Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1872)
- Date
- 1872-06-11
- Page
- Seite 466 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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gelingen, weil es der Natur der Menschheit widerspricht, und wo es theilweise gelingt, hat es einen traurigen Ausgang. Es ist die Kurzsichtigkeit, die Geistesbeschränktheit selbst. Hinsichtlich des Judenthums wollen wir noch einen Blick aus diesen Conflict werfen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Leipzig, 31. Mai. (Privatmitth.) Am 2. Januar sind es 25 Jahre, seitdem die hiesige Religionsgemeinde auf Grund des ersten, von der Staatsregierung genehmigten provisorischen Gemeindestatuts constituirt wurde. Es wird daher an diesem Tage ein feierlicher Gottesdienst eröffnet, und der Vorstand hat eine Gedenktafel drucken lassen, auf welcher die wichtigsten Ereignisse dieser 25 Jahre verzeichnet stehen. Eine andere Tabelle bringt statistische Notizen über die Zahl der Mitglieder, die Summe ihrer Jahresbeiträge, und die der Gemeindeausgaben in allen Jahren dieses Vierteljahrhunderts. Es fand in diesen drei Rubriken mit Ausnahme des Jahres 1859 ein dauerndes Wachsthum statt. 1847 zählte die Gemeinde 33 Mitglieder, welche 636 Thaler beitrugen, während die Ausgaben 575 Thaler ausmachten. Im Jahre 1871 war die Zahl der Mitglieder 232, ihre Beiträge 7010 Thaler und die Ausgaben der Gemeinde 9923 Thaler. Man sieht hieraus, daß auch die Beiträge im Durchschnitt für das Mitglied gewachsen sind, da sie 1847 191/3, 1871 30 Thaler betrugen. Zu gleicher Zeit ist der Bericht des Vorstandes für das Verwaltungsjahr 1871 ausgegeben worden. Zu bemerken ist, daß durch Gesetz und Verordnung die Matrikelführung dem Vorstande übergeben, sowie daß das Schulgeld für die Religionsschule aufgehoben worden ist. Dieselbe wurde von 98 Schülern besucht. Die Einnahmen betrugen 10,491 Thaler, die Ausgaben 9923 Thaler. Mit Vergnügen bemerkt man unter den letzteren „Beamtenpensionsfonds 200 Thaler". Die allwälige Ansammlung eines solchen wird die Gemeinde dereinst in den Stand setzen, angemessene Pensionen zu zahlen. - Leobschütz, 28. Mai. (Privatmitth.) .Der Fabrikbesitzer/Herr Benjamin Holländer, erster Vorsteher der hiesigen Gemeinde, hat von Sr. Majestät für seine Verdienste auf. dem Gebiete freiwilliger Krankenpflege den Kronenorden vierter Classe erhalten. Bonn, 23. Mai. (Privatm.) Wir Haben heute zwei Zeitschriften vor uns liegen, beide'aus Burgen des Ultramontaniswus stammend, auf welche wir einige Blicke werfen wollen. Die eine erscheint in Rom, ÖetMt :L’Espdrance de Rome, die andere das . bekannte „Mainzer Journal" vom 17. Mai. In jener dem Altkatholiäsmus gewidmeten Zeitschrift lesen wir in Nr. 12 vom 15. Mai einen Artikel: - „L’Unitä Cattolica et les Juifs.“ Das in Turin erscheinende ultramontane Blatt hatte nämlich bei Gelegenheit der Judenverfolgungen in Smyrna jenen scheußlichen Aberwitz , dass' die Juden zu ihren religiösen Gebräuchen Christenblut brauchten, für wahr erklärt, und daß nur die Juden des Westens diesen Gebrauch hätten in Wegfall kommen lassen, während die orientalischen ihn noch heute festhielten. Die Espfrance macht hierüber der Evita bittere Vorwürfe, und widerlegt-ihre falschen Anklagen. Unterdeß aber hatte Professor Giuseppe Levi in Vercelli dem turiner Blatt die Breves einiger Päpste geschickt, welche jenen Aberwitz als unbegründet und verwerflich erklärt und allen Katholiken verboten haben, ihm irgend welchen Glauben zu schenken. So Gregor IX., Jnnocenz IV., Clemens VI., Sixtus IV., Alexander VII. Die Unitä beeilt sich hierauf, ihre früheren Anschuldigungen zu widerrufen. Das Lächerlichste bei der Sache ist, daß der RedacteiMder Unitä in seinem ersten Artikel behauptet hatte, daß der Talmud von Beweisen für den Gebrauch des Blutes starre, und daß er in seinem zweiten Artikel ganz harmlos erklärt, er habe im Talmud nichts dergleichen gefunden. Schade, daß seine talmudische Autorität durch diese einfache Versicherung, daß er nichts darin gefunden, nicht sehr gewachsen sein wird. — Jedenfalls wissen wir es der Espsranoe Dank, so schnell und gründlich die Vertheidigung der Wahrheit und Unschuld geführt zu haben. Freilich wenn es nicht möglich gewesen wäre, die Aussprüche einiger Päpste änzuführen, wäre bei der Unitä, ihren Genossen' und Anhängern, alles vergebens gewesen. '-Das „Mainzer Journal" Mr. 115) versetzt uns auf ein anderes Gebiet. Es bringt einen Leitartikel „Berlin und Bukarest", dessen Spitze darauf' hinaus läuft/ die