Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1872)
- Date
- 1872-06-18
- Page
- Seite 491 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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CiocoiS sie zu schwereren Arbeiten anhielten und sie meistohne Bezahlung aus dem Dienste sagten. Mittlerweile wurde infolge eines Competenzconflictes, der Zwischen dem Ministerium und dem Primär entstanden war, dieser seines Postens entsetzt und der Commrmalrath aufgelöst. Alle Dienstboten kehrten zu Men Herrn zurück, und man glaubte nun-, da an Stelle deS Primars eine interimistische Commission die Gemeindeangelegenheiten leitete , das Ende der Plackerei erreicht zu haben. - Doch, hatte man sich darin bitter getäuscht, denn schon am 8d. M. ließ die Primarie große Placate in den Straßen affichiren, welche sowohl die jüdischen Herren als auch die bei Juden in Condition stehenden Christen aufforderten, binnen drei Tagen dem Artikel 65 des Dienergesetzes bei Strafe Folge, zu leisten. Der Artikel 65, in den Dienstbüchlein abgedruckl, lautet wörtlich: „Den christlichen Dienern und Dienerinnen ist es gänzlich verboten, bei Juden in Condition zu treten, und umgekehrt. Für jede Verletzung dieser Bersügung erleiden die Diener eine Geldstrafe von 3 Francs oder eine eintägige Gefängnißstrafe, welche nach Umständen erhöht werden kann, und haben weder die Dienstherren noch die Bediensteten ein Recht, gegen etwaige aus soußen^ Dienstverhältnissen entstandene UnzulänglichkeitEgerichtlich klagbar zu werden." Sie begreifen die Tragweite der letzteren Bestimmung und die ganze Ungeheuerlichkeit der Verfügung! Morgen ist der dritte Tag der Galgenftist um — ich werde Ihnen über den weiteren Verlauf der Sache berichten." Die Gemeinde hat sich sofort an den Präfecten gewandt — mit welchem Erfolge, werden wir sehen. Von Roman wird gemeldet, daß der.Gemeinderath wegen seines Angriffs auf den jüdischen Friedhof aufgelöst worden fei — also doch Etwas! U a ch t r «}• Aus Württemberg, 31. Mai. (Privatmitth.) Die vielen in letzter Zeit an die israelitische Oberkirchenbehörde gerichteten Petitionen der jüdischen Gemeinden w Städten um Regelung der Domiciliantensteuerfrage haben nun doch endlich die genannte Stelle zu einem Schritte veranlaßt, der eine baldige Lösung dieser hochwichtigen Angelegenheit herbeiMführen geeignet sein dürfte- Unterm 13. Mai ist nämlich ein Detter ans Stuttgart ergangen, worin die Oberkrrchenbehörde die ' Oberämter beauftragt, W Kirchenvorsteherämter zur : ungesäumten Ausfüllung beigelegter Formulare anfzufordern, welche sodann längstens bis 15. k. M. berichtlich vorzulegen sind. Cs soll dadurch angegeben werden: 1. Die Anzahl der sämmttichen zur Gemeinde steuerpflichtigen selbstständigen Israeliten am h April d. I; 2. Wie viele dieser Israeliten in' der Gemeinde bürgerlich und auch wohnend, bürgerlich und auswärts wohnend, ünd im Orte wohnend/ aber nicht bürgerlich (Domicilianten) sind. 3. Wie groß die Steuerlast pro 1871/72 ist, und wie viel hiervon die vorgenannten drei Ekasfen von Gemeindegenossen je bezahlen. 4. Wie groß die Gemeindeschuld ist. Die Behörde will dadurch einen genaueren Einblick darüber' erlangen, welche Wirkungen die zur Zeit bestehende Domiciliantenbesteuerungsnorm für den HauS-! halt theiks der Heimaththeils der Domicikgemeinden im Gefolge, und andererseits, welche Wirkungen eine Abänderung jener Norm Hat. —Hoffen wir eine baldige zeitgemäße Entscheidung!; R. ' «o r r e fp o n - e « z. Conferenz der rheinisch-westphälischen israelitischen Lehrer. Köln,-den 26. Mai 1872. Ein trüber^ grauer Regenhimmel lag über der ganzen Gegend ausgebreitet, und ein empfindlich kaltes Naß ergoß fich über Neuß, als wir am Morgen des Pfingstmontags den dortigen Bahnhof erreichten und unser BersammlüngÄocal äufsuchten. Nach, und nach fanden fich folgende Theilnchmer ein: Blmnenau (Bielefeld), Blumenfeld (Essen), Treu (Münster), vr. Stemberg (Münster), Goldstern (Grevenbroich), Wolfsdorf (Erwitte), Sleiuweg (Rheda), Kaufmann (Ahlen), Spier (Bocholt), Schwarzfchikd (Düsseldorf Sänger (Schwerte), Jacobson (Dortmund), Gras (Essen), van der Walde (Wittlrch), Berger - (Neuß), Speyer (Altena), Live (Bergheim), Gutmmm (Rees), OLendors (Jülich), Abel (Lang-weiler), Gokdberg (Steele), Wallerstein (Krefeld) , Heymaun (Krefeld), Katzenftein (Wattenscheid), Goldschmidt (Linz), Blumenthal (Deutz), Fleifchhacker (Weftl), Baum k (Breden), Löwenstem (Dinslaken), Cohen Dortmund)