Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1872)
- Date
- 1872-06-11
- Page
- Seite 471 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Macchi so eben sprach, ist von der englischen Regierung an die italienische gemacht worden, und wir haben sie bereitwilligst entgegen genommen. In Wirklichkeit war es nicht, unumgänglich nochwendig unserem Vertreter in Bukarest neue Instructionen zuzuschicken, weil er schon bei mehr als einer Gelegenheit bleibende Instructionen erhalten hat, bei jeder Gelegenheit zu Gunsten der CivilisaLion und der religiösen Toleranz Lei einer Frage einzuschreiten, welche in Rumänien so häufig wiederkehrt, weil sie ihre Existenz in den Vorurtheilen und dem Fanatismus des Volkes hat. Jedoch beim Empfange der Mittheilungen der englischen Regierung habe ich unserem Agenten in Bukarest expresse Instructionen -gesandt, damit er sich allen Schritten anschließe, welche mit dem englischen Gesandten zusammen zur Förderung des menschenfreundlichen Zweckes berathen würden, der dem verehrten Deputirten mit Recht so am Herzen liegt. Die Redaction des Journal de Rome fügt folgende Bemerkung hinzu: Es ist sehr ehrenwerth für eine Nation, wenn innerhalb ihres Parlaments Einstimmigkeit über die großen Humanitätsfragen herrscht. Beim Beginn der Kämpfe der italienischen Unabhängigkeit erschienen zwei Bücher für die Israeliten, das eine von einem Republicaner geschrieben, das andere von einem gemäßigten Monarchisten, das erstere betitelt: Von der Aufhebung der juridischen Verbote gegen die Luden von Karl Cattaneo, das andere: Von der Emancipation der Juden in Italien, von dem Marquis Massimo d'Azeglio. Im Ministerium wie in der Kammer haben die beiden berühmten Führer des rechten Centrums und des linken Lentrums, der Graf Cavour und der Commandeur Rattäzzi, hinsichtlich der Juden dieselbe liberale Politik. Heute hört man zur Ehre des geeinigten Italiens ähnliche Rufe von der Linken und von der Rechten des Parlaments gegen die ausgehen, welche, auf der Bahn des Fortschritts trauriger Weise zurückgeblieben, sich mitten im 19. Jahrhundert erlauben, die Juden zu verfolgen. In England haben die beiden Chefs der Tories und der Whigs , Sir Robert Peel und Lord John Rüssel, gleich ausgezeichnete Reden über die Gleichstellung der Juden gehalten. Und heute bezeugen die Staatsmänner des vereinigten Königreichs denselben Eifer, dieser Sache im Auslande den Triumph zu verschaffen , mit dem sie dieselbe im Innern zum Siege brachten. Herr Gladstone und Lord Granville befolgen in dieser Hinsicht dieselbe Politik wie. Herr Disraeli und Lord Stanley. Und dies sollte, scheint uns, zu denken geben sowohl den rumänischen Deputirten (es gab deren, man erinnere sich, 33, welche im Jahre 1868 einen Ent-' wurf zur Austreibung der Juden aus Rumänien unterschrieben), als auch den Journalisten von Bukarest und Jassy (sie sind fast einstimmig darin, die Juden zu beleidigen und zu verläumden, zu den Excessen gegen sie anzutreiben und diejenigen zu loben, welche sie niedermetzeln oder ausplündern). Diese Deputirten und Journalisten glauben geschickt zu sein, indem sie niedrige Gesinnungen ihrer Gesellschaft aufregen in der Hoffnung, im Trüben fischen zu können. Sie werden nur erreichen, immer mehr die Meinung der civilisirten Nationen gegen sich aufzuregen; und zur Stünde der nationalen Gefahr wird ihr unglückliches Land, Dank ihnen, sich einsam und verloren finden. Türkei. London, 23. Mai. Nach einer augenscheinlich von der türkischen Botschaft herrührenden Mittheilung der „Times" hat Musurus Pascha, der hiesige Vertteter der hohen Pforte, als er von der Judenverfolgung in Smyrna und auf der Insel im Marmarameer hörte, nach Konstantinopel telegraphirt und von dem türkischen Minister für auswärtige Angelegenheiten' folgendes Telegramm vom 14. d. erhalten: „Sobald die Nachricht von den Ereignissen auf der Marmarainsel eintraf, that die hohe Pforte alle nöthigen Schritte und entsandte auf einem Dampfer der kaiserlichen Marine einen Beamten , der auf der Stelle die Untersuchung einleiten sollte. Letztere ist jetzt im Gange und die Schuldigen werden nach der Strenge des Gesetzes bestraft werden. Gegenwärtig herrscht völlige Ruhe auf der Insel." Musurus Pascha hat Sir Moses Montefiore persönlich die Versicherung gegeben, daß der Sultan mit größter Sorge für das Wohl seiner jüdischen Unterthanen erfülle sei. Die Türken wollen zeigen, daß sie doch bessere Menschen sind, als die Rumänen und Griechen (denn von griechischen und nicht von wuhammedanischen Unterthanen des Sultans gingen die Verfolgungen aus), und dieser Beweis fallt ihnen nicht schwer.