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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-06-04 · Heft 23 (4.6.1872) · p. Seite 449

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 23 (4.6.1872)
Date
1872-06-04
Page
Seite 449 (sequence 9)
Language
German
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denjenigen Mittheilungen, welche der Bericht enthält, noch ein Factum hinzufügen, das inzwischen in größerer Ausführlichkeit mir zugegangen ist. Es haben in diesem einen Falle gewissermaßen drei Verwendungen statt gesunden: einmal mündliche Verwendungen und Warnungen, eine Aufforderung der rumänischen Regierung und zwar von allen Vertretern derjenigen Mächte, die später eine identische Note, nämlich die Note vom 10. Februar, übergeben haben, und unter welchen sich sämmtliche Großmächte befunden haben, mit Ausnahme Rußlands; sodann aber, noch am 18. April, hat dieUebergabe einer Collectivnvte statt gesunden. In dieser ist das tiefste Bedauern ausgesprochen worden, daß die jüdischen Angeklagten, obwohl der Staatsanwalt die Anklage zurückgezogen habe, verurtheilt, dagegen die Excedenten freigesprochen worden seien, und eS ist außerdem daran die Befürchtung geknüpft worden, daß auch für das Osterfest Gefahren heraufbeschworen werden würden. Herr Laster hat die Betheiligung der rumänischen (-russischen?) Regierung an diesen Schritten vermißt. Diese hat jedoch statt gefunden, nur, nicht in der Form wie die übrigen. Es haben sich übrigens bei dem Vorgehen nicht blos diejenigen Mächte betheiligt, welche Mitunterzeichner des pariser Friedensvertrages sind, sondern auch zwei andere Staaten. Die russische Regierung hat jedenfalls ihre besonderen, zu würdigenden Gründe gehabt, stch diesen formellen Schritten nicht anzuschließen, wogegen sie auf das wärmste in mündlicher Weise sich verwendet hat, wie zuerst von unserer Seite auch geschehen ist. So läge es mit dem vorliegenden Falle. Ich glaube die positive Erklärung abgeben zu können, daß für künftige^ Fälle die Reichsregierung in ähnlichem Sinne vorgehen wird, wie in diesem Falle. Ich würde also bei der Abstimmung über die vorliegenden Anträge mich "zunächst für die Tagesordnung, nach dem Vorschläge der Commission, dann in erster Reihe für den Antrag des Herrn von Kufferow, m zweiter für den Antrag des Di*. Bamberger, aber für den letzteren mit der ausdrücklichen Erklärung aussprechen, daß die Auffassung des auswärtigen Amtes dahin gehe, daß die Bedeutung dieser Formülirung nur voraussetze, daß in zukünftigen Fällen seitens der Reichsregierung in ähnlicher Weise Verwendungen und Einwirkungen eintreten werden, wie im vorliegenden. Bamberger modificirt seinen Antrag folgendermaßen: „Der Reichstag wolle beschließen, unter Anerkennung der bisher vom Reichskanzler in Sachen der rumänischen Juden gethanen Schritte den Reichskanzler aufzufordern, auch ferner wie bisher bestrebt zu sein, alles zu thun, was nach der Sachlage statthaft ist, um für die Zukunft der Wiederholung ähnlicher Vorkommnisse vorzubeugen." Zum Schlüsse spricht der Berichterstatter der Commission Dr. von Bunsen eine lange Rede, in welcher er den Reichstag beschwört, aus staatsmännischen Gründen nicht über den Commissionsantrag hinauszugehen und alle anderen, namentlich Bambergers Anträge zu .beseitigen. Das Haus nahm demungeachtet.ven Antrag Bamberger an. Zeitungsnachrlchteu. Deutschland. Berlin, 14. Mai. (Privatm.) Leopold Zunz. In dem Augenblicke, da die neue „Hochschule" zu Berlin ihre längst ersehnte Thätigkeit beginnt, wendet sich unser Auge unwillkürlich dem Manne zu, dem die Wissenschaft des Judenthums ihre Begründung verdankt und der, im hohen Alter noch immer rastlos aus dem reichen Quell seiner Studien schöpfend, nach Vollendung der größeren epochemachenden Werke verschiedene wahrhaft muster giltige kleinere Abhandlungen aus dem Gebiete der jüdischen Literatur und Sprachkunde veröffentlicht.*) Neuerdings ist von ihm sogar eine kleine selbstständige interessante Schrift „die Monatstage des Kalenderjahres, ein Andenken an Hingeschiedene," (Berlin, Poppelauer) erschienen, deren kerniges Vorwort wir mitzutheilen uns nicht versagen können: „Je seltener die Muse der jüdischen Geschichte ihrem Verehrer die Gunst erweist, ihn mit dem Lebensalter ihrer Helden bekannt zu machen, desto dankbarer sei er, wenn ihm sogar der Sterbetag ausgezeichnet wird. Er möge dann nicht zu scharf untersuchen, warum dieser bedacht und ein größerer übersehen worden ist. Denn wo viele gekränkt, wo vieles ungehört bleibt, und manches noch unter. Schutt auf erweckende Liebe harrt, da wollen wir nicht meistern und richten, sondern ein Andenken denen bewahren, die, wenn auch ^Beispielsweise in der Ztschr. der deutschen morgenl. Ges. '„über das Adverb. *}to"; „hebr. Redeweisen über bescheidene Meinungsäußerungen"; „verfassen und übersetzen, hebr. ausgedrückt" u. m. a.

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