Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1872)
- Date
- 1872-06-11
- Page
- Seite 470 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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mäß den bestchenden Verträgen gefordert und die britische Regierung ersucht wird, die anderen Vertrags- Mächte.: zu, gemeinsamen Schritten bei der bukarester Regierung zu veranlassen. / ' (So haben wir doch endlich einmal etwas , das nach einer That aussieht!) Italien. Rom, 24. Mai. Wir erhalten von hier das täglich erscheinende „Journal de Rome“ vom 23. d., in welchem ein Artikel „Sympathies du monde civilisö pour les Israölites roumaius“ enthalten ist. Er bringt uns Näheres über die Rumänien betreffende Verhandlung des italienischen Parlaments, und wir geben hier diesen Theil wieder. Auch das italienische Parlament, ebenso wie das englische, war empört über die abscheuliche Behandlung der rumänischen Juden. In London war es ein Jude, Herr Goldsmid, der zu Gunsten seiner unglücklichen Glaubensgenossen im Orient das Wort ergriff; in Rom war dies, obwohl es eine beträchtliche Zahl jüdischer Deputirter giebt, nicht der Fall; nicht, daß es diesen an Eifer oder Ansehen gebräche, sondern die Unterscheidung der religiösen Confessionen ist glücklicher Weise in der Kammer ganz verschwunden. Unser Freund, Herr Mauro Macchi, der ehrenwerthe Deputtrte der Linken, den man stets auf der Bresche für die Vertheidigung großherziger Ideen findet, ergriff bei Gelegenheit der Discussion über das Budget der auswärtigen Angelegenheiten das Wort hinsichtlich der jüdischen Frage. . Herr Macchi lenkt die Aufmerksamkeit des Parlaments und der Regierung auf eine Thatsache, welche jüngst alle civilisirten Länder betrübt hat, und über welche er dem Ministerium des Auswärtigen eine' Frage vorzulegen wünscht. Der Redner erinnert daran, wie die armen Israeliten während einer allzu langen Reihe von Jahrhunderten im Geiste der blinden und unwissenden Menge unter, einer Art Fluch geblieben, und wie zum Ueberfluß sie noch von vielen juridischen und civilen Verboten betroffen wurden, welche ohne Zweifel dazu beigetragen haben, dem Charakter , der Haltung und dem Geiste dieser Menschenfamilie einen besonderen Stempel zu verleihen,, den wir^alle cm ihr erkennen. Er citirt den. Namen seines verehrten und betrauerten Lehrers und Freundes, Karl Cattaneo,: der seine glänzende und verdienstvolle literarische und wissenschaftliche Carriere mit einem wahren Goldbuche eröffnet, das die Gesetzgeber dazu anregen sollte, diese abscheulichen Verbote aufzuheben. Die Stimme dieses großen Geistes ist nicht ohne Echo geblieben. Die Reformen wurden in Piemont unter den glücklichen Auspicien der Abschaffung der Verbote gegen die Js- .raeliten eingeleitet. > Herr Macchi erwähnt mit aufrichtigem Bedauern, daß die Vorurtheile der Menge nicht, wie man es wohl hoffen durfte, durch den Hauch der Wahrheit, durch die Macht des Fortschrittes verschwunden seien, der" allen die Cultusfreiheit und die Toleranz gleichviel welches religiösen Bekenntnisses auferlege, s Anstatt dessen, sagte er, wissen Sie leider, wie in der letzten Zeit in Rumänien, und ich füge hinzu auch in Smyrna, gegen die Juden Acte so wilder, so grausamer Gewaltthätigkeit verübt worden sind, daß es in der That eine Schande für unsere Zeit gewesen wäre, wenn sie nicht diesen allgemeinen Abscheu erweckt hätten, der wirklich bei allen civilisirten Menschen darüber entstanden ist. Der Redner sagt, daß England keineswegs gleichgültig bei einem so traurigen Schauspiel geblieben sei. In einer der letzten Sitzungen hat Sir Goldsmid die Regierung gefragt, ob. sie denn bei diesen Gräuelthaten ruhige Zuschauerin bleiben wolle. Und Lord Enfield antwortete im Namen der Regierung, daß sie diese Excesse beklage und daß sie sich mit den Vertretern aller europäischen Regierungen verständigt habe, um durch einen vereinten und internationalen Schritt die nöthigen Maßregeln treffen zu können, die Erneuerung solcher Calamitäten und Gräuel zu verhindern. Darauf fragt der ehrenwerthe Deputtrte der Linken ganz kurz den Minister des Auswärtigen: 1) ob er von der englischen Regierung diese Aufforderung erhalten habe? 2) ob er auf diese Aufforderung der befreundeten Regierung oder aus eigener Initiative in dieser Sache etwas zu thun gedenke? Es scheint mir, sagt er zum Schluffe, daß es künftig Zeit ist, zu zeigen, daß die Lehre von der Solidarität der Völker kein eitles Wort ist. . Hierauf antwortete der Minister des Auswärtigen: Die Mittheilung, von welcher der ehrenwerthe Deputtrte