Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1872)
- Date
- 1872-05-21
- Page
- Seite 413 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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413 wohlthätige Anstalten wurden non dem dahingefchiedenen oft und reichlich bedacht , wobei er auf keine Confession oder Nationalität besondere Rücksicht nahm; jeder, der bei ihm Hilfe suchte, fand sie. Was zur Hebung der Cultur und des Fortschrittes seiner Glaubensgenossen beittagen konnte, fand an ihm einen eifrigen Beförderer. Bei seinem Leichenbegängniß folgte eine zahllose Menschenmenge aus allen Elasten und Schichten der Bewohner Lembergs, wobei sich namentlich die christliche Bevölkerung stark betheiligte. Von der Achtung und Hochschätzung, welche der dahingeschiedene'genoß, mag als ein glänzendes Zeugniß erwähnt werden, daß sämmtliche in Galizien erscheinende polnische Zeitungen, die in Anerkennung der Verdienste eines Israeliten sonst nicht sehr verschwenderisch sind, des Dr. Hermann Frenkl und seines Wirkens als Patriot und Menschenfreund rühmlichst Erwähnung thun. Friede seiner Asche! B. I. Prag, 10. März. (Privatmittheil.) Am ersten Peßachtage erklang die Orgel nicht blos im Tempel, sondern auch in der Meiselshnagoge, und siehe da, beide Gotteshäuser sind nicht nur nicht eingestürzt, sondern auch von einer Anzahl Besucher gefüllt gewesen wie nie zuvor, und kein einziger aus ihrer Mitte hat dagegen protestirt. Und' so wird wohl auch Herr Professor Dr. Kämpf seine kleinen Protestmittel aufgeben. — Ueberhaupt ist man hier zu Lande nicht geneigt, sich wegen „Veränderungen auf dem Gebiete des Cultus" allzu sehr zu echauffiren. So z. B. ist die Orgel in vielen böhmischen Landgemeinden, wie Strakonitz, Schüttenhofen, Smichow, Teplitz, Pilsen, Saatz,. eingesührt worden, ohne daß es deswegen in einer derselben zu Streitigkeiten gekommen wäre. Ein dieser Tage vom böhmischen Landesschulrath an die Schuldirectionen gerichteter Erlaß, daß es den jüdischen Schülern gestattet werde, ihre Schulrequisiten am Freitag in der Schule zu lassen, damit sie dieselben am Sabbath nicht zu tragen brauchen, ist zwar geeignet die böhmischen Juden in einem andern Lichte erscheinen zu lassen; allein außer Dr. Guggenheim in Kollin, auf dessen Ansuchen dieser Erlaß erfolgte, wurde die ganze böhmische Judenschaft von dieser Aufmerksamkeit für die Juden überrascht. Wenn man an die factischen Verhältnisse denkt, wie selten von unserer Schuljugend die wichtigsten Sabbathgesetze gehalten werden, so nimmt sich der Erlaß des Landesschulraths wie eine Ironie aus. Ein anderer die israelitischen Schüler betteffender Erlaß unseres Landesschulraths ist nach vielen Richtungen hin so interessant, daß wir es uns nicht versagen können, denselben in seiner Vollständigkeit hier wieder zu geben. „Erlaß des hohen k. k. Landesschulraths vom 21. Januar 1871 Z. 9377 L. S. R. In Bettest der israelitischen Schüler wird zur Nachachtung bemerkt, daß nach Bestimmungen des Talmud das Schreiben am Samstage verboten ist, daß eine Dispens von diesem Berbotsgesetze nicht möglich sei, daß dagegen die Gewissensfreiheit im Judenthume das Abgehen von der Einhaltung des talwudischen Gesetzes jedem einzelnen zuläßt. Unter diesen Umständen muß es der Beurtheilung der einzelnen Schüler überlassen bleiben, ob sie am Samstage schreiben wollen oder nicht, und selbst ein imperatives Einschreiten der Aeltern kann diesfalls nicht Platz greifen. Andererseits ist der Grund zu untersuchen, warum einige Schüler am Samstage bald schreiben, bald nicht schreiben, da ein solches Vorgehen offenbar.nur eine Nachlässigkeit der Schüler als Ursprung aufweisen wird, welcher mit aller Entschiedenheit entgegen zetteten werden muß? Wir sind neugierig, welche jüdische Religionsbehörde dem Landesschulrathe diese Information über das Schreiben am Sabbath und über die Verbindlichkeit des talmudischen Gesetzes überhaupt ertheilt hat.. Von den sieben jüdischen Abgeordneten des böhmischen Landtages sind vier in den Reichsrach und einer in den Landesausschnß gewählt worden. A s i e n. Smyrna, 4. Mai. Die Ruhe ist wieder vollkommen her ge stellt. Das Journal de Smhrne veröffentlicht eine Danksagung der jüdischen Familien an den östreichischen Generalconsul von Scherz er für den wirksamen Schutz, welchen er denselben angedeihen ließ. Türkei. Konstantinopel, 7. Mai. Die in. Gallipoli mißhandelten Juden richten eine Petitton an die Vertteter 21