Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1872)
- Date
- 1872-06-04
- Page
- Seite 450 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht immer als einzelne , doch als Mitarbeiter an einer gemeinsamen Idee Großes gethan haben. Darum seien die folgenden Erinnerungsblättchen jedem empfohlen, der über die Vertreter des Geistes nicht vornehm hinweg sieht, wenn sie Juden gewesen oder Jüdisches geehrt und vertheidigt haben." So werden hier — abgesehen von vielen tausend hingeopferten Märtyrern — die Sterbetage von etwa 750 Männern und 21 Frauen aufgeführt und manche literarisch wichtige, so wie einzelne scharfe oder humoristische, Bemerkungen hinzugefügt. Fast wunderbar erscheint die Geistesfrische des würdigen fast 78-jährigen Forschers, nur vergleichbar seiner tiefinnerlichen Anspruchslosigkeit. Denn selbst seine nächsten Freunde ahnten es nicht, daß schon im Anfänge des vorigen Jahres seit seiner Doctorpromotion 50 Jahre verflossen waren, und die philosophische Facultät zu Halle hätte wohl im Drange der Kriegsereignisse des Tages nicht gedacht. Erst einem glücklichen Zufalle ist es zu verdanken, daß vor kurzem das Versäumniß entdeckt wurde, und die gedachte Facultät hat sich beeilt , dem Doctor Zunz nachträglich ein Jubeldip lom überreichen zu lassen, in welchem von ihm gerühmt wird, daß er nicht blos ein langes Leben hindurch in Wolfenbüttel, Prag und Berlin als Lehrer und Prediger sich sehr verdient gemacht, sondern vorzugsweise durch seine gelehrten Forschungen und scharfsinnigen Werke über shnagogale Poesie und deren Literatur den rabbinischen Studien ganz neue Wege gebahnt habe, daß er noch sein ehrwürdiges Alter unermüdlich der Wissenschaft widme und bei Freunden und Mitbürgern wegen seiner edeln Gesinnung die höchste Anerkennung und Verehrung genieße: Den von der philosophischen Facultät der Universität in Halle ausgesprochenen „frommen Wünschen" für das Wohl des würdigen Greises schließen wir uns von ganzem Herzen an.*) F. *) Der lateinische Wortlaut der Motive in dem Diplome lautet: Viro illustrissimo Leopoldo Zunz qui Friderici Augusti Wolfii olim nostri Boeekhiique disciplina institutus mox in scholis synagogisque et seminario Guelferbyti Pragae Berolini tune florentibus magistri oratoris directorisque munere per longum vitae spatium strenue functus optimemeruit, amplissimä hebraearum rerum scientia omnique humanitatis cultü insignis inprimis poeseos synagogalis monumenta litfceraramque historiam Vom Rheine, 22. Mai. (Privatmitth.) Es ist schon oft in diesem Blatte ausgesprochen worden, daß es unter den Juden keine hierarchischen Gewalten gebe, und daß eine Besorgmß vor dergleichen völlig unuöthig sei. Das ^letztere möchten wir nun nicht ganz zugeben, vielmehr behaupten, daß sehr leicht aus anderen Gebieten hierarchische Gelüste auf das unsrige verschleppt werden , und daß man deshalb stets auf der Wacht bleiben müsse, dergleichen vom Beginne an wieder zu vertreiben. Dies geschah denn auch recht wacker in der vor einigen Tagen in Neuß äbgehaltenen diesjährigen Lehrerconferenz. Es kam hier ein Circularschreiben des Rabbiners Dr. Jakob Horowitz in Crefeld zur Sprache, in welchem er sagte, daß „die Aufgabe der Ueberwachung der Schulen naturgemäß ihm, dem Rabbiner, zusalle." Die Lehrer protestirten energisch gegen eine solche, nur von der einen Seite als „naturgemäß", von der anderen Seite weder in der Natur noch im Gesetze begründete Ueberwachung der Schulen durch den, nicht als Pädagogen, sondern als Theologen gewählten Rabbiner. In der That, wer die Laufbahn der meisten Herren Rabbiner kennt, weiß, daß sie, so tiefe Studien sie auch gemacht haben mögen, doch einsichtsvolle Pädagogen zu werden keine Gelegenheit gehabt haben. Gerade aber als Theologen wollen wir sie nicht zur „Ueberwachung der Schule" haben! Wir haben als jüdische Lehrer schon genug Joch auf unsrem Nacken; wir wollen nicht erst uns auch das noch aufladen, woran unsre christlichen College« zu schleppen haben, und dessen bis jetzt zu entbehren wir so glücklich waren. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 17. Mai. (Privatm.) Den vielen Blößen gegenüber, welche die bekannte Veröffentlichung aus. den Tuilerien an deutschen Gelehrten, Künstlern und Bürgern aufgedeckt hat, blicken wir gern auf einen oopiis doctrinae suae sagacissimae illustravit novam studiorum rabbinicorum viam monstravit liprupcique intelligentiam atque amorem multis libris ingeniosissimis doctissimisque egregie auxit indefatigatus venerabilem senectutem litteris impendit spectata virtute integritate morum candore animi omnibus commendatus communi civium sociorum laude, ac veneratione floret. Die II. M. Januarii A. 1871. Quo die etc. % ■■'ri' "