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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-05-28 · Heft 22 (28.5.1872) · p. Seite 433

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 22 (28.5.1872)
Date
1872-05-28
Page
Seite 433 (sequence 9)
Language
German
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lebten, haben jetzt alle- .jüdisch -religiösen Satzungen über Bord. geworfen , .und wollen, ohne daß sie sich taufen lassen,! am .liebsten gar nicht-als Juden erkannt - sein. Wie Sie ein solches Verfahren beurtheilen, wag ich nicht aussprechen; es wirft selbstverständlich ein grelles Streiflicht auf. die 'religiöse Gesinnung, Welche, inden/HeimathsstäLten jener Leute vorhanden ist„ so daß die äußerst strenge Orthodoxie dieser Gegenden doch nur als ein Ausfluß der gegenseitigen Beobachtung, als ein Zwangden die herrschende Sitte ausübt, erscheint, während das.wahre Fundament; achter, Religiosität, die innereÄeb.erzeugungstreue,' sthlt. . Jedenfalls wird diese.sich mehrende Auswanderung vortheilhaft auch für die Zurückgebliebenen wirken. Ihr Blick, der noch vor wenigen Jahren kaum ..über das Weichbild hinausreichte/und vom Dasein und von den Zuständen anderer Völker und Länder keine Ahnung hatte , hat sich schnell-erweitert und ist bereits auf die ganze Welt' gerichtet. Der Broderwerb wird durch. die Verminderung der jüdischen Bevölkerung für die. Zurückgebliebenen gesicherter. und das. Bewußtsein einer vorhandenen Aushülfe. hebt-den Muth und die Thatkraft. — Die zu erwartende unbedingte, allgemeine Wehrpflicht wird ans' d^n ,^l^Urzustaird der Juden auch, in ^der Beziehung günstig wirkeni, .a/s diejenigen, ..welcheeine Schulbildung Nachweisen,., vortheilhafter gestellt werden, wie^dies ja auch/in Deutschland der Fall ist, und deshalb , wird der Eifer für höhere Schulbildung bei der jüdischen Jugend rasch wachsen.. Ihre gekannte Fähigkeit und schnelle Auffassungskraft wird sie darin unterstützen. So traurig : daher auch noch in diesem Augenblicke'die Zustände -m Wirklichkeit sind, so gestalten' sich doch die Aussichten von mehreren Seiten aus hoffnungsreicher^ und wir sehen auf diese Weise die Cultur - aust ihrem, gegenwärtigen Gange von Westen Nach Osten immer tiefer in die Reihen^ unserer polnisch-russischen Glaubensgenossen': einMngen 'ündHren Segen.unter ihnen verbreiten, gerade zu der.Zeit, als, sie der »Verkommenheit. und) -dem^ Eletztz ganz zu erliegen drohten^ /Aber auch die -kaiftrüche Staatsregierung wird einsehendaß ,, wenn sie' einige tausend Köpfe, von der jüdischen BMkerung auch verliert, sie dafür' eine größere Anzahl, tüchtiger, und gebildeter Unterthanen gewinnt.; * .'j ■ .' .<:• ' ✓ ... '/ / s-/. '• vv. Aus Rußland , im Mai.; In den öffentlichen Blättern liest man: „Das - Verhältmß der jüdischen Bevölkerung zu der nach der letzten Volkszählung auf 85 Millionen Gerechneten Gesammtbevölkerung des russischen Staates beträgt 5 Procent, während im Königreich Polen, Litthauen und . den südwestlichen Gouvernements auf die 16 Millionen betragende Gesammtbevölkerüng 2 Millionen Juden kommen, was einen Prbeentsatz von 121/2ergibt. Fast sämmtliche Organe der russischen Tagespreffe halten die schnelle Lösung der Judeufrage im Staatsinteresse für dringend nothwendig, und wollen sie in einer Weise bewirkt wissen, welche die allmälige Russificirung der Juden und, ihre Amalgamirung mit der christlichen Bevölkerung sichert." Die oben angegebenen Zahlen erscheinen als durchaus übertrieben.^ Hiernach sollen nämlich 4 lA Millionen Juden im russischen Reiche leben. Nun sollen aber 2l,V Millionen auf-Polen, Litthauen und Südrußland kommen; wo sollen dann die übrigen 1% Millionen ihren Wohnsitz haben? Die übrigen Provinzen des europäischen Rußlands waren den Juden bis vor kurzem ganz verschlossen, so daß in ihnen auch jetzt wohl kaum 200,000 vorhanden sind, in Sibirien befinden sich nur. wenige, der Kaukasus und die mittelasiatischen Landstriche sind mur hier und da von einer größeren Anzahl bevölkert. * A n z e i g e ». Bekanntmachung. / In hiesiger israel. Cultusgemeinde ist die Stelle eines Synägogendienerö (Schames) erledigt. Mit dieser Stelle ist ein fixer Gehalt von 100 st. nebst garantirtem Nebenverdienst von 100 fl. und freier Wohnung verbunden. — Bewerber wollen sich sofort bei der Unterzeichneten melden. Kriegshaber bei Augsburg, 15. Mai 1872. Die Verwaltung der isr. Cultusgemeinde Kriegshaber. , Verlangt in der Gemeinde Beth Israel Bikur Ckolim ein tüchtiger orthodoxer Prediger, der gute Referenzen senden, kann. . Sülair für den Anfang 1500 Dollars pr. Jahr. Applikanten wollen sich wenden an H. Harris, President 81 Sixth Avenue; New-York City United States of America.

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