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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-06-11 · Heft 24 (11.6.1872) · p. Seite 477

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 24 (11.6.1872)
Date
1872-06-11
Page
Seite 477 (sequence 17)
Language
German
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Zeitung des ZudcnthumS. Feurllelon-Geilage;u Nr. Z4. Leipzig, den 11. Juni 1872. Die Monatstage -es Kalenderjahres, ein Andenken an Hingeschiedene. Unter diesem Titel hat vr. Zunz so eben ein Schriftchen erscheinen lassen (Berlin, Poppelauer), in welchem für jeden Tag des Jahres (nach christlichem Datum) die an demselben Verstorbenen. verzeichnet sind. Vorauszusetzen, wenn auch nicht,, aus dem Titel erkennbar, ist es, daß wir es hier allein mit „Hingeschiedenen" jüdischer Religion zu thun haben, also mit einem jüdischen Sterbecalender. Mit einer Belesenheit und einem Sammlerfleiße, wie sie an Zunz zu bewundern und sonst nur sehr selten zu treffen sind, werden hier alle nur aufzutreibenden Notizen über Sterbetage jüdischer Männer und Frauen, die sich durch Schriften oder öffentliche Wirksamkeit verdient gemacht haben, nach dem Datum vom 1. Januar bis zum 31. December zusammengestellt. Von abgefallnen Juden werden nur diejenigen aufgeführt, welche entweder vor ihrem Uebertritte eine Rolle unter den Juden gespielt haben, oder auch nach demselben mit ihnen in Berührung geblieben sind. Gewiß zu loben ist es, daß auch die Sterbetage christlicher Männer angegeben sind, welche sich in wissenschaftlicher oder politischer Richtung um die Juden verdient gemacht haben. Fürchte sich nun der Leser nicht vor diesem Ausfluß eminenter Gelehrsamkeit, es kommt ihm " von dieser nichts zum Bewußtsein; denn die Verstorbenen werden einfach hinter dem Tagesdatum, ein jeder mit einer auf seine Verdienste oder Lebensschicksale gerichteten Bemerkung aufgeführt, ohne daß der Leser mit Quellenangaben oder Streitfragen behelligt wird. Wie außerordentlich groß sollte man nun den Stoff erachten, welcher dem Verfasser hierbei Vorgelegen hat! Und doch ist es nicht, so. Nur von sehr wenigen aus früheren Jahrhunderten ist uns der Sterbetag erhalten worden , so daß ihn der Scharfblick eines Zunz aufzuspüren vermochte, und die große Mehrzahl der hier Benannten nur bis ins siebzehnte, eine weit geringere Zahl bis ins sechszehnte Jahrhundert und höher hinaus reicht. WaS an früheren Jahreszahlen angegeben ist, betrifft mit geringen Ausnahmen nur genannte oder namenlose jüdische Märtyrer, die an diesem und jenem Tage in dieser und jener Stadt hingeopfert wurden. So kommt es,, daß Zunz doch nur 750 Männer und 22 Frauen zusammenzustellen vermochte, und an 68 Tagen nicht namentlich angegebene Opfer zu verzeichnen hatte. Lassen wir. die Frauen vorangehen, so ist eS sicher nicht sehr aufmerksam, daß wir nur die Sterbetage von 22 Frauen anzugeben wissen, und zwar von diesen nur vier Schriftstellerinnen , während die anderen achtzehn theils Märtyrerinnen, theils durch ihre Wohlchätigkeit berühmt waren. Diese vier Schriftstellerinnen sind: Miß Grace Aguilar, Lady Judith Montefiore, welche ein Reisetagebuch veröffentlichen ließ, Therese Warendorff, Verfasserin vieler Lieder im Hamburger Tempelgesangbuch, und Sara Sullam, geb. Copia (gest. 15. Februar 1641), für welche Herr vn.. Zunz doch die Galanterie hätte besitzen sollen , die drei gedruckten Sonette und ihre Schrift über die Unsterblichkeit der Seele anzuführen. Man kann nicht verkennen, daß der greise sZunz manche bittere Empfindung mit in sein hohes Alter hinübergenommen hat. Einen Anflug davon besitzt das kurze Vorwort,- welches folgendermaßen lautet: „Je seltener die Muse der jüdischen Geschichte ihrem Verehrer die Gunst erweist, ihn mit dem Lebensalter ihrer Helden bekannt zu machen, desto dankbarer sei er, wenn ihm sogar der Sterbetag ausgezeichnet wird. Er möge dann nicht zu scharf untersuchen, warum dieser bedacht, und ein größerer übersehen worden. Denn wo viele gekränkt, wo vieles ungehört bleibt, und manches noch unter Schutt auf erweckende Liebe harrt, da wollen wir nicht meistern und richten, sondern ein Andenken denen bewahren, die, wenn auch nicht immer als einzelne, doch als Mitarbeiter an einer gemeinsamen Idee Großes gethan haben. Darum seien die folgenden Erinnerungsblättchen jedem empfohlen, der über die Vertreter des Geistes nicht vornehm hinwegsieht , wenn sie Juden gewesen oder Jüdisches geehrt und vertheidigt haben." So wahr diese Bemerkung ist, so kann man doch auch nicht läugnen, daß. die wirkliche . Sachlage noch eine andere Seite hat, nämlich daß eine große Zähl mittelmäßiger Köpfe und mittelmäßiger Verdienste nur

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