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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-05-21 · Heft 21 (21.5.1872) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 21 (21.5.1872)
Date
1872-05-21
Page
Seite 408 (sequence 4)
Language
German
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indem sie nur zu um sp umfMendere^ und-erfol^icherer Ausbeutung der christlichen Bevölkerung gemißbraucht würden. Dieser Warnruf ist auch schon vielfach erhoben worden in Petitionen an die Regierung,, in denen dringend um Stillstand auf dem Wege zur Judenemancipation gebeten wird. Die Landstände des Gouvernements Smolensk hüben sogar eine Deputation an den Zaren gesandt, welche dahin vorstellig werden soll, daß künftig keine Juden mehr zur Betheiligung an Eisenbrhnunternehmungen zugelaffen werden möchten, da es notorische und bei dem Bau der smolenök-moskauer Bahn auf's neue bestätigte Thatsache sei, daß die Arbeiter von den jüdischen Eisenbahnunternehmern auf's unbarmherzigste ausgebeutet und zur Verzweiflung getrieben wurden. Sn Südrußland und Beffarabien herrscht unter der orthodoxen-Bevölkerung eine solche Erbitterung gegen die Juden, daß sie sich weder ui den Städten noch in den Dörfern öffentlich sehen laffen dürfen, ohne sich, den gröblichsten Insulten auszusetzen. Die Behörden befürchten jeden Augenblick den Ausbruch einer allgemeinen Judenverfolgung und haben zur Verhinderung derselben die umfassendsten polizeilichen und militärischen Maßregeln getroffen. Am größten ist. die- Erbitterung, gegen die Juden in Odeffa, deffen Garnison ausdiesem Grundeum mehrere Sotnien Kosaken und um ein Infanterieregiment (das lubliner) verstärkt worden ist." Endlich meldet die „N. fr. Pr.": „Aus Lemberg, unterm 2. d. M., theilt man uns mit: Gestern Abend fand sich,auf dem- Heiligengeistplatz sehr zahlreiche, Straßenjugend ein, vorgeblich , um dem'üblichen , am 1. Mai mit Musikverbundenen Zapfenstreiche anzuwohnen. Der Zapfenstreich blieb aus, aber der herrliche Maiabend' sollte für unsere Jugend nicht klanglos vorübergehen. Kaum war es bekannt, daß die Musik nicht spielen, werden als? auchschon einzelne Fensterscheiben zu klirren begannen: Zunehmends steigerte sich diese Melodie, und in kurzer Zeit sah man fast alle Fenster- und Ladenscheiben (natürlich nur die der Inden) durch, Steinwürfe'zertrümmert. Der Sicherheitswache gelange es,, sechsder jugenvlichen Unruhestifter habhaft zu werden, als dieselben noch, ganz,-unverdrossen, mit einander in der Tragkraft ihrer.Arme, wetteifertem Bor den Untersuchungsrichter gestellt-, gab einer von ihnen an , von gewiffen älteren', Leuten zu-dem Unfug aufgefordert worden zu. seim" Aus allen diesen Mittheilungen, geht hervor, daß e& überall nur die christliche Bevölkerung, ist, welche sich^ in so rasender Weise gegen die Juden erhebt. Nirgends findet! beiden muhammedanischew Einwohnern eine- Erregung und Berfvlgungssucht gegen die wehrlosen Juden statt; vielmehr sind in den. türkischen Ländern die? Regierung und die türkische Bevölkerung befliffen; die Juden vor den Angriffen be& griechischen Gesindels zu schützen. Man höre doch endlich aus, von dem. „kranken Manne" zu sprechen, denn jedenfallssinddie christlichen Unterthanen desselben kränker als er: Wo sich Menschlichkeit und Rechtsgefühl findet, ist doch mehr Gesundheit da, als wo Haß, Raubsucht und Mordlust? die Hauptingredienzien des Volkscharakters bilden. Die Rumänen, Serben, Bulgaren, Montenegriner, Griechen?; und theilweise die Russen stehen; auf einer, viel niedrigeren Stufe der religiösen, sittlichen und Culturentwickelung i als die Türken. Dies beweisen die obigen- Thatsachen? unwiderlegbar. Man sage nicht, daßwir. aus? Vorurteil zu Gunsten unserer Glaubensgenossen sprechen. I Die Thatsachen können keinem menschenfreundlichen Chai rakterkeinem unparteiischen Verstände ein anderes Ur- I theil erlauben. Die vorgeschützten Vorwände in? ihrer Unwahrheit und Unlauterkeit, und. die Haltung der tür-! kischen Bevölkerung sprechen zu laut, und man kann eS£ diesen Vorgängen gegenüber, einem jüdischen Herzen und seiner Entrüstung nicht verargen, wenn eshierbei am 'die. Lobpreisungen denkt;, welche dercivilisatorischenWirkung des Christenthums gespendet werden, die sich an einem so zahlreichen Theile der christlichen Welt so wenig \ bewährt. Fragt man nun nach den Mitteln der Abhülfe, um diese Seuche wieder zu beseitigen, so könnte man an zwei denken, an die Belehrung durch die betreffende Geistlichkeit und an die energischen Maßregeln der Obrigkeit. Leider flößt die erstere wenig Vertrauen ein?; dennnur selten stellen sich kirchliche Oberhirten demmordlustigen Pöbel, entgegen, während sehr zahlreiche Pfaffen niederen Ranges die Excesse schüren und verstärken. Mehr Aussicht eröffnet uns die Regierungsgewalt, deren eigenes Interesse es. ist, die Pöbelherrschaft nicht aufkommen zu lassen, die , wenn sie sich erst fühlt und gar straflos- ^bleibt; bald weit größere Dimensionen annimmt und jejder staatlichen und gesetzlichen Ordnung gefährlich'wird. Allein dieselbe ist gar zu oft in den Unterbehördenund l Localbeamten, welche dem Aufrührern nicht selten, allen -möglichen Vorschub leisten und an der Beute, ihrem An-, theil haben, sehr schlecht vertreten. Wir können daher unsere Hoffnung nur darauf setzen, daß es den Centrale Regierungen doch schließlich zu toll! werde-, und siesich"'

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