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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-06-11 · Heft 24 (11.6.1872) · p. Seite 463

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 24 (11.6.1872)
Date
1872-06-11
Page
Seite 463 (sequence 3)
Language
German
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erfahren. Unterdeß wird die Sache praktisch. Eine bedeutende Anleihe aus Grund des Tabakmonopols soll von der rumänischen Regierung einem bukarester Consortium übergeben worden sein. Sind in diesem Consortium auch bukarester Juden? Diese Frage stellen wir hiermit förmlich an die „Rumänische Post", an den amerikanischen Generalconsul Peixotto, oder an irgend wen anders in Bukarest. Wir müffen dies erfahren, um das ganze Misere endlich kennen zu lernen. Es wird sich also in den nächsten Wochen entscheiden, was wir auf die von uns aufgeworfene Frage zu antworten haben : wie viel sind wir werth? Die zweite Aufforderung, von welcher wir hier sprechen, und die uns einen culturhistorischen Aufschluß geben wird, betrifft die Vermehrung der Fonds's und^ Jahresbeiträge für die am 6. Mai in Berlin eröffnete Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums. Allerdings hat das Curatorium eine solche Aufforderung noch nicht versandt, wirddies aber wohl in nächster Zeit thun. Jedenfalls liegt in der Thatsache, daß diese Lehranstalt eröffnet worden ist, und in der anderen, daß sie noch sehr großer Mittel bedarf, um vollständig das zu werden und leisten zu können, was sie muß, die Aufforderung an alle mit Gütern reich versehene Israeliten, besonders Deutschlands, dem wissenschaftlichen Ausbau des Judenthums irgend eine bedeutende Spende zuzuwenden. Werden sie dieser Aufforderung entsprechen? 9n der Antwort wird ein Urtheil und ein Zeugniß enthalten sein von entschiedener Bedeutung. Wir haben zum Beginne dieses Artikels von einem Siege gesprochen. Wer hat ihn erfochten? Wer hat dazu nachdrücklich beigetragen? Unter den Juden die reichen Juden nicht. War überhaupt sowohl die äußere als die innere Emancipation nur durch den Geist und durch das Schwert des Geistes und durch die Aufopferung und Hingebung im geistigen Kampfe zu erringen, so haben die reichen Juden selbst da, wo sie Einfluß hatten, wo sie durch ihren Einfluß die Leiden und Lasten ihrer Glaubensbrüder hätten vermindern können, diesen nicht verwendet. Wir sprechen von dem letzten halben Jahrhundert; von früheren Zeiten schweigen wir, in denen die reichen Juden so oft, freilich ohne, ihren Willen, das schrecklichste Geschick über die armen Juden herauf beschworen. Nun, haben die Männer des Geistes den Sieg errungen oder erringen geholfen, so mögen die reichen Glaubensgenoffen jetzt dem Geiste ihre Schuld abtragen. Wir erkennen gern den oft Bewährten-Sinn für wohlthätige Handlungen ander. in unsren Glaubensgenossen lebt. Aber wenn es von Gefühl zeugt, für Blinde und Taube, für Kranke und Greise, für Wittwen und Waisen etwas zu thun : so zeugt es doch nur von Einsicht, von richtigem Verständniß dessen, was des Menschen wahres Wesen ist, dessen, was ihn über Armuth und Elend erhebt, wenn man für Werke des Geistes, für Anstalten der Wiffenschaft und Kunst, der Lehre und Geistesbildung etwas zu opfern im Stande ist. Wir wollen nicht mehr sagen, wir wollen das Resultat abwarten. Dann wird es noch Zeit sein. Der Liberalismus und das ZuLenthum. ii. Die Schrift, welche wir meinen, und die nur unumwunden ausspricht, was anders wo mit etwas mehr Courtoisie auftritt, ist betitelt: „Religion und Theologie. . Lose Blätter der Zeit von einem Lehrling im Dienste der Anthropologie." (Berlin, Wiegand und Hempel 1872.) Unter allen Maniaci's sind die Unificirungsmanen von der schlimmsten Art. Sie dünken sich, wenn sie irgend einer freisinnigen Idee, einem liberalen Principe folgen, höchst freisinnig und liberal, und indem sie alle Welt bewußt oder unbewußt dazu zwingen wollen und nichts außerdem gelten lassen, kommen sie doch der Despotie ganz nahe. Sie, für welche die Caserne eine verabscheuungswürdige Stätte ist, wollen die ganze Menschheit in eine Caserne installiren. Der anonyme Verfasser, der sich zwar einen „Lehrling" nennt, aber sich als ein unumstößlicher Meister gerirt, beruft sich auch auf den Satz: „Niemand kann zween Herren dienen." Dies ist aber auch nur ein Schlagwort, welches zu blenden vermag, aber nicht zu erleuchten, eines jener Worte in dem bekannten Buche, welche an der Stelle einer klaren Deduction ein mystisches Halbdunkel verbreiten, wie z. B.: „Gebet dem Kaiser rc.", „Wer sich rein fühlt rc." „Man muß Gott mehr gehorchen rc." Nein, man kann zween Herren nicht dienen, wenn beide absolute Herren sind, welche unbedingten Gehorsam verlangen. Der Mensch soll aber gar keinem solchen Herrn dienen; er soll treu und gewissenhaft seine Pflichten erfüllen, und diese Pflichten sind sehr verschiedene, die sich jedoch nicht aufheben, sondern ergänzen; und wenn einmal zwei seiner Pflichten

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