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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-06-18 · Heft 25 (18.6.1872) · p. Seite 490

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 25 (18.6.1872)
Date
1872-06-18
Page
Seite 490 (sequence 10)
Language
German
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andere Weil nach Nantes gegangen ist. Wir überlassen M der Redaction der Arcb. ist-, die Motive dieser MrSwanderung lediglich in französischem Patriotismus zu finden. Etwas anders nämlich lautet ein in derselben Nummer abgedrucktes Schreiben des Rabbiners Isaak Bloch aus Soultz (Oberrhein). Er sagt nämlich: Der gegenwärtige Zustand der Juden im Elsaß ist kein glänzender, und er droht, von Tag zu Tag noch schlimmer zu werden. Die AuSwanderungsbewegung zerstreut unsere jungen Leute nach allen vier Winden h in, entführt den israelitischen Gemeinden ihre reichsten und angesehensten Mitglieder. Die meisten Familienväter, welche minderjährige Kinder haben, verlassen daS Land. Seitdem der kaiserliche Gouverneur, Herrn Minister Dufaure entgegen, bestimmt hat, daß die Minderjährigen, ob von ihren gesetzlichen Vertretern unterstützt oder nicht, ihr Vaterland nicht wählen dürfen, ist dies das einzige Mittel, sie der verhaßten Nothwendigkeitzu entziehen, die preußische Uniform anzulegen. .. Herr Bloch weist nach, daß die deutschen Behörden alles Mögliche zu Gunsten der Bevölkerung thun und von confessionellen Unterschieden keine Spur vorhanden sei. Mehrere Beamte sind Juden; eine UnterstützungScasse für israelitische Cultusbeamte im Oberrhein brachte die deutsche Behörde von jährlich 2000 auf 3000 Francs, die persönlichen Unterstützungen abgerechnet, welche, kaum gefordert, bewilligt werden. Schlimm ist es, daß in kurzer Zeit etwa sechs Rabbinatssitze frei werden. Wie.sie wieder besetzen, da die Gemeinden deutsche Rabbiner nicht werden haben wollen. Zur Charakterisirung der jüdischen Bevölkerung führt er noch an, daß dort jetzt ein Baal-Schem, ein Wunderthäter, der namentlich Kranke heilen will, großen Zulauf hat. Aus Basel ist erbereits verwiesen worden und hält sich jetzt in Genf auf. Es ist ein Russe, dem eine unbeschränkte Frechheit zu Gebote steht, der sich für den ersten Kabbalisten der Welt ausgiebt und sich Baron Or. von Bessermann titulirt. Wahrscheinlich . möchte. er die Rolle, des berüchtigten Frank spielen. Der Zudrang zu ihm ist. sehr groß. — Es wird, berichtet, daß Herr de Saulcy dem. Louvre eine Sammlung, ein kleines Museum israelitischer Skulpturen geschenkt habe; u. «. befinden sich, auch Grabsteine vom frühesten Alterthume darunter. Die Zahl derrStücke dieser Sammlung beträgt über .'40. Man kann sie zwischen der Sculptur des Mittelatters und der der Renaissance , ansetzen. Asien. Smyrna, 26. Mai. Oestreichischen Lesern Ihres Blattes dürste eS zur besonderen Befriedigung gereichen, daß die israelitische Cultusgemeinde in Wien die erste war, welche ihren hiesigen Glaubensgenossen zu Hilfe kam und die beträchtliche Summe von 2000 Gulden an den hiesigen k. k. Generalkonsul vr. von Scherzer zur Bertheilung an arme, durch die jüngsten Excesse betroffene Judenfamilien einsendete. Es hat dieser Act der Humanität großes Aufsehen erregt und dazu beigetragen, unter den gebildeten Classen die Sympathien für Oestreich zu steigern. Donaufürstenthümer. Jassy, 22. Mai.' Auch hier haben die Verfolgungen wieder begonnen und zwar von Seiten der Bürgermeisterei. Wir heben aus einem Schreiben an die „Rum. Post" die folgende Mittheilunghervor: „Der Communalrath von 1870 hatte in einer Sitzung ein Gesetz, votirt, nach welchem es keinem Juden gestattet sein solle, christliche Dienstboten zu haben. Diese Verfügüng wurde durch den damaligen Minister des Inneren durch das Communiqus Nr. 12,274 autorisirt und in Ausführung derselben begann man sogleich, die Dienstboten aus den Häusern der Juden zu entfernen. Seitdem ist das Gesetz, je nach der Laune und den Neigungen der verschiedenen Communälbehörden , zu verschiedenen Malen in latentem Zustande gelassen oder zeitweilig in Ausführung gebracht. Wie ein Damoklesschwert hing das vernunftwidrige barbarische Gesetz, das merkwürdigerweise noch von keiner Regierung zurückgeworfen worden, über den Häuptern der jüdischen Einwohner , bis es nun, vor einer Woche, dem Herrn Bürgermeister Gusti wieder gefiel, es neuerdings aufleben zu lassem Auf seinen Befehl begann die Razzia gegen die Dienstboten, -welche ihren Brotherrn mit Gewalt entrissen und archer Condition gesetzt wurden. Selbst Ammen würden vön den wimmernden Säuglingen’■ entfernt! Die Dienstboten selbst versammelten sich'in der Primarre,' und verlangten jammernd und wehklagend die Erlaubniß zu ihren Brotherren zurückkehren zu dürfen; die den zahlten ihnen pünktlich ihren Lohn,' wähiLMdje

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