisches Blut noch in seinen Adern rollt? ES ist. ein heimtückisches, arglistiges, neidisches, selbstsüchtiges Geschlecht, dem der .eigene Nutzen sein wahrer Gott, dem das Verderben anderer nichts ist. Abergläubisch,''fyinfä* süchtig, leidenschaftlich und verlogen ist ihm jede andere Existenz ein.Dorn im /Auge;! er sucht. Ae., entweder auszubeulen oder zum . Spielball seiner niedrigen Gelüste zu machen. Das sind die Griechen, Hnsreh Leit. Unsre Leser werden sich erinnern , baß vor kurzem ein tunesischer Israelit von ausgezeichnetem Leumund in Marseille durch Landsleute und Glaubensgenossen , die sein Vertrauen besaßen, ermordet wurde, wobei sich die Mörder bedeutender Capitalien bemächtigten. Dieser in feiner Art seltene Fall machte großes Aufsehen. Jetzt liest man: „Der Afsisenhof in Aix hat die Angeklagten Toledano und Sitbon zum Tode, ihren Mitschuldigen Nissim zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt. Diese - brei jungen Leute, der tunesischen Kaufmannschaft in Marseille angehörend, hatten am 16. Januar d. I. zuMarseille einen Kaufmann Grego, ebenfalls Tunese und Vertreter eines tunesischen Handelshauses, ermordet und seiner GeschäftScaffe beraubt. Sie hatten dann den Leichnam zerschnitten in einen Koffer gepackt und scheinbar an Bord eines tunesischen Schiffes auf die Rhede gebracht, unterwegs aber inS Meer geworfen. Durch einen.sonderbaren Umstand war der Koffer nicht gesunken, sondern von Fischern aufgefunden. worden:- Die Mörder wurden bald entdeckt; Sitbon, welcher mit -seinem Antheile am Raube nach England entkommen, war,- ward dort, verkästet und von der englischen Regierung ausgeliefert." Nach einem Schreiben in der „Augsb. A. Z." vom 20. März hat ein gewisser S ch a p ir a in I er u f al e m, ein getaufter Jude, eine Fabrik für Jnschriftenfälschuu^ zu Stande gebracht, in welcher Inschriften theils erfunden, theils vorhandene so gefälscht werden, daß sie ein beson- : deres Interesse gewinnen. Die Gelehrten sind gewarnt. Im britisch-: ostindischen Reiche sind 152 Millionen } Einwohner, von welchen 110 Millionen Hindu's;: 25. l Millionen Muhammedanerü. f. toy äsicüische Christen l 1,100,000, Europäer -(mit der Armee) 156,000; Juden j 10,000, Armenier 5000. . .. , v Verlag von Baumgartner'- VüWaüdlung in Leipzig. — Druck von Z. B. HirschfelL. VerauLworWer Redacteur VPv. gpfce, '