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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-05-21 · Heft 21 (21.5.1872) · p. Seite 410

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 21 (21.5.1872)
Date
1872-05-21
Page
Seite 410 (sequence 6)
Language
German
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Probebogen, 12 S. in 8, enhält die Vorrede des Saadia Gaon zu seiner Uebersetzung und die ersten acht Capitel der Genesis: ttrnnb« oanb JY-nnVis. mtö N,,V/tain 'n V't Bei der außerordentlichen Seltenheit der arabischen Uebersetzung des Saadia Gaon ist eine neue Edition derselben, abgesehen von dem praktischen Nutzen für die Juden im Orient, ein wahres Bedürfniß, da z. B. ein richtiges Verständniß des Pentateuchcommentars von Jbn Esra ohne Kenntniß der Uebersetzung des Saadia gar nicht recht möglich ist. Jbn Esra polemisirt in seinem Commentar sehr häufig gegen die erwähnte Uebersetzung, und bei dem kurzen, rätselhaften Stil desselben läßt sich oft schwer der Sinn der Polemik errathen. Herr Bril fand wohl in Paris (Miavee isrLslils) und London einige Unterstützung; aber theils war dieselbe nicht ausreichend und theils haben die Ereignisse des Jahres 1871 störend eingewirkt. Bei dem billigen Preis, den der Herausgeber angesetzt hat, 71/2 Francs, steht zu erwarten, sobald die jüdische Presse das Unternehmen fördert , daß Herr Bril den Druck wieder aufnehmen und glücklich zu Ende führen wird. Jedenfalls dürften die israelitischen Bibelgesellschaften und Literaturvereine sich gern bereit dazu finden die Herausgabe einer solchen Bibelübersetzung zu unterstützen. Herr Abraham Firkowitsch, der gelehrte Karäer, ist im Besitze von zwei Handschriften der arabischen Psalmenübersetzung des Saadia Gaon, wie er dies in dem in Wilna'als Probebogen gedruckten zu einer beabsichtigten Edition der Fragmente des -zi-vnn -12V und des des Saadia Gaon meldet, und es ist dadurch die Möglichkeit vorhanden den größten Theil der arabischen Bibelübersetzung des Saadia in billiger Ausgabe zu verbreiten. Noch ein wichtiges Unternehmen hat Herr Bril begonnen, dessen Ausführung' ihm am leichtesten sein dürste. Er ist nämlich in den Besitz der von Asulai erwähnten Handschrift des Commentars des Rabbi Salomon Serelio über den Talmud Jeruschalmi gelangt und beabsichtigt denselben nach der vorliegenden Probe zu ediren. Der Text des Jeruschalmi ist bekanntlich höchst verstümmelt und die Commentirung desselben sehr mangelhaft — zwei Uebelstände, denen nach dem Zeugnisse Asulai's Rabbi Salomon Serelio abzuhelfen suchte. Hoffentlich wird Herr Bril in Polen leicht einen Verleger finden, der den genannten Commentar nebst der Variantensammlung herausgibt, was nicht so kostspielig wäre, als eine vollständige Edition nebst dem weitläufigen Commentar des Salomon Serelio, wie dies von vr. Z. Frankel beabsichtigt wird. Rabbiner D. Oppenheim. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 13. Mai. (Privatmitth.) Im ganzen hat sich die hiesige wie die auswärtige Presse gegen die Eröffnung der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums sehr kalt verhalten. Es hat sich hierbei abermals gezeigt, daß man sich den Patriotismus und den Enthusiasmus der Juden bei jeder Gelegenheit gefallen läßt, alles aber mit Mißtrauen ansieht, was für die geistige Erhebung und den Fortbestand des Judenthums geschieht. Die neue Anstalt enthält doch jedenfalls ein Culturmoment von allgemeiner Bedeutung, und ist angethan, der Wissenschaft auch hier eine freie Bahn zu sichern. Dies hilft aber doch nichts, , um eine wahrhafte Theilnahme zu wecken, was nicht ohne Wirkung ist, weil sich die jüdischen Kreise von Stimmen aus außerjüdischen vielfach beeinflussen lassen. So glänzten denn auch die Behörden und die Professoren der Universität durch ihre Abwesenheit, nicht minder die jüdischen Mitglieder des Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses. Dahingegen fehlt es in den. kurzen Mittheilungen der Zeitungen nicht an Fehlern. So hat z. B. die „Köln. Ztg." Sie sagen lassen, die Hochschule sei ganz confessionslos, und es werden an derselben auch christliche Lehrer angestellt werden. Daß Sie nichts dergleichen gesagt haben, wissen die Leser dieses Blattes aus der in voriger Nummer abgedruckten Rede selbst. Christliche Hörer können unentgeltlich wie die jüdischen den Vorlesungen beiwohnen; aber ein christlicher.Lehrer würde an einer jüdisch-theologischen Lehranstalt doch eine sehr sonderbare Rolle spielen. — Ich füge diesem Schreiben eine erfreuliche Notiz Hinzu: Auch für die hiesigen jüdischen Communallehrer ist jetzt eine durchgängige Gehaltsaufbesserung beschlossen worden. Dar- - nach erhalten die an; der jüdischen Gemeindeknabenschule angestellten Elementarlehrer das erste Jahr 400 Thaler, welche Summe alle 2 Jahre um 200 Thlr.

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