Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1872)
- Date
- 1872-05-28
- Page
- Seite 431 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreichischungarische Monarchie. Temesvar, 8. Mar. (Privatmitth.) Dem hiesigen Großhändler Simon Eisenstädter ist für seine um die heimische Industrie und den vaterländischen Handel erworbenen Verdienste der ungarische Adel für sich und seine gesetzlichen Nachkommen mit dem Prädicate de Buzias vom Könige verliehen worden. Frankreich. Paris, im Mai. Die „K. Z." schreibt: „Der gestern zum Präfecten von Blois ernannte Herr Hendlö, der sich dieser Tage mit der Tochter eines reichen jüdischen Kaufmannes verheirathete, ist der erste Jude, welcher in Frankreich eine Präfectur erhalten hat. Er war früher Secretär des Herrn Jules Favre und begleitete denselben nach Ferrieres, als der ehemalige Vicepräsident der Regierung der nationalen Vertheidigung sich dorthin begab, um mit Herrn von Bismarck zu unterhandeln." Es ist dies nicht ganz richtig, denn Herr Hendls war bis jetzt Prüftet des Departements de la Creuse; auch ist er seit Jahren verheirathet und zwar mit der Tochter des Herrn Albert Cohn. — Am 12. Mai fand die zehnte Generalversammlung der Alliance isra&ite universelle statt und zwar, was wir mit Freuden begrüßen, unter dem Vorsitze des Herrn Crsmieux, der allerdings noch leidend ist. Die Reden behandelten vorzugsweise die Lage der Juden in Algerien, und Crsmieux sprach für diese die besten Hoffnungen aus. — Die jüdischen Kaufleute von Belfort Haben an den Präsidenten der Republik ein Schreiben gerichtet, in welchem sie sich über die fast vollständige Ausschließung ihrer Glaubensgenossen aus der Liste der Notablen, welche die Mitglieder des Handelsgerichtes zu erwählen haben, beklagen. Herr Thiers chat ihnen geantwortet, daß ihre Klage in genaue Berücksichtigung gezogen worden und dem Handelsminister übergeben worden sei. Asien. Smyrna, 8. Mai. Von hier erhält die „N. fr. Pr." folgenden Bericht: Wir haben seit einigen Tagen auch hier eine Aufführung jenes Schauspieles, welches sich erst vor kurzem in Rumänien zum Ekel der gebildeten Welt wieder abspielte. Nachdem ein fanatischer Klerus seit Jahrhunderten alles mögliche gethan, um die christlichen Bevölkerungen gegen jenes Volk aufzubringen, aus dem doch Christus selbst hervvrgegangen ist, darf man sich nicht wundern, daß dieser Keim der Rache und des Aberglaubens allerwärts so furchtbare Früchte trägt. Und zwar sind es nicht blos die auf der niedrigsten Stufe der Bildung stehenden Bewohner, welche die Kinderstubensage von den Juden, die zum Passahfest Christenblut trinken, buchstäblich glauben, es sind auch viele Leute aus der sogenannten guten Gesellschaft darunter, welche meinen, es müßte an diesem Glauben doch etwas wahres sein, weil er sich in den verschiedensten Ländern der Erde wiederholt! Auch jetzt noch, nachdem vier griechische Aerzte schriftlich erklärten, ein Kind, das vor acht Tagen am Meeresufer in der Nähe von Cordelis tobt gefunden wurde, sei eines ganz natürlichen Todes durch Ertrinken, ohne jede Spur einer gewaltthätigen Verletzung , gestorben, meint die Masse, der orthodoxen Griechen, die Aerzte und sogar der Metropolit seien von den Juden gekauft, und das Kind sei doch dem blutigen jüdischen Ritus zum Opfer gefallen! Vier Tage dauert schon die Aufregung und die Unruhe; zwei Juden wurden durch Messerstiche getödtet, acht schwer verwundet. Eine bewaffnete Macht von mehreren tausend Mann mußte aufgeboten werden, um des rasenden Pöbels Herr zu werden und die Juden vor noch größeren Gräuelthaten zu schützen. Und das alles eines albernen Aberglaubens wegen, der seit Jahrhunderten genährt wird und der nun von Zeit zu Zeit seine giftigen Folgen trägt. Dem energischen Auftreten des Consularcorps ist es zu danken, daß größeres Unglück verhütet wurde. Die Mehrzahl der Consuln drang nämlich beim Pascha darauf, daß die bewaffnete Macht entschieden austrete und im äußersten Falle von der blanken Waffe Gebrauch mache. Dies half. Als die Griechen sahen, daß man Ernst machte, flohen sie zu Hunderten und unterließen ihre Angriffe auf das Judenviertel. Es ist nur zu fürchten, daß wieder neue Excesse entstehen, wenn die vielen armen Juden, die hier als Verkäufer aller Art Maaren von der Hand in den Mund leben, aus ihren Verstecken wieder hervorkommen. Auch zwei Israeliten der östreichischen Cotonie wurden in ihren Häusern blokirt und bedroht. Der k. k. Generalkonsul schickte sofort einen Dragoman nach dem Konak und ließ die Häuser von einigen