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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-05-14 · Heft 20 (14.5.1872) · p. Seite 387

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 20 (14.5.1872)
Date
1872-05-14
Page
Seite 387 (sequence 3)
Language
German
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ständu-H, in Berührung. Zweifaches war der Erfolg: das uneMeßliche/talmudische Material wurde -systemati- W und codisicirt, Ed es gesellten fich Philosophie in einer .ganz universellen Richtung und Poesie in den grotesken Piutim wie in ,den classisch gebildeten Dichtungen der italienischen und spanischen Juden hinzu. Und neben alle dem, lassen -Sie es wich nur andeuten, jenes Zeugniß, -Laß der innere Schaffenstrieb wicht von der Logik des Aus und von den Phrasen der Poesie sich befriedigt fühlt, jene eigenthümliche Ausgeburt einer entflammten Einbildung und des sophistischen Scharfblicks zugleich, jenes iphantasmagorische Gebilde, die Kabbala, vom alexandrinischen Neuplatonismus an bis -zur Entartung -im neuern Chassidismus in den europäischen Ostländern. Fürwahr , meine Herren! das ist eine -Welt von Entwickelung -und Erscheinungen, von Umgestaltungen, vollbracht durch das specifische Judenthum unter -der Berührung des allgemeinen Meistes in den verschiedensten Epochen, .so «daß die Einwirkungen oft bis im einzelsten erkennbar werden. Und auf diesem »Grunde, meine Herren! -stehen wir an-dem Werke-der Gegenwart.. Man Hat gesagt: die Eultur ist die Mutter, der Wissenschaft; und dann-wieder: die Wissenschaft ist die-Mutter der Cultur. Das Richtige ist, -daß jede -wahrhafte Culturbewegung Pie Wiffenschaft -aus -sich -erwachsen läßt -und fordert, .und Hinwiederum Ode Culturbewegung ohne die Wissenschaft sonder Erfolg und Ziel bleibt, sich-schnell verirrt und verliert. Dies - bestätigt sich auch -hier. Die jn der Mitte des vorigen Jahrhunderts begonnene -Culturbewegung unter den Inden, »deren Tendenz es war und ist, ohne sich, ohne ihren -großen, historischen Inhalt aufzugeben, in die allgemeine Cultur -einzulenken, sie brachte nach kurzer Zeit -die -Keime einer Wiffenschaft des Judenthums zu Tage . und - forderte. entschieden die wissenschaftliche Befriedigung. Äa, meine Herren, es sind jetzt gerade fünfzig Jahre, daß das-Wort „Wiffenschaft des Judenthums" zum > ersten Male öffentlich ausgesprochen ward, und daß Männer, wie Zunz, Moser, Immanuel Wolf, Lazarus Bendavid, Eduard Gans u. a. mit dem vollen Bewußtsein-dessen, -was sie erstrebten , »sich vereinigten, eine Wissenschaft des Judenthums.zu begründen. Wissenschaft des JudenHums, -was sollte -dies Mn? Die.Geschichte des Judeythums, .beruhend in den -'Ereignissen, Thaten, Schöpfungen, -Schriftthüm.ern und Denkmälern eines dreitausendjährigm Daseins,, sollte erforscht, erkannt unddargestellt werden auf »der Höhe - der geschichtlichen Erkenntniß unserer Zeit; der große Gedankenfioff, die Fülle der Erscheinungen im Judenthume gefaßt, geordnet, .systematisch in Disciplinen gebracht und jede derselben durchforscht und durchgearbeitet werden; das Berhältniß d.es Jüdenthüms zu den -weltgeschichtlichen Schöpfungen und Ergebnissen, zur Philosophie, zu den Naturwissenschaften/ zu den andern Religionen, zu den Entwickelungen der politischen .und rsocialen Gesellschaft ergründet, vbjectivirt und wissenschaftlich bewußt gemacht werden. Dies ist Wissenschaft des Judenthums. Welche Aufgaben,-welche Geistesarbeit, wo nur wenig Vorarbeiter, wo nur.unübersehbares Material vorhanden war! Die Männer dieses Halben Jahrhunderts unternahmen-sie unerschrocken, führten sie unermüdlich fort, trotz des Mangels an jeder Aufmunterung und Förderung, -trotz der Kämpfe, die sie deshalb zu bestehen hatten. Aber sie arbeiteten vereinzelt, autodidaktisch, ein jeder mußte für sich -fast -wieder von vorn.anfangen; sie schufen sich -zwar .eine Literatur, eine Presse, aber wie versprengt, kaum hier -und da gruppenweise. Mit einem Worte, es -fehlte , an einem Mittelpunete, an einer Anzahl von Mäynern »der .Wissenschaft, die in unmittelbarer Bereinigung.sich -wie organisch in die Hände arbeiteten, wo sich gewissermaßen eine Atmosphäre ider Wissenschaft -bildet, wo die folgenden Geschlechter den Erwerb der vorangegangenen-unmittelbar .empfangen. und der Jünger -zumMeister Heran wächst. Wohl, dieser ist jetzt erschaffen. Diese Hochschule ist .es, die dem Judenthume erst wahrhaft denErfolg seiner Culturbewegung sichert. Bon . der emenSeite: in ihr vollzieht sich »zum drsten Male die vollständige -Vereinigung des dreitausendjährigen Judenthums mit der Wiffenschaft, und zwar mit der in Charakter, Tendenz und Allgemeinheit vollendeten und in dieser Weife erst unserer Zeit ungehörigen Wiffenschaft. Von der andern Seite: -nicht blys unter -Chaldäern und Parsen, unter Alexandrinern, »Römern Md Arabern Hat das Judenthum eine mächtige Einwirkung seinerseits geübt. Wer weiß es-nicht, wie seine Weltanschauung die ganze Menschheit durchdrang -? wie sein Schriftthum-über den ganzen Erdballgetragen-worden .ist? /— Demnach war jn der Gesammtheit der Wiffenschaft, für dasselbe dis jetzt \ nur; eine Lücke, eine leere Stätte geblieben, ausgefüllt mit Bruchstücken, die eine geringe Keyntniß. aus seinen Schachten herausgeschlagen, ja, mit; Trümmerstücken, die das sVorurtheil gesammelt hatte. -Wohl,-dieseHochschule^wird diese Lücke hiervon reinigen «und - dann um -Mter. wissenschaftlicher Weise, -in Wahrhastigkeit und 20*

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