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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-05-14 · Heft 20 (14.5.1872) · p. Seite 389

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 20 (14.5.1872)
Date
1872-05-14
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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geschärfter Blick zeigt Ihnen, was für Gegenwart und Zukunft noch thut; Ihr Muth und Ihre Begeisterung führen es kräftig auS, und die Anerkennung und Dankbarkeit der zukünftigen Geschlechter wird Ihre Namen den ruhmreichsten unseres Stammes anreihen. Zahlreiche, wachsend zahlreiche und vor allem befähigte, begabte Jünger mögen sich um Sie versammeln, ein fruchtbarer Boden, in welchen Sie Ihre edle Saat ausstreuen. Wenn Anfeindung Ihnen begegnet, in Ihrer Weisheit und Duldsamkeit werden sie solche überwinden; im Schatten der Wissenschaft, im Bewußtsein erfüllter Pflicht werden Sie sich erhoben fühlen. Sie wissen es längst, der Ausdauernder unerschütterlichen Consequenz gelingt der Sieg, und dieser wird Ihnen werden! Und auch Sie, Jünger der Wissenschaft, die Sie als die ersten Schüler in diese Lehrsäle eintreten, begrüße ich mit bewegtem Herzen. Sie haben es gut, besser als wir, die wir uns die Bahn erst brechen mußten, fast ohne Wegweiser und ohne Vorbild. Sie, die unsere Zukunft sind, die bald unsere Richter, unserer Leistungen Beurtheiler sein werden — schreiten Sie muthig und hoffnungsreich, wie es der Jugend geziemt,' die höchsten Ideale in der Brust, in diese Stätte der Wissenschaft ein, öffnen Sie Ihren Geist vertrauensvoll den Spenden des Geistes, die Ihnen hier geboten werden; nehmen Sie zuerst willig in sich auf, was die dann geschärfte Urteilskraft sichtet und' ordnet, und daraus selbsttätig schafft, und dem Sie dann in der praktischen Welt die Verwirklichung sichern. Wie sollten wir aber in diesem Augenblicke derer nicht gedenken, die durch ihre Opfermuthigkeit, durch ihre thatkräftige Unterstützung das Werk dieser Stunde möglich gemacht haben, besonders jener hochherzigen Familie, die durch eine größere Spende für diese Verwirklichung unserer Hoffnungen das Fundament gelegt hat? Ihnen unfern Dank! Ihnen unsere Herzenswünsche für ihr Wohl! Sie haben erwiesen, daß ihnen die höchsten Güter des Menschen — Religion und Wissenschaft — gleich theuer sind! So mehre sich die Zahl der Freunde dieser Hochschule, daß sich deren Mittel mehren, um die noch vorhandenen Lücken auszufüllen, um alle ihre Hülfsmittel zu vervollständigen. Und so lassen Sie mich, hochverehrte Versammlung, auf diese neue Lehrstatte uralter Gotteslehre den Segen GotteS erflehen. Lange Reihen unserer Vorvordern gehen an meinem Geiste vorüber — sie alle wirkten und schafften unter dem Beistände Gottes, und da sie nur uns, dem gegenwärtigen Geschlechte, ihr Werk Übergaben, verbürgen sie uns denselben Beistand der -allwaltenden Gottheit. Der Segen Gottes komme über diese Hochschule und walte darin für und für, in ihr und in allen, die an ihr Theil haben. Und wenn das Gebet um den göttlichen Segen durch unsere Seele zieht, wie anders können wir dann als hinzufügen: Segen Gottes auch über unser deutsches Vaterland in seiner Einigung, in der Fülle seines Geistes, seiner Freiheit und seiner Macht! Segen Gottes auf Deutschlands allverehrten Kaiser, auf Preußens König! Segen Gottes auf alle, welche berufen sind, für das Heil des Vaterlandes zu wachen und zu arbeiten! Segen Gottes auf die ganze Menschheit, daß sie der Vollendung immer näher und näher schreite! Segen Gottes über die ReligionsHemeinde Israels, soweit sie über das ganze Erdenrund verpflanzt ist! — Amen! Die Feier ging, wie wir hier nur kurz bemerken wollen, in würdigster Weise vor sich. Im Saale des „Brüdervereins", der überaus von dem zahlreichen Publicum gefüllt war, stand die Rednerbühne unter einer Gruppe von Gewächsen. Der Musikdirector, Herr Lewandowsky, leitete mit seinem Chore die Feier durch einen trefflich ausgeführten Gesang — Ps. 19 in der Ursprache — ein. Hierauf die obige Rede. Es sprach dann im Namen des Lehrercollegiums Herr Rabbiner Dr. Geiger, indem er in einem Ueberblick der Geschichte die wesentlichsten Fragen hervorhob, welche die Wissenschaft noch zu beantworten habe; endlich Herr Professor Dr. Lazarus, welcher der Freude über das Gelingen des Werkes lebhaften Ausdruck gab. Ein Chorgesang schloß die Feier, der ein, von vielen Toasten gewürztes Festessen folgte. Bemerken wollen wir, daß sich bereits 10 Hörer für die Hochschule haben inscribiren lassen, von denen 7 .Theologie studiren und den ganzen Cursus mit machen wollen, drei anderen Facultäten angehören. Von letzteren ist einer ein Katholik, der das Judenthum wissenschaftlich kennen lernen will. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, l. Mai. (Privatmitth.) Die Eröffnungsfeier der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums wird am 6. Mai Abends 7 Uhr im Saale des

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