Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1872)
- Date
- 1872-05-07
- Page
- Seite 373 (sequence 9)
- Language
- German
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dagegen 22 ausgeschieden,. welche das durch die Sta. tuten vorgezeichnete Alter erreicht hatten. Mit Schluß des Jahres 1871 verblieben sonach 156 Waisen unter dem Schutze und in der Versorgung des Vereins, und zwar im Alter von 2 bis 24 Jahren. Hiervon besuchten 10 die Kinderbewahranstalt, 83 die Volksschule, 23 die Mittelschulen oder den Lehrerinnen- und Bonnencurs. In der Lehre als Weißnäherinnen, Kleidermacherinnen, Buchbinder, Meerschaumbildhauer, Korbflechter, Schlosser und Handlungspraktikanten befanden sich 23 Zöglinge. Die Zahl der unterstützenden Mitglieder hat sich um 29 vermehrt und beträgt 468 mit einem Jahresbeiträge von 3413 fl. 37 Kr. Die Einnahmen betrugen 19,045 fl. 13 Kr., worunter beträchtliche Spenden, namentlich von der ersten niederöstreichischen Sparcasse in Wien ein Betrag von 1000 fl. Die Ausgaben erreichten die Gesammtsumme von 13,647 fl. 30 Kr., wovon 12,651 fl. für WaisenuntSrstützung verausgabt wurden. Das Vereinsvermögen beträgt 7189 fl. 17 Kr. bar und 81,540 fl. in Effecten. Der Beaufsichtigungsfunction als Waisenväter und Waisenmütter unterzogen sich außer den Vorstandsmitgliedern freiwillig noch 32 Herren und 14 Frauen. Der Bericht macht schließlich Mittheilung über die Angelegenheit des Waisenhausbaues. Obschon dieser aus dem Vorbereitungsstadium noch nicht herausgetreten ist, so sind doch für das herzustellende Waisenhaus sieben Stiftsplätze mit einem Betrage von 10,800 fl. errichtet worden und beläuft sich der Waisenhauserhaltungsfonds auf 8247 fl. 82 Kr. in barem und 81,542 fl. in Effecten. Lemberg, 20. April. Der Landtagsabgeordnete und Stadtrath vr. Herman Frenkel ist gestorben. Prag, 20. April. In der Josephstadt sind die verfassungstreuen Candidaten Tedesco und Wiener mit 101 Stimme gegen 53 czechische gewählt worden. Innsbruck, 22. April. Bei der Ergänzungswahl für den Bürgerausschuß errangen im dritten Wahlkörper die liberalen Candidaten einen glänzenden Sieg; unter den Gewählten befindet sich ein Jude, W. Dannhäuser. Im ersten und zweiten Wahlkörper ist der Sieg der Liberalen zweifellos. Die Klerikalen hatten sich alle mögliche Muhe gegeben, um diese Wahl eines Juden zu verhindern. Es gelang aber nicht, ein bedeutsames Zeugniß für Throl. . Frankreich. Paris, 15. April. Das Budget des israelischen Cultus ist von der Nationalversammlung genehmigt worden. In Folge dessen müssen zwei neue Consistorien mit je einem Großrabbiner organisirt werden. Das eine Consistorium soll in Lille seinen Sitz haben und der Großrabbiner von Metz, B. Lippmann, wird an dessen Spitze treten. Der bisherige Großrabbiner von Colmar, Jsaac Levh, soll dem anderen Consistorium vorstehen, aber über den Sitz ist man noch nicht einig, da Belfort sich nicht dazu eigne; man denkt an Vesoul. — Die rühmlichst bekannte israelitische Arbeitsschule in Straßburg befindet sich in Desorganisation; die Zöglinge haben sich zerstreut, viele Mitglieder des Vorstandes haben Elsaß verlassen. Man will sie nach Frankreich versetzen, weiß aber noch nicht wohin. — Wir haben bereits den Tod des Herrn Leopold Javal gemeldet. Der Präsident der Nationalversammlung zeigte den Tod dieses Mannes mit den Worten an: „Wir haben einen unserer ausgezeichnetsten Collegen verloren, der zu gleicher Zeit für viele unter uns ein vorzüglicher Freund gewesen ist, Herrn Javal, einen vollkommenen Ehrenmann, dessen Verlust der Versammlung ungetheiltes Bedauern erwecken wird." Die Versammlung gab ihre Beistimmung zu diesen Worten in lebhaftester Weise kund. Die Beerdigung fand am 31. März unter außerordentlicher Betheiligung statt. Unter den zahlreichen Deputaten, die dem Sarge folgten, befand sich auch der Prinz von Joinville. Am Grabe sprachen der Großrabbiner Zadok Kahn, der Deputirte Guichard, Professor Franck. und der Großrabbiner Isidore. Javal war zu Colmar geboren und seine Gattin gchört der Familie Laemel zu Prag an. — Interessant ist, daß eine Dame, Madame Sara Katz aus Cernah, für ihre Hingebung in der Pflege Verwundeter im Hospitale Rothschild während der Belagerung von Paris das Kreuz der Ehrenlegion erhalten hat. Auch F. Lazard, Rabbineradjunct, einer der israelitischen Geistlichen bei der französischen Armee während des letzten Krieges, hat die Ehrenlegion erhalten, wie schon früher aus demselben Motiv Ourh, Rabbiner von Toulouse. —In Paris sind für die Juden in Persien im ganzen 21,500 Francs gesammelt worden. — Noch einen herben Verlust haben die Juden in Frankreich durch den Tod des Herrn Gustav Halphen erlitten, des Verfassers des Werkes: