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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-05-07 · Heft 19 (7.5.1872) · p. Seite 371

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 19 (7.5.1872)
Date
1872-05-07
Page
Seite 371 (sequence 7)
Language
German
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unter großer Betheiligüng der aus der Nähe und Ferne herbeigeeilten Fremden jüdischen und christlichen, Bekenntnisses feierlichst eingeweiht. Die Weiherede und das Weihegebet, welche alle Zuhörer begeisterten und tief bewegten, hielt der zu diesem Zwecke aus Aachen berufene Rabbiner vr. Wolfssöhn; den liturgischen Theil der Weihe hatte der aus Crefeld berufene Lehrer und Cantor Wallerstein vollzogen und gleichfalls zur Erhebung und Andacht der Anwesenden durch seine gefühlvolle und sonore Vortragsweise viel beigetragen. Als ein Zeichen der Toleranz verdient hervorgehoben zu werden, daß in den beiden Straßen, durch welche der Zug von dem alten Betlocal nach der neuen Synagoge sich bewegte , auch die christlichen Bewohner festlich geflaggt hatten. Daß doch die Wünsche in Erfüllung gingen, die in der Weiherede ungefähr dahin lauteten: „Möchten die brausenden Wellen des herrlichen Rheinströmes, an dessen Ufern rechts und links in finsteren Zeiten die Bekenner Israels gar oft geächtet und geknechtet wurden, ferner Liebe und Frieden tönend, bei aller Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses, dahinfließen!" Frankfurt am Main, 11. April. Die Herren Jakob und Zacharias Königswarter haben, zum Andenken ihrer beiden frühverstorbenen Söhne, ein Capital von 300,000 Gulden zu einer Stiftung verwendet, aus deren Einkünften Stipendien für Gymnasialschüler, Studenten und solche, die sich der Landwirthschaft widmen, gewährt werden sollen. Die Stiftung ist für 'Christen und Juden bestimmt. Neustettin, im April. (Privatm.) Die hiesige Gemeinde hat bei dem Magistrate einen abermaligen Versuch gemacht, die Verlegung des Wochenmarktes vom Samstag auf einen anderen Wochentag zu erlangen und deshalb eine Eingabe mit ausführlicher Erörterung aller Nachtheile, welche der Wochenmarkt am Sabbath für Juden und Christen habe, eingereicht, jedoch eine abschlägige Antwort erhalten, da nach § 65 der Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869 die Messen, Jahr- und Wochenmärkte von der königl. Regierung festgesetzt wordenseien. Der Magistrat bemerkt aber--auch in seiner Antwort, daß er keine Veranlassung habe, die -Verlegung des seit mehr als 60 Jahren am Samstag stattfindenden Wochenmarktes bei der königl. Regierung zu beantragen. Herr * W. Löwe hier will jedoch diese Angelegenheit durch alte Instanzen fortführen, und würde sehr dankbar sein, wenn sich alle diejenigen, die sich für diese wichtige Angelegenheit interessiren, mit ihm in Verbindung setzten und ihm ihre desfallsigen Erfahrungen und Ansichten mittheilten. vr. H. T. Alzey, im April. (Privatm.) Die letztere Zeit hat schon oft Meldung von Dienstjubiläen jüdischer Lehrer gebracht. Die Gemeinden prunkten dann vor der Welt mit silbernen Pocalen, welche sie dem Lehrer geschenkt, mit Festessen, die sie den Lehrern gegeben hatten, während sie früher dem Lehrer Amt und Leben bitter und -sauer genug gemacht hatten, ihn vor dem Jubiläum am Hungertuche nagen ließen und nachher fortfahren, es zu thun. Die jüdischen Gemeinden stehen mit diesem Verfahren nicht allein; die Lehrer aller Welt sind schlecht gestellt und geben lautes Zeugniß davon, wie schlecht es um unsre Volksbildung bestellt ist, und wie wenig Werth .man ihr beilegt. Im Grunde bringen die jüdischen Gemeinden noch mehr Opfer dafür, und ihre Lehrer sind auch besser gestellt, als die christlichen, obwohl immer noch nicht gut genug. Ja solche Jubelfeier und -Freude stimmt ganz zu den kostbaren und theuren Monumenten, welche die Welt großen Männern nach ihrem Tode zu setzen pflegt, nachdem sie ruhig zugesehen hat, wie sie ihr Leben in Kummer und Entbehrung verbrachten. Anders ist es in vorliegendem Falle. Ich erzähle Ihnen von dem Jubiläum des Lehrers Karl Marx in Alsheim, welches ihm und seiner Gemeinde zur wahrhaften Ehre gereicht. Alsheim war die erste Stelle des Lehrers Marx, und er bekleidet sie heute noch; seine Gemeinde hat ihn stets zu fesseln und zu ehren gesucht und thut es nicht blos heute am 3. April, dem Tage des Jubelfestes. Das ist selten in Israel, wo dem Lehrer gegenüber gar zu oft das Sturmeswort durch die Gemeinde dröhnt: „Der Mann muß hinaus!" Die Gemeinde ist klein, und doch bringt sie so große Opfer. Die Gemeinde Alsheim zeigt, was der gute Wille vermag; aber auch Marx zeigt, was ein guter Lehrer vermag für Schule, Synagoge, Gemeinde und sich. Marx hat einen auskömmlichen Gehalt, eine geräumige Dienstwohnung, definitive Stellung, und selbst Pension und Wittwengehalt sind gesichert. Alles dies sind allmälige Erzeugnisse der 25-jährigen Wirksamkeit desselben. Da hat die Jubelfeier einen ganz andern

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