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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-05-07 · Heft 19 (7.5.1872) · p. Seite 370

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 19 (7.5.1872)
Date
1872-05-07
Page
Seite 370 (sequence 6)
Language
German
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israelitischen Elementarschule mit Ende des laufenden Jahres beschlossen. Der „Bayerische Kurier" hat schon nach dem Bekanntwerden des Beschlusses in erster Lesung darin ein Pressionsmittel erblicktum die städtischen Behörden zur Herstellung von Communalschulen zu veranlassen, und fordert die christlichen Confessionen zur Abwehr gegen dieses beabsichtigte Attentat auf die christliche Schule auf. Es ist von Wichtigkeit zu constatiren, daß dieser Beschluß sich einer allgemeinen Billigung nicht zu erfreuen hat. Die hervorragendsten christlichen und jüdischen Fachmänner gaben ihr Urtheil für Beibehaltung der Schule ab/ in so lange nichts factisch confessionslose Schulen eingesührt sind. In gleichem Sinne sprachen sich 260 Gemeindemitglieder, d. h. fast die Hälfte der Mitgliederzahl der ganzen israelitischen Gemeinde und drei Viertel der Wähler, welche bei der jüngsten durch künstliche Agitation stark aufgeregten Gemeindewahl sich betheiligt haben, in einer Adresse an den Verwaltungsausschuß aus. Die Majorität nahm auf diese gewichtigen Kundgebungen keine Rücksicht, die Führer warfen ihr 8iv volo, sic jubeo in die Wagschale, und die gefügige Majorität unterwarf sich blindlings. Offenbar war die Majorität, welcher auch die zwei israelitischen Mitglieder des städtischen Collegiums der Gemeindebevollmächtigten angehören, von der Ansicht geleitet, die Einführung der confessionslojen Schule dadurch anzubahnen oder zu erleichtern; allem Anscheine nach stehen wir aber von der confessionslosen Volksschule weiter entfernt, als der politische und religiöse Radicalismus es wünscht. Es hat dieser voreilige Beschluß daher vorläufig nur die Wirkung, daß die ohnehin, namentlich in der Stadt stark bevölkerte katholische und protestantische Volksschule durch Hinzutritt der jüdischen Schüler und Schülerinnen geradezu übervölkert wird, und daß durch dieses rücksichtslose Vorgehen eine tiefgehende Mißstimmung in der Gemeinde Platz gegriffen hat. München, 20. April. Die Kammer hat auf Antrag des Abgeordneten Dr. Frankenburger eine Summe von 5,500 fl. für Aufbesserung der Rabbinergehalte bewilligt. Das Interessanteste in der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer war eine von einigen liberalen Abgeordneten ausgegangene Interpellation an das Kriegsministerium. Es handelte sich darum, daß ein bairisches Regimentscommando einem Soldaten israeckitischer Confession die/ Zulassung. zur Prüfung als Zahlmeisteraspirant unter Hinweisung darauf als . unstatthaft bezeichnet, daß nach einem Kriegsministerialrescripte : vom 21. Februar 1842 den israelitischen Glaubensgenossen keine Aussicht auf Beförderung iw Militärverwaltungsdienste gewährt werden könne. Die Interpellanten fragten nun : 1. ob das Ministerium von dem erwähnten Regimentserlasse Kenntniß habe, 2. ob xs das. fragliche Mirtisterialrescript auch jetzt noch für anwendbar erachte, oder 3. vielmehr das Reichsgesetz vom 22. April und resp. 3. Juli 1866, die Gleichstellung der Confessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung betreffend/ für maßgebend halte und ffür den Vollzug dieses Gesetzes Sorge zu tragen beabsichtige. Der Kriegsminister beantwortete sofort die beiden ersten Fragen verneinend, die letzte bejahend. (Die „Wahrheit.") Neumark in Westpreußen, ll. April. Die jüdische Gemeinde hatte sich vor längerer Zeit eine eigene Schule für ihre Kinder gegründet und an dieselbe einen tüchtigen Schulmann berufen, der mit sichtlichem Erfolg wirkte. Auf ärztlichen Rath sah sich derselbe indeß genöthigt,. seine Penfionirung zu beantragen , welche auch am 1. Februar d. I. erfolgte. Nun ersuchte der Vorstand der jüdischen Gemeinde den Magistrat, die jüdische Schule mit der zweiclassigen evangelischen Schule zu vereinigen. Der Magistrat ging hierauf bereitwillig ein und am 7. März wurde die Vereinigung vollzogen. Die bisher der jüdischen Gemeinde gewährte Aversionalsumme von 160 Thlrn. hat der Magistrat im Einverständniß mit der Schuldepütation liberaler Weise den evangelischen Lehrern überwiesen und dadurch deren Einkommen erheblich verbessert. Die Genehmigung der Regierung zu den Veränderungen ist bereits eingetroffen. Oberdollendorf, 14. April. Die zu Oberdollendors verstorbene Wittwe Lucia Leubsdorf hatte der kleinen Synagogengemeinde daselbst ein Legat von 3000 Thlrn. mit der Bestimmung vermacht^ daß dafür ein. Gotteshaus/welches die Gemeinde noch nicht besaß, am Orte erbaut werden sollte. Laut weiterer Bestimmung wurde der Vorsteher der Gemeinde, Herr Samuel Süßkind, damit betraut, für, die Ausführung jener letztwiüigen Verfügung Sorge zu tragen, welchem Aufträge derselbe mit anerkennenswerthem Eifer sich unterzog. Die schöne, recht freundliche Synagoge , wurde am; 5/ Aprjl

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