Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1872)
- Date
- 1872-06-11
- Page
- Seite 469 (sequence 9)
- Language
- German
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eingehend besprochen- und insbesonders auch die Frage erörtert, ob und inwieweit es den Gemeinden Würtembergs nach ihrer staatlichen Organisation gestattet sei, dem Gemeindebunde beizutreten. Das Ergebniß der Berathung war, daß sich die Versammlung dahin einigte: Die anwesenden Vertreter der Kirchenvorsteherämter des Donaukreises erklären den Anschluß der Gemeinden Würtembergs an den deutsch-israelittschen Gemeindebund für wünschenswerth, sie beauftragen deshalb die Kirchenvorsteher von Ulm, sich mit dem Ausschüsse des Gemeindebundes in Verkehr zu setzen, um officiellen Aufschluß über die Statuten, Zwecke und Mittel'derselben zu erlangen, und hierauf den Kirchenvorsteherämtern die geeigneten Mittheilungen und Vorschläge wegen gemeinsamen Anschlusses an den Gemeindebund zu machen." Oesteneichischungarische Monarchie. Wien, 29. Mai. In der am 26. d. stattgefundenen öffentlichen Sitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgeweinde lenkte der Präses, Reichsrathsabgeordneter Dr. Kuranda, die Aufmerksamkeit des Vorstandes auf die Gräuelthaten gegen die Juden in Rumänien und Smyrna hin. Er erwähnte dankend der warmen Theilnahme, mit welcher die Gemeindemitglieder der Einladung des Herrn 'Ritter von Wertheimer behufs Berathung der Linderung des Elends der dortigen Glaubensgenossen entgegenkamen, und der bedeutenden Spenden, welche zu diesem Zwecke einflossen. Mit allen diesen edlen Thaten, fährt der Redner fort , sei der bedrängten Lage der Juden in Rumänien nur momentan abgeholfen, es müsse jedoch auch eine Garantie für die Zukunft, daß sich ähnliche haarsträubende Ereignisse nicht mehr wiederholen, geboten werden. Dies könne nur durch Gründung eines Vereins geschehen, der sich die Vertretung jüdischer Interessen, nicht nur im Oriente allein, sondern auch im Lande Galizien zum Zwecke setze. Zum Schluffe votirt Dr. Kuranda dem k. k. östreichischen Generalkonsul Ritter von Scherz er für seine Bemühungen zu Gunsten der Juden den Dank der wiener Cültusgemeinde und erwartet vom Wohlthättgkeitssinne der Gemeindemitglieder, daß bald ein Capital: zufammen- ' gebracht sein werde, um den Verein zu gründend .Heute, wo Deutschland auf das innigste mit Oestreich verbunden sei, seien die Wiener nicht mehr auf den' Einfluß der „Alliance isra&ite universelle“ in Paris angewiesen und können einen selbstständigen Verein ider deutschen Israeliten gründen. , (Ist dies Geständniß nicht merkwürdig wenige Wo- 'chen nach Gründung des deutsch-israelitischen Ge-- meindebundes, an welchem sich zu betheiligen derselbe ^wiener Gemeindevorstand hartnäckig sich geweigert hat? . . . Aber so ist es: ein jeder will nur selber Bund oder Verein spielen! Die. Red. d. A. Z. d. I.) Triest, 24. Mai. Zur Linderung des durch die Gräuelthaten in Ismail in der Walachei verursachten Elends wurde hier eine Geldsamwlung veranstaltet, die in verhältnißmäßig kurzer Zeit (seit 4. bis 7. d. M.) die nicht unbedeutende Summe von nahe 3000 Gulden ergab. Es muß hervorgehoben werden, daß sich ohne Unterschied dex Nationalität und Religion fast alle Stände hierbei betheiligten. Es ist mit Recht zu erwarten, daß die Summe noch sehr anwachsen werde. Von dem guten Grundsätze ausgehend, daß schnelle i Hilfe doppelte Hilfe ist, möge jeder sich zu einer schnellen Hilfeleistung entschließen. Die Beiträge werden von der Direction des Cittadino eingesammelt. Großbritannien. London, 30. Mai. Heute fand im Stadthause eine enthusiastische Versammlung von londoner Bürgern statt. Der Lordmayor führte den Vorsitz, und der Zweck war, gegen die jüngsten Gewaltthätigkeiten gegen die Juden in Rumänien zu protestiren und die Intervention der englischen Regierung anzurufen. Ueber tausend Teilnehmer waren zugegen, einschließlich 40 Parlamentsmitglieder, so wie Mitglieder des Oberhauses, Bischöfe und hervorragende Kaufleute Londons, Christen und Juden. Einstimmig wurden Resoluttonen angenommen, worin gegen die Gewaltthätigkeiten protestirt, die Unterstützung und Entschädigung der Nothleidenden, so wie ein wirksamer Schutz der rumänischen Juden gegen zukünftige Unbilden und die Sicherung der bürgerlichen Gleichstellung derselben ge- 24