Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1872)
- Date
- 1872-06-11
- Page
- Seite 472 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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DonaufiWenthümer. Braila, 22. Mai. Darüber kann kein Zweifel .herrschen, daß die intellektuellen Urheber und Förderer der öffentlichen Skandale, die auf den Straßen, wie in den Gerichtshöfen dieses Landes verübt werden, noch mehr anzuklagen sind, als der Pöbel, der zu Exressen stets geneigt ist. Die Hauptschuldigen sind deshalb die gebildeten Classen und unter diesen vorzugsweise die Advocaten. Diese abscheulichen Ränkeschmiede und wortgewandten Rechtsverdreher haben denn auch in dem hier abgespielten Processe eine traurige Rolle durchgeführt. Wir entnehmen hierüber einer Correspondenz der rumänischen Post Folgendes : „Am Tage vor der Verhandlung langten mittelst Dampfschiffes etwa hundert Israeliten, darunter Frauen und Kinder, aus Ismail hier an. Dieselben gehörten zu denjenigen, welche durch die stattgehabten Crawalle ihres Gutes beraubt worden waren, und sie kamen hierher in der Hoffnung, daß die Justiz des Landes ihnen Genugthuung gewähren werde. Die hiesige jüdische Cultusgemeinde nahm die Unglücklichen gastfreundlich auf, internirte sie in Privathäusern, und gewährte ihnen Speise und Trank. Tags darauf nahmen die Verhandlungen vor der Jury ihren Anfang und währten volle vier Tage, d. h. bis zum 13. Mai. Nur wenige der Räuber waren dem Gerichte überliefert worden, und zwar nur solche, welche nicht genug Mittel besaßen, um eventuell eine materielle Entschädigung leisten,zu können.- Doch wissen Sie ja bereits, daß die geplünderten, mißhandelten und auf den Bettelstab gebrachten Juden zu über 400 Francs Gerichtskosten verurtheilt wurden, während man sämmtliche Räuber freisprach. Die Israeliten hatten keinen Advocaten engagirt — was hätte auch ein solcher genützt? Wenn die sonnenklaren Hatsachen und die Vertheidigung seitens des Staatsanwaltes nichts gefruchtet-haben, was hätte ein Vertheidiger, wenn er auch noch so warm gesprochen hätte, nützen können? Es war hier wie in Buzeu eine a priori zu bestimmende Sache — der Jude durfte nicht Recht erhaltest, und wenn der Himmel selbst dies , verordnet hätte. Die edlen Geschworenen, von denen nur die wenigsten lesen und schreiben konnten, sahen eben nur Juden, aber keine Menschen , und nicht die tiefverletzte Gesellschaft als Kläger vor sich.' Der Vertheidiger der- Crawallyracher, ein gewisser Varnali, sagte: Meine Herren Geschworenen, .Sie' haben vor sich Juden und Christen. Die Christen sind Ihre Mitbrüder, Ihre Religionsgenossen. Vergeßt nicht , was die Juden den Christen schon für Leid zugefügt haben! Vergeßt nicht was sie in derismailer Kirche, der heiligen christlichen Stätte , für Schandthaten ausgeübt haben! In diesem Sinne sprachen noch drei andere Bertheidiger. Der Advocat Margaxitesku sagte, daß die Juden im Jahre 1821 in Konstantinopel an der Beschimpfung des Patriarchen und der Priester theil genommen haben. Die Juden saugen unser Land aus, sie nehmen bei den armen Bauern zwei Kilo Weizen für eine Oka Schnaps. Solchen Juden könnten sie, meine Herren Geschworenen, Recht geben? —Denken Sie nicht, daß diese Angeklagten die Anstifter der ismailer Unruhen waren; nein; es waren solche Leute wie ich, so gekleidet wie ich; und ich selbst, wäre ich dort gewesen, hätte an der Sühne des Frevels theilgenommen! Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten die Geschworenen diesen giftigen Worten der Herren Vertheidiger, die ihre Redekunst und ihr Wissen auf diese unmenschliche Weise mißbrauchten; freudig leuchtete ihr Auge bei jedem Angriffe gegen die Juden auf, und als der Staatsanwalt ein ernstes Wort zu sprechen versuchte, als er auf die Gefahren hinwies , welche daraus für das Land entstehen könnten , wenn Räuber und Ruhestörer ungestraft blieben, da verfiel ein großer Theil der Geschworenen in einen seligen — Schlummer! Die ernsten Worte waren eben kein excitement mehr für sie! Margaritesku entgegnete dem Staatsanwalt, welcher gesagt hatte, daß die Juden mißhandelt und beraubt worden seien und namhaften Schaden erlitten hätten: „Ach pah! Es ist eine Bagatelle , keinerlei werthvolle Sachen wurden gestohlen, und auch' das bischen Diebstahl ist von Kindern vollzogen worden. Der Schaden ist nicht der Rede Werth." Zum Schluß sagte er, sich an die Geschworenen wendend: „Meine Herren Geschworenen 1 Berücksichtigen Sie nicht dasjenige, was Jnstructionsrichter ausgenommen und ein paar Leute angegeben haben. Hier an diesem Orte, wo öffentlich verhandelt wird; hier, wo Sie als freie, unabhängige Richter, zu urtheilert haben; Mr hier rnuß entschieden /werden, ob NßW