Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1872)
- Date
- 1872-05-07
- Page
- Seite 368 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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die Absicht, durch Deutschland abermals nach Jerusalem zu reifen. Ich schrieb deshalb an - ihn, und er antwortete sofort, daß wir uns in Berlin treffen und über die Angelegenheit der westrussischen Juden verstand igen wollten. Einige Tage darauf erhielt ich abermals ein Schreiben des verehrten Mannes, worin er mir mittheilte, daß Herr Crsmieux beschlossen habe, in Berlin eine Versammlung abzuhalten, um in Deutschland Localvereine der Alliance isra&ite universelle zu gründen, und. daß in dieser Versammlung auch die gedachte Sache zur Besprechung kommen solle. Diese Versammlung fand bekanntlich im November 1869 statt; wegen Gesundheitsrücksichten konnte ich derselben nicht, beiwohnen. Sie hatte einen bedeutenden Erfolg. Die Alliance nahm unsre Angelegenheit in die Hand, um großartige Geldmittel aus allen Theilen der Welt zu beschaffen, und setzte in Königsberg ein Gränzcomits ein, welches die Ausführung der Maßregeln übernehmen sollte. Es lag in der Sache, daß dieses Gränzcomits von nun an der eigentliche Factor für das, was geschehen sollte, werden mußte. Ich selbst folgte der Aufforderung, mich als Präses.der vom Gemeindetage ernannten Commission diesem Hauptgränzcomits anzuschließen. Von dieser Zeit an hatte ich natürlich gesonderte Functionen nicht mehr zu leisten. Das Gränzcomits, an feiner Spitze der verdienstvolle Herr Rabbiner Dr. Bamberger, entwickelte eine ausgezeichnete Thätigkeit, die ihren Maßstab nur in den übergroßen Schwierigkeiten fand, denen es auf seinem Wege zu begegnen hatte. Es erließ über seine Maßnahmen wiederholt Berichte, auf welche ich verweisen kann. Auf zwei Zielpuncte steuerte es unermüdlich los: auf die Auswanderung tüchtiger Männer mit ihren Familien nach Amerika, und die Ausbildung junger Leute zu erwerbsfähigen Menschen, insonders die Unterbringung der durch die Hungersnoth verwaisten Kinder. Die Dinge kamen in Fluß, und schon gingen einige Transporte Auswanderer nach Amerika, wobei die Mithülse der berliner und Hamburger Localcomit6's rühmend hervorzuheben ist; schon war eine ziemliche Anzahl^junger Leute und Kinder untergebracht. Da kam der Krieg von 1870. Alsbald verschlang dieser alle anderen Interessen, und machte selbst durch die Blockade unsrer Seehäfen die Uebersahrt nach Amerika unmöglich. Das Gränzcomits mußte seine Thätigkeit ststiren, und sah sich nach dem Friedensschluffe im Besitze von nur noch geringen Geldmitteln. Derselbe Krieg hatte aber auch die Thätigkeit der Alliance , von der Hauptstadt Frankreichs aus gelähmt; Es kamen andere Unglücksfälle hinzu, namentlich die Hungersnoth in Persien, welche das Jntereffe unsrer Glaubensgenossen in Anspruch nahmem So liegt jetzt die Sache. Das Gränzcomits besteht, seine Thätigkeit hat wieder begonnen, aber es fehlen die Mittel, um sie irgendwie ausreichend zu machen. Ich erließ daher eine Aufforderung in der allgemeinen Zeitung des Judenthums, um das Jntereffe dieser Angelegenheit wieder zuzuwenden, und wie mir mitgetheilt worden ist, sind darauf einige Geldbeiträge dem Gränzcomits in Königsberg zugesioffen. Aber dies alles genügt nicht, und wenn nicht bald eine neue Wendung eintritt, müßten wir die Sache als todt betrauern, und es ist einsichtlich, daß wir dann auch die frühern Anstrengungen nur als eine für eine verhältnißmäßig geringe Zahl von Individuen nützliche Verwendung und deshalb als, für die Gesammtheit erfolglos anzusehen hätten.. Nun ist es allerdings anzuerkennen, daß die kaiserlich russische Staatsregierung in der letzten Zeit mehrfache Schritte gethan hat, welche für unsre Glaubensgenoffen in den Westprovinzen sehr zuträglich sind. Aber gerade dies legt uns um so mehr die Pflicht der möglichsten Anstrengungen für Hebung und Erleichterung dieses Theils unsrer Stammesgenoffenschaft auch fernerhin auf, um ihn fähiger und geneigter zu machen, in eine bessere Lage einzutreten. Es ist eine Ehrenschuld, die wir dadurch übernommen haben, daß wir diese Angelegenheit vor dem Angesichte der ganzen civilisirten Welt für die aller westeuropäischen Juden erklärten. Ich glaube daher auf die Beistimmung der gesammten Versammlung rechnen zu dürfen, wenn ich den Antrag stelle, daß der Gemeindetag die Angelegenheit der westrussischen Juden für eine Sache des deutsch-israelitischen Gemeindebundes erklären und seinem Ausschüsse aufgeben möge: dem Gränzcomits zu Königsberg mit allen möglichen Mitteln zu Hilfe zu kommen, damit deffen Thätigkeit sich wieder ersprießlich auszudehnen vermöge. Aeitilngsuachrichte». Deutschland. Berlin, 21. April. Die Heutige Sitzungdes Abgeordnetenhauses eröffnete der Präsident von Forkenbeck mit folgenden Worten: „Bereits, .am