Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1872)
- Date
- 1872-05-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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36. Jahrgang. llgemein e JW 22. Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps«« in Bonn. Leipzig, den 28. Mai 1872. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstag«, in^2 bis 2'/, Bogen.^PreiS^deS Ia^rgangS,4^Thlr. Inserate werden mit 5 ..... ~ .u 2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Me Buck lungen an; der Haupt-Expedition für beide.Letztere hat sich da« König!. - HalbsShrig 2 Thlr. Mertelsährig 1 Thlr. »lungen, Postämter und ZeitungS-Expeditionen nehmen Bestel- “ . Haupt-ZeitungS-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Rumänien vor Europa. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Bonn. — Oesterreichisch - ungarische Monarchie: Temesvar. — Frankreich: Paris. — Asien: Smyrnd. — Türkei: Konstaniinopel. — Rußland: Don der polnischen Gränze, Aus Rußland. Feuilleton-Beilager Vertrauliche Briefe. X. —Moritz Hartmann. Wertend e A11 i? et Bonn, 19. Mai. Rumänien vor Europa. So schmerzlich auch der Gedanke an das vom Blute Unschuldiger noch rauchende Land Rumänien ist, und so genügend die Urtheile über die Vorgänge in ihm sich ausgesprochen haben, nöthigt uns doch die Pflicht des für die Geschichte und die unparteiische Wahrheit arbeitenden Berichterstatters, so lange darauf zurückzukommen, als das Unwesen in jenem Lande nicht ausgemärzt ist und Europa, wenn auch noch immer erfolglos, seine Stimme dagegen erhebt. Wie wir bei unserem Ausenthalte in Berlin bereits erfuhren, wird ein Antrag betreffL^Rumäniens im deutschen Reichstage vorbereitet, und zwar nicht von jüdischer' Seite... Diesen Gang der Angelegenheit hat jüngst eine Petition unterbrochen, und bereits eine Aeußerung der preußischen Staatsregierung hervorgerufen, welche in die Oeffentlichkeit gedrungen ist und wegen ihrer Einseitigkeit gerechtes Erstaunen hervorgerufen hat. Für die Sache traurig, ist dies für die Debatte im Reichstage nützlich, weil man nun weiß, gegen was man die Argumente zu richten hat. Wir kommen darauf zurück. Die Lage in Rumänien ist im Augenblick folgende: die Geschworenen zu Buzeu haben fünf Juden verurteilt, welche von dem Diebe, einem schon in der Jugend getauften Juden und russischen Deserteur, in der ersten Untersuchung in Folge von Mißhandlungen, ja Foltern, der Anleitung und Mitwiffenschaft beschuldigt, in den weiteren Verhören aber und vor dem Schwurgerichte als unschuldig erklärt worden waren, und die daher der Generalstaatsanwalt schon aus der Untersuchungshaft frei gelaffen, und vor dem Schwurgerichte von jeder Anklage los gesagt hatte; von diesen fünf Juden sind zwei durch den Fürsten begnadigt, dreien ist die Strafe aus Zuchthaus in Gefängniß gemildert worden, letzteres, wie man sagt, bis die gegen zwei Justizbeamte erhobene Untersuchung, daß sie die Angeklagten durch fürchterliche Mißhandlungen zur Selbstbeschuldigung gezwungen hätten, zur Feststellung der Wahrheit geführt haben wird. Hierbei ist uns nur das eine fraglich, wie man in Rumänien die Wahrheit herausbringen .und feststellen will. Andrerseits sind sämmtliche Verbrecher, welche die schamlosesten Missethatm an den Juden verübt haben, von den rumänischen Geschworenen frei gesprochen worden.