Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1872)
- Date
- 1872-06-04
- Page
- Seite 451 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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bewährten Charakter aus den Reihen unsrer Glaubensgenossen. Der r hiesige - Advocat Dr. Heinrich Iaques hatte vom Beginne des französisch-deutschen Krieges an seine deutsch-nationale Gesinnung in einer verdienstvollen Thätigkeit erwiesen, welche vielen zum Muster diente. Der Kaiser Wilhelm hatte ihm dafür den Kronenorden dritter Classe verleihen wollen, vr. Iaques lehnte dieses Zeichen der Anerkennung ab, nicht etwa aus einer demokratischen Laune, nicht aus Mangel an Achtung vor dem, welcher ihm diese Ehre im Namen des Reiches ercheilen wollte, sondern aus der würdigsten Gesinnungdie sich in einem Schreiben ausdrückte, welches jetzt in die Oeffentlichkeit gekommen ist, aus welchem wir folgende Stelle hervorheben: „Als ich hart am Beginne des deutsch-französischen Krieges mit anderen die Initiative ergriff, um eine werkchatige Agitation zu Gunsten der deutschen Sache in Oestreich herbeizuführen, da fühlte ich mich hierzu durch eine starke politische Ueberzeugung gedrungen. Es galt, angesichts der damals noch schwankenden öffentlichen Meinung in meinem Vaterlande der Erkenntlich Bahn zu brechen, daß der für Deutschlands Unabhängigkeit und Ehre begonnene Kampf zugleich von der höchsten Bedeutung für die künftige Machtstellung Oestreichs sein müsse und daß — wie dies gleich in dem ersten der damals von mir veröffentlichten Aufrufe ausgesprochen wurde — „nur in einem starken, in seiner Wehrkraft geeinten Deutschland und in einem mit demselben zu dauernder Allianz verbundenen starken Oestreich die Bürgschaft liege für die künftige Äufrechthaltung des Weltfriedens". Sollte nun aber dieser Gedanke, welcher der damaligen Strömung der Tagesmemung entgegenstand, allmälig zu einer die Geister dauernd beherrschenden politischen Macht werden, so mußte vor. allem über die Selbstlosigkeit der Motive derjenigen, die ihn zuerst aussprachen, kein Zweifel bestehen bleiben können, so mußte das öffentliche Urtheil dazu gedrängt werden, anzuerkennen, es liege in der tiefwurzelnden Ueberzeugung, daß auf diesem Wege das Wohl unseres eigenen Vaterlandes Oestreich gefördert werde, der alleinige und ausschließliche Beweggrund unseres Verhaltens." Linz, 20. Mau Bei Anwesenheit des Statthalters, der Landesausschüsse und sonstiger Honoratioren fand heute die Einweihung der israelitischen Schule statt. Statthalter von Conrad-Eybesfeld betonte in einer Ansprache, daß es in Oestreich keine Staatsreligion, sondern vollkommene konfessionelle Gleichberechtigung gebe. Das Schulgebäude ist das erste seit 400 Jahren von Juden wieder erworbene Grundeigenthum in Niederöstreich. Asien. Smyrna, 18.' Mai. (N. fr. Pr.) Die Ruhe ist zwar in den jüngsten Tagen nicht mehr gestört worden , doch dauern einzelne Angriffe auf die israelitischen Kleinhändler noch fort, so daß diese noch immer nicht wagen, nach dem Frankenviertel zu kommen und dort wie sonst ihre Maaren feil zu bieten oder andere 'Dienste zu verrichten. Noch in den letzten Tagen sind mehrere Verwundungen von Israeliten vorgekommen, und selbst eine Frau aus den besseren Ständen hat sich nicht entblödet, einen Pantoffel auf einen armen Juden zu schleudern und ihn zu beschimpfen. Aus diesem Grunde hat sich auch 'das Consularcorps neuerdings versammelt und beschlossen, durch seinen Doyen an den Generalgouverneur das Ersuchen um energischere Maßregeln gegen die Excedenten zu richten, damit endlich einmal der Verkehr wieder seinen früheren Gang nehme. Beachtenswerth erscheint, daß der russische Consul sich auch hier wie in Rumänien im Widerspruche mit seinen Collegen befindet und gegen jede Maßregel protestirt, welche die griechische Bevölkerung irgendwie irritiren könnte, obschon gerade diese die erste Veranlassung zu den Unruhen gegeben hat. Es sollen nun in den von Wischen Kleinhändlern besuchtesten Straßen in geringen Distanzen Polizeisoldaten aufgestellt werden, um die Verkäufer vor Angriffen und Beschimpfungen zu schützen. Alle Ruhestörer, ob Männer oder Frauen, sollen strenge bestraft werden. Die Pforte hat sich mit den Schritten des hiesigen Consularcorps vollkommen einverstanden erklärt, und Server Pascha, der Minister des Aeußern, hat namentlich dem östreichisch-ungarischen Generalconsul Hofrath von Scherzer, durch die k. k. Botschaft den verbindlichen Dank der Pforte für den werkthätigen und ersprießlichen Beistand ausdrücken lassen, welchen der genannte Staatsbeamte den dortigen Localautoritäten bei den jüngsten bedauerlichen Excessen zwischen Griechen und Israeliten geleistet hat. Die Noch unter den israelitischen Familien ist sehr groß, da mindestens 1000 Familien, welche von ihrem