Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1872)
- Date
- 1872-05-14
- Page
- Seite 393 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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zum Beitritte zu veranlassen, und daß^ dergestalt dem Vereine reichhaltige Mittel nachhaltend werden geboten werden, um eine unglückliche Menschenrasse werkthätig zu unterstützen, zugleich aber'das israelitische Publicum vor zudringlichem Hausbettel schützen zu können, ohne den etwaigen Vorwurf der Hartherzigkeit oder der Außerachtlassung religiöser und sittlicher Pflichten mit Recht zu verdienen. „Zum Schlüsse wird es genügen, darauf aufmerk, sam zu machen, daß die Abschaffung des Hausbettels und die dadurch bewirkte rasche Abreise der Unterstützten den sittlichen Zustand dieser Personen und ihrer Familien in dem Maße hebt, als das arbeitslose und kostspielige Verweilen in fremden ‘ Städten demoralisirt, und daß jeder, der mitwirkt, den sittlichen Zustand seiner hilfsbedürftigen Glaubensbrüder zu hebendem gottgefälligeres.Werk verübt, als der, der ein kleines, den Unterstützten demoralisirendes Almosen reicht." Fürth, den 28. Februar 1872. Der Vorstand des Vereins zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten. I. Z. Hirschmann. Emil Rosenlhal. Moritz Wertheimber. Vom Rheine, im April. (Privatm.) Sie haben, Herr Redacteur, bereits wiederholt darauf aufmerksam gemacht, wie thöricht es von den liberalen Blättern, den großen und den kleinen, ist, immer wieder aus den ultramontanen und reactionären Blättern die giftigen Ergüsse, die schmuzigen Auslassungen, die pöbelhaften Schimpfreden wiederzugeben und so diesen eine Verbreitung zu verschaffen, welche sie sonst nicht hätten. Die liberalen Blätter thun dies gewöhnlich in der Absicht , zu zeigen , welche gemeine Gesinnungen von der Gegenpartei gehegt und in frechster Weise ausgesprochen werden. Ich vermuthe, daß dies nicht immer der Fall ist,, sondern daß nicht selten der Zweck vorwaltet, ihrennüchternen Inhalt durch jene Ausfälle etwas pikanter zu machen. Wie dem aber auch sei, sie thun der liberalen Sache , und dem inneren staatlichen Frieden keinen. Dienst, damit.: Die Leser sind nicht lauter.;entschiedene Principienmenschen, und schwankenden, Artheilslosen Lesern wird dadurch fast unbewußt mancher Gifttropfen eingeflößt, der, weiter fressend, -sie', der guten Sache abwendig macht. Geradezu gefährlich ist dieses Verfahren der liberalen Blätter für uns Juden; denn theils sind die Vorurtheile gegen uns auch in sonst liberal gesinnten Leuten noch sehr stark, leicht von neuem zu wecken und zu nähren; theils freuen sich noch gar zu viele Christen, wenn sie die Juden beschimpft und geschmäht sehen. Was soll das ganze Verfahren? Man kennt diese schmuzige Clique von ultramontanen und reacttonären Federn genugsam, und das gänzliche Jgnoriren ihrer Wuthausbrüche würde sie besser bestrafen als jede Antwort. So aber lachen sie über die liberale Einfalt, die ihnen zu einer Publicität verhilft, deren sie sich sonst nicht zu erfreuen hätten. — Dies siel mir in diesen Tagen so recht auf, als in vielen rheinischen Zeitungen ein Schmuzartikel aus dem Münchener „Volksboten" vom 11. April abgedruckt stand, der alles überbietet, was die derartige Presse jüngst geleistet hat, und das will viel sagen. Es wurden die Juden mit Vertreibungen und Niedermetzelungerr bedroht, und der Grund dafür in der Unverschämtheit und der erlangten Herrschaft der Juden gefunden. Den eigentlichen Angelpunct bildet* die berüchtigte „Dachauer Bank," ein klerikales Institut, das bekanntlich jetzt unter gerichtlicher Anklage steht. Der „Volksbote" glaubt nun, daß die Juden nicht blos die Ankläger seien, sondern auch das Gericht beherrschten, so daß dieses das Recht verdrehen und jene Bank verurtheilen werde. Aus dieser Wendung kann schon jeder vorurtheitslose das ganze Motto des Schmäharttkels. erkennen: er will schon jetzt das zu erwartende Urtheil des Gerichts als einen Gewaltact brandmarken, den die Juden hervorgerufen haben sollen. Es ist die alte Farce der Ultramontanen, dasjenige, was sie in Mißachtung bringen wollen, den Juden zuzuschreiben. Nun, dem Münchener „Volksboten" halten wir dies zu gute, er ist dafür da, und seine Scribler werden dafür bezahlt. Wozu soll aber nun die ganze Welt diese pöbelhafte Schreiberei lesen? Dabei ist es mir aufgefallen, daß zwar z. B. die bonner Zeitung den Artikel mit den Worten einleitet, daß sie ihren Lesern ein Beispiel von dieser unerhörten Schreibart geben wolle, die kölnische Zeitung aber fügt zwischen Gedankenstrichen nur die Bemerkung hinzu: „wir wissen nicht, mit welcher Berechttgung." Ich halte diese kurze Bemerkung für viel perfider, als den ganzen Artikel des „Volksboten", denn die liberale köln. Zeitung, die sich stets ihres Scharfblickes, ihrer tiefen Einsicht in alle .... 20