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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-06-18 · Heft 25 (18.6.1872) · p. Seite 489

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 25 (18.6.1872)
Date
1872-06-18
Page
Seite 489 (sequence 9)
Language
German
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Staaten und namentlich auch im Posenschen beinahe ganz aufgehört, so ist doch nicht zu erwarten,, daß eingewurzelte Uebel sogleich verschwinden,, sobald^ die Jahrhunderte lang wirkenden Ursachen aufgehoben werden.. >. - ,if 2), Die zweite und ebenso nachtheilig wirkende Ursache, der r Herrschaft des Mammons in den jüdischen Gemeinden ist.gleichfaUs eine Folge werpolitischen Rechtlosigkeit, uttter Welcher sie so lange geseufzt haben und in, manchen Staaten/Europas noch seufzen, Dem. Reichen allein, war es vergönnt und die Aussicht eröffnet ,, mit den hochgestellten, und maßgebenden Persönlichkeiten in Berührung zu kommen, und von ihnen gekannt und gehört zu werden. Sie waren also auch die einzigen, an die man sich in politischen Bedrängnissen wenden .konnte,; und auf deren Schutz man einigermaßen ' vertraute. Als sogenannte Ta kifim „Mächtige", wurden sie-zugleich gefürchtet, und darum auch mit allen Ehren überhäuft, welche die Gemeinde zu verleihen hatte..; Und da der religiöse Sinn im allgemeinen, damals noch lebendig; war, und zwieiSolLdaxittit; - der. ,-SMreffm Vorstand und Gemeinde eng verschwisterte, so haben auch die Vorsteher gemeiniglich dem in sie gesetzten; Vertrauen zu entsprechen gesucht. - Hat doch der., Reiche ohnehin mehr Mittel, und Gelegenheit Gutes zu; stiften und sich die Gemeinde zu verpflichten. Auf die Art und Weisewie das Vermögen erworben wurde, ist unter solchen Umständen wenig oder gar keine Rücksicht genommen worden, Welche Lehre sollte nun die Heranwachsende Generation daraus, schöpfen,- wie man sich in der Welt Hervorthun undeine hervorragende Stellung erlangen kann? Auch da wo die Umstände.sichseitdem wesentlich verändert und. besser gestaltet haben, ist die Zwischenzeit noch zu kurz um - einen; - vollständigen Umschwung in den Gesinnungen/wer > Masse,; Herbeizuführen.: Eine solche moralische Miedergeburt kann auch, unter gün-. ' stigewUmständen M nur; allmälig entwickeln und zur Reife-kommen,.. ' Zu M ':Mgeführten sUrsachM gehirren nun noch die mat^ialMsche Tendenz/ der-Zeit : und? der; über^/ handmhmende Mglaube ,i>die der Unsittlichkeit Thür; und.Mor.^MM.^:Nese->!sMltzhen^.-M«wirkungem haben, abWchis jetzt iMMdenrhetreffettdey Ländern bei den Juden vergleichsweise stchu weniger herausgestellt, als.in den«.anderen Kirchengemeinden, - und lichter-; wähne, sj^,nur -deshalb,weil; sie .jedenfalls reine r.joxt*l schreitende Besserung in sittlicher- Richtung ^.sehr? erschweren und zurückhalten. .; -1 sv< r.,;. Um desto - notwendiger, ist esdaß: Staat. und Kirche- Gemeinde und Schule Zusammenwirken ,'- -mnd sich -in dem Bestreben unterstützen, einerseits -die Hauptquellen des Nebels abzuleiten-: und anderseits die allmälige Wiederherstellung besserer Zustände zu fördert!.?'; Von Seiten des. - Staates, ist es: .'dlo.Snothwendigdaß er - Ehrenstellen- Aemter und./Auszeichnungen'-dem Verdienste ohne Rücksicht auf, Stand' und/; Vermögen verleihe; was zwar zum Theil schon jetzt, geschieht,'k jedoch nicht in. ausreichendem Maße um dem besagten Nebel entgegen.zu wirken. — Von Rabbinern undi Predigern, die zu ihrem Lebensunterhaltmeistauf-sdie Gunst-- und die: Spenden der wohlhabenden- Gemeinde? glieder angewiesen sind, - kann man. nicht verlangM die Privatverhältnisse: - derselben . vor die Oeffentlichkeit! zu ziehen und von der Kanzel herab der Verachtung.'preise zugeben (was in weiteren -Kreisen, großes Äergerniß Hervorrufen würde), wie der Antragsteller meint.': Doch können sie allerdings oft mnd nachdrücklich-betonen/ daß Intelligenz und Charakter weit mehr Anspruch haben , auf Lob und Anerkennung als Gaben desGlücks Die Gemeinde kann durch- Gründung vom: Vereinett zur geistigen und sittlichen Hebung des Volks die bessere Richtunganbahnen und/ beschleunigen; - dieeinzelnen Angehörigen aber können, jeder in seinem Kreise? und in seiner Familie, dazu beitragen die öffentliche! Meinung in, diesem Sinnezu bearbeiten, mnd' zu: i berichtigen- und als Wähler selbst unmittelbar dafür wirken und. die; Sache in - die Hand i nehmen.? Die Schule endlich soll in - Wort undi Schrift mit' allem-Nachdruckaufdieses Ziel ihr-Augenmerk /richten, um . die Jugend zu einem nützlichen und sittlichen Lebenswandel üu er-' ziehen. In den Schul-- -und Lesebüchern sollte /besondersdarauf - Bedacht, genommen werden. Der Gemeindetag,, von dem der Antragsteller eine nachhaltige. Einwirkung in/ dieser Hinsicht /erwartet, könnte meines : Erachtens nur-/darauf eittgehen, den/ Gemeinden WO i Gründungder «ben erwähnten. Vereine angelegentlich^ z zu empfehlen., L. R. Landau, i -: ■ ■ Frankreich. - -- - K'-'-! j ‘i\\l rrn-m, n-Airmt um omvif j j: . l Paris, n Juni. £>te/ Arch. isrr bringen Änew | Arükel aus EMuf, wohin theilweisewie jüdische'Gemeinde \ von Bischweiler sich übersicheMchabe-! stwährettd^ drr? 25

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