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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-05-28 · Heft 22 (28.5.1872) · p. Seite 426

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 22 (28.5.1872)
Date
1872-05-28
Page
Seite 426 (sequence 2)
Language
German
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Beiläufig wollen wir nur bemerken, daß diese Vorgänge gegen das Geschworeneninstitut kein belangreiches Argument heranbringen, da die rumänischen Gerichte ohne Geschworene wiederholt dasselbe geleistet und die offenbarsten Ungerechtigkeiten, sobald sie gegen Juden verübt worden waren, gut geheißen und gegen die klarsten Bestimmungen des. Gesetzes . entschieden , haben, wenn -sie hierdurch nur die Juden benachtheiligen konnten. Es ist bekannt, daß stets, sobald eine Judenverfolgung in Rumänien vorkommt, die Consuln der auswärtigen Mächte eine Protestnote an das fürstliche Ministerium richten, die mit einigen wohlklingenden Phrasen beantwortet wird. Es ist ersichtlich, daß diese Agenten der auswärtigen Mächte weiteres nicht zu thun vermögen, wenn sie nicht von ihren Regierungen zu entschiedenem Schritten beauftragt werden. Eben so sieht man ein, daß die stete Vergeblichkeit jener Noten den rumänischen Üebelthätern geradezu zur Aufmunterung dient; nach der europäischen Presse fragen die Herren Rumänen nun erst recht nichts. Es wäre dies, als wenn man von Büßpredigten, die man an Banditen richtet, einen Erfolg erwartete. Eine zweite Instanz sind daher die europäischen Parlamente, nicht als ob die in denselben gehaltenen Reden den Wallachen und Moldauern irgend welchen Schrecken eiuslößten, sondern um die Regierungen der Schutzmächte zu nachdrücklichern Schritten zu veranlassen. Hierin ist das englische Unterhaus bereits am 19. April voran gegangen. Die Debatten nahmen einen großen Theil des Abends ein; indeß ist der Inhalt derselben den bekannten Berichten und Meinungsäußerungen so congruent, daß wir nur einiges daraus anzuführen brauchen. Der auch um die- Interessen seiner Glaubensgenossen viel verdiente Sir Francis Goldsmid Bart. leitete die Debatten durch eine ausführliche Schilderung der Vorgänge in Rumänien und dessen, was die Diplomatie bis jetzt dort geleistet, ein. Nach ihm sprach das Mitglied Richard mit großem Nachdruck. Wir wollen hier seine Worte wieder geben. „Es ist nicht, weil ich zweifle, daß es in diesem Hause eine genügende Anzahl Mitglieder jüdischen Glaubens giebt, um die Sache der Juden mit Nachdruck zu vertreten, daß. ich um Erlaubnis) bitte einige Worte über den Gegenstand zu sagen. Allein es geziemt dem Charakter christlicher Legislatoren, daß einige von ihnen diese Gelegenheit ergreifen, um ihren empörten Abscheu gegen die Ruchlosigkeiten, welche von dem ehrenwerthen Baronet geschildert worden sind, auszusprechen. E s i st ei ne Brandmarknng der Civilisation des neunzehnten Jahrhunderts, daß solche Dinge an irgend einem Orte Europa's möglich sein können. (Beifall.) Ich habe stets gedacht, daß die Behandlung der Juden in -früheren Lagen, welche, wenigstens in dieser Beziehung, die „Zeiten der Finsterniß" genannt zu werden verdienen, einen der schmachvollsten Abschnitte in der Geschichte der Christenheit — bald hätte ich des Christenthums gesagt — bildet; es ist aber nicht das Christenthum, welches jene Thaten hervorrief oder gut hieß, sondern ein gespensterhafter und grausamer Aberglaube, der seinen Namen usurpirte. Und gewiß sollte man glauben können, daß nirgends in der Christenheit die Wiederholung solcher Scenen heute noch möglich sei. Doch sind wir durch die Thatsachen enttäuscht worden, welche der ehrenwerthe Baronet angeführt hat, und die noch ausführlicher in der Broschüre angegeben, sind, die man unter den Mitgliedern dieses Hauses vertheilt hat. Ich stimme mit dem ehrenwerthen Vorredner darin überein, daß es äußerst unerheblich ist , ob die gegen einige jüdische Personen geschmiedeten. Beschuldigungen begründet seien oder nicht. Es mögen wohl unwürdige und unredliche Juden in Rumänien sein, wie es genug unwürdige und unredliche Christen in England gibt; dies ist aber kein Grund, daß alle Juden als vogelfrei behandelt, ihres Eigenthums beraubt, aus ihren Wohnungen verjagt, daß die Männer gemordet und die Frauen einer Behandlung, die sich gegen jede Schilderung sträubt,-unterworfen werden sollen. (Beifall.) Und diese Politik ist ebenso stupid als grausam, denn wir wissen , daß in jenen Landern, wo die Juden gerecht behandelt wurden, sie nicht nur zu seinem materiellen Reichthum bedeutend beigetragen, sondern sich auch in Philosophie, Literatur, Kunst und Regierungsfähig^ ausgezeichnet haben. (Lebhafter Beifüll.) In unserm Lande giebt es keine Gemeindeclasse, welche ordnungsliebender, loyaler und gesetzachtender ist als die Juden; und gibt es in diesem Hause Männer, welche sich früher eifrig und ohne Zweifel gewissenhaft der Zulassung der Juden zum Parlamente widersetzten, so denke ich, daß sie zugeben müssen, daß die Folgen, welche sie erwarteten, sich als unbegründet erwiesen haben. Giebt es, frage ich, irgend einen Gentleman in diesem Unter-

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