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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-05-21 · Heft 21 (21.5.1872) · p. Seite 415

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 21 (21.5.1872)
Date
1872-05-21
Page
Seite 415 (sequence 11)
Language
German
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Praißmann und Haim David durch besagte Sentenz verurtheilt sind, in zweijährige Gefängnißstrafe. Art. II. Unser Minister Staatssecretär am Justizdepartement ist mit der Exemtion des gegenwärtigen Decretes beauftragt. Gegeben zu Bukarest am 20. April 1872. Karl. Justizminister G. Kosta-Foru. Es wird aus dem obigen fürstlichen Decrete ersehen werden, daß Rabbiner Brandes und Herr Goldschläger begnadigt worden sind; sie wurden, wie wir hinzufügen können, sofort auf freien Fuß gesetzt, nach vier Monaten der größten geistigen Leiden, pecuniären Verlusten und physischer Pein. — Den anderen Gefangenen, Abraham Preißmann, Haim David und I. Vaißmann, ist die ursprünglich dreijährige Zuchthausstrafe reducirt und in zweijähriges Gefängniß verwandelt worden. Den Rapport des Justizministers, welcher Seiner Hoheit die juridischen Gründe für die Nothwendigkeit dieser Reaction gegen die Ausführung der Verdicte des Schwurgerichtes unterbreitet hat, hoffen wir in unserer nächsten Nummer zu bringen. Nachdem Brandes und Goldschläger von aller Schuld darin sreigesprochen werden, sagt der Rapport, daß die Schuld der anderen Gefangenen von dem Ausgange des Processes abhinge, der jetzt gegen den Commissär Christen und den Interpreten Dropulo anhängig gemacht worden ist; es müsse darin die Präjudicialfrage entschieden werden, ob es in der That wahr sei, daß die ursprünglichen Geständnisse -dieser drei Verurtheilten nur infolge der ihnen aufgelegten Martern seitens Christea's und Dropulo's ihnen erpreßt worden seien. Daß die letzteren zwei infamen Verbrecher barbarische Martern, die eines Thomas de Torquemada werth sind, ausgeübt Haben, kann keinem Zweifel unterliegen. Die Enquetecommission der Regierung hat vor zwei Monaten diese Thatsache zur Genüge bestätigt, und sie beruht nicht allein auf den Aussagen der Gefangenen. Wenn übrigens die Geständnisse der Gefangenen während der Instruction berücksichtigt werden (wie es der Rapport thut), so müssen auch die Aussagen derselben vor der Enqrwtecommission von dem Schwurgerichtshofe in Betracht gezogen werden. Was sagten diese Gefangenen vor den Assisen in Buzeu aus? Hier sind ihre stenographisch aufgenommenen Worte: Angeklagter.Abraham Preißmann, vom Präsidenten befragt, warum er Silbermann zum Diebstahl verleitet habe, antwortet, daß dies nie geschehen sei, tr habe keine Ahnung gehabt, daß Silbermann ein so gemeines Verbrechen beabsichtige. Präsident. Warum haben Sie beim Jnstructionsrichter eingestanden, ihn überredet zu haben, und läugnen nun alles? Sprechen Sie lieber die Wahrheit. Angeklagter. So lange ich den furchtbaren Martern, denen mich der Commissär Petrachi Christea, mein größter Feind, im Beisein des Translators Dropulo unterzog, widerstehen konnte, habe ich nie zugegeben irgend etwas zu wissen; erst später als man mich zwei Nächte hintereinander mit Händen und Füßen an einer Stange gebunden, 25 bis 30 Mal in einer Höhe von 6 Fuß aufhob und plötzlich herabfallen ließ, so daß ich wie todt liegen blieb, daß mein Gehirn gänzlich erschüttert war, daß ich wochenlang nachher nicht anders als auf dem Bauche liegen konnte^ und als man mich mit noch größeren Foltern bedrohte, gab ich nach, alles zu sagen, was man von mir verlangte. Präsident. Warum haben Sie nicht dem Jnstructionsrichter geklagt, daß Sie geschlagen worden sind? Angeklagter. Wie konnte ich dem Jnstructionsrichter irgend etwas sagen, da derselbe nicht in seiner Canzlei, sondern in der Polizei in Gegenwart meiner Peiniger das Verhör vornahm, wich überdies nie zu Wort kommen ließ, sondern unter dem Vorwände, daß ich nicht genug rumänisch spräche, blos durch Vermittlung des Translators Dropulo mit uns verkehrte. — Später als der Herr Generalprocutar mich im Kerker aufsuchte, und mich direct in Gegenwart von mehreren Kaufleuten befragte, wagte ich erst, die ganze Wahrheit zu gestehen. Präsident. Sie erwähnten vorher, daß der Commissär Petrachi Ihr ärgster Feind sei; worauf stützen Sie diese Aussage? Angeklagter. Weil derselbe mir feit l1/» Jahren eine Summe Geldes schuldet, und ich ihn deswegen mehrere Male beim Polizeimeister, und endlich, als dies nichts Half, beim Friedensrichter-verklagte; 21*

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