Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1872)
- Date
- 1872-06-11
- Page
- Seite 478 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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darum und dadurch verewigt worden sind, w eil sie Juden waren. Man blättere selbst dieses Schriftchen durch, und man wird hier viele mit rühmenswerther Pietät dem Andenken auch der größeren Menge empfohlen, .sehen, welche, wenn sie christlichem Bekenntnisse angehört hätten, völlig vergessen oder höchstens in einem bändereichen bibliographischen Lexikon versteckt wären. Haben wir uns vielfach und mit Recht Zither Mangel an Anerkennung zu beklagen, dürfen wir doch auch nicht vergessen, daß wir viele Anerkennung auf unserem speciellen Gebiete finden, die, nach allgemeinem Maße gemeffen , sehr reichlich ausfällt. Was nun. den eigentlichen Reiz dieser Sammlung ausmacht, sind die Bemerkungen, welche der Verfasser bei jedem angeführten Namen zur Charakterisirung des Trägers desselben hinzufügt. Sie sind nicht nach einem Systeme oder Plane gemacht, sie haben keine bestimmte Tendenz und -Färbung, besitzen aber überall Interesse und geben hie und da ein Streiflicht auf, die Ansicht oder Laune des alten Herrn. Dje Vorliebe desselben besitzen diejenigen Männer, welche viele und bedeutende Schriften abfaßten, ohne daß dieselben zum größeren Theile zum Druck gelangten. Für diese wird er Lei seiner Kürze immer noch einen breiteren Raum finden, wie gleich der erste Januar erweist. Man kann hierin nur einen Act der Billigkeit sehen. Wir heben einige Kleinigkeiten aus diesen Bemerkungen heraus. Zum 16. März Joseph Wolf, wird bemerkt: „Die Genügsamkeit, die er in seiner sechsten Rede empfiehlt, hat er selbst geübt." Bezeichnend ist das ausführliche. Referat zum 20. März : „An demselben Tage (1835) starb zu Fürth, 7 9 Jahre alt, Aaron Wolfssohn, einer jener Männer, die in den letzten Decennien des vorigen Jahrhunderts.- durch Übersetzungen und hebräische Zeitschriften an der Aufklärung arbeiteten. Die Vierteljahresschrift,, der Sammler" hatte zu Ende des Jahres 1797 nur 120 Subscribenten und ging ein. Zwar sagte Wolfssohn damals: Es wäre in der That traurig; wenn wir uns abermals in unseren Hoffnungen sollten getäuscht finden und wenn unter allen jüdischen Einwohnern Deutschlands sich nicht einmal 260 Personen finden sollten', die jährlich 2 Thaler aufopferten" u. s. w. Aber trotzdem ging der Sammler, nachdem er ausgedient hatte, ein, und lehrte durch ein neues. Beispiel, daß die einzelnen nur Diener für die Vorsehung sind und bleiben, aber nie selber Vorsehung werden können." . Es heißt: „Am 28. März (1038) starb der letzte Gaon, R. Hai. Denselben Tag (1832) starb in Berlin Lazarus Bendavid, der zwanzig Jahre, von 1.80.6 bis 1826, in der dortigen Freischule unentgeltlich das Amt eines Direktors verwaltete. Bereits im Jahre 1800 bemerkte er in einem öffentlichen Vorträge, daß man sich über das Uebergehen einzelner Juden oder ganzer Familien zum Christenthume nicht freuen möge: „Das sind Splitter, die man von einem unbehülflichey Koloß scharf abschneidet, der Koloß wird dadurch nur stärker". Noch manches Werthvolle enthält sein schriftlicher Nachlaß." Zum 5. Mai heißt es : „Denselben Tag starben (1821) Napoleon, der das Sanhedrin einberufen hatte, und (1839) der Profeffor Gans, der erst den 12. December 1825 in Paris zum Christenthume übergetreten ist, dessen schönste Entwicklungszeit aber zwischen 1818 und 1823 fällt, welche Periode Laube in seiner Biographie völlig übergangen hat." Welche eigenthümliche Zusammenstellungen durch diese Sterbetage herauskommen, zeige folgendes zum 12. Juli: „Denselben Tag (1845) starben in Oettingen R. Pinchas Katzenellenbogen und in Norwegen der vierzig Jahre jüngere Henr. Wergeland. Dieser hat für die Gleichberechtigung der Juden, jener zahlreiche Werke, unter andern eine Autobiographie geschrieben, die sich in der niichaelschen Sammlung befinden." Und folgendes: „Den 15. Juli (1572) starb in Safet Isaak Luria, welchen die Kabbalisten des 17. Jahrhunderts zu einem ähnlichen Heros und Wunderthäter erhoben wie früher die Sohariten den Simeon ben Jochai. Seine Zeitgenoffen, zumal R. Joseph Karo, wissen von jener Glorie noch nichts. An demselben Tage starben in Königsberg (1841) Jacob Kaplan und in Paris (1843) Louis Marcus aus Dessau; Kaplan hat eine biblische Geographie, Marcus eine Geschichte der Vandalen und die ältere Geographie der Berberei herausgegeben." Auf Reformen im Gottesdienste scheint Dr. Zunz nicht gut gelaunt zu sein. Wir lesen: „Den 11. Juni (1847) verloren die Juden Preußens einen geschickten Anwalt und erprobten Freund: Abraham Muhr,, der bereits im Jahre 1813 davor gewarnt hat, in Cultusangelegenheiten alte Säulen niederzureißen, um modernen Tand an deren Stelle zu setzen." Sollte.man nicht glauben, Herr vr. Zunz sei entrüstet über die Beseitigung der von ihm mit so großer Sorgfalt bearbeiteten Piutim, welche er doch, wie man behauptet, seit 50 Jahren nicht mehr gebetet hat? Ueber Auslastungen läßt sich nun in diesem Schriftchen eben so wenig rechten, wie über Erwähnungen. Warum der Prediger vr. Auerbach aufgeführt ist und sogar vertheidigt wird, während dessen Bruder, der Gründer des Waisenhauses, Baruch Auerbach, übergangen wird; warum z. B. A. Meisel, Rabbiner in Stettin und Pest, und auch als Schriftsteller nicht ohne Werth, nicht mit ausgenommen ist; warum dagegen der längst verschollene Daniel Leßmann ausgenommen worden ist, der einige vergessene Romane geschrieben hat, sich taufen ließ und später auf einer Reise seinem Leben ein Ende machte? — über alles dies können wir mit dem ehrwürdigen Verfasser nicht streiten und bleiben ihm auch für diese Gabe dankbar verpflichtet.