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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-04-30 · Heft 18 (30.4.1872) · p. Seite 363

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 18 (30.4.1872)
Date
1872-04-30
Page
Seite 363 (sequence 21)
Language
German
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ja sechsbändige deutsche Romane abgedruckt wurden, ohne daß der Autor nur davon weiß.,, Daffelbeist mit den in Amerika erscheinenden jüdischen Blättern der Fall, und es liegen uns viele Nummern derselben vor, die bis auf ein sehr geringes Maß nur aus Abhandlungen, und Artikeln der deutschen jüdischen Zeitschriften zusammengesteU stnd. Es. läßt sich da leicht Redaction spielen, wo es nur des Rothstifts und der Schere bedarf. Man weiß, wie außerordentlich karg das Honorar ist, welches jüdische Autoren aus ihren, dem Judenthum gewidmeten Werken ziehen, und daß wohl die Mehrzahl dieser Schriften erscheint, ohne daß überhaupt ein Honorar gezahlt wird. Darin liegt ja ein wesentliches Verdienst des „Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur", daß dieses es möglich machte, den Autoren auch ein angemessenes Honorar.zu verschaffen, trotzdem der Jahresbeitrag der Abonnenten ein so unbedeutender ist, und es vermochte dies nur dadurch, daß eben kein buchhändlerischer Gewinn damit verbunden ist. Haben wir dies mit großer Mühe, mit dauernder Hingebung erwirkt, wie sollen nun unsere amerikanischen Brüder das Recht haben, jedem deutschen Glaubensgenossen, der auf. ein Werk seine Kraft, oft Unter Mängel und Entbehrung darbend, verwendet hat, einen Theil der Früchte seines Fleißes und seines Talentes ohne weiteres zu entziehen, und durch den Nachdruck und die Uebersetzung seiner Arbeit ihm die Möglichkeit abzuschneiden, aus dem Verkaufe seines Werkes jenseits des Oceans einen kleinen, ihm wahrlich zu gönnenden Bortheil zu erhalten? - Hier ist es nun , wo wir auf den vorliegenden Fall f einlenken können. Unter dm deutschen jüdischen Autoren .. hatten und haben wir vielleicht am öftersten die Ehre, in / fremde Sprachen übersetzt und in Amerika nachgedruckt zü werden. Bevor noch die internatiönalett Verträge Wanden, wurden mehrere unserer Schriften in's Französische, Englische und Hebräische Übersetzt, natürlich ohne daß man uns darum befragte, und gar nicht selten, ohne daß wir auch nur ein Exemplar der betreffenden Übersetzung öder des respectiven' Abdrucks erhielten. Neuerdings ist dies in den Staaten, mit welchen internationale Verträge bestehen, selbstverständlich nicht mehr der Fall, man ersucht uns um die Erlaubniß, und wir haben diese jederzeit gegebLy^ dhye . MWh .einen Vortheil zu beanspruchen. Anders noch heute in Holland und Amerika. Unser „Jacob Tirado" z. B. erschien iu holländischer Übersetzung in Rotterdam; wir erführen, erst später davon .und mußten eju Hemplar selbstbezahlen, M die Verlagsbuchhandlung hiervon härte und uns den Preis ('3 fl.) zurück erstattete. Von der holländischen Uebersetzung unserer Broschüre über die Kreuziguyg, von der wir nur durch einige Recenfionen Kenntniß bekamen, haben wir noch heute kein Exemplar. gesehen. l)n m\ größerem Maße findet es in.Amerika ^ßatt. . Unsere novellistischen Arbeiten z. B. werden dort Tag' für"Tag nachgedruckt, und wir sehen dies nur dann uyd wann aus einem uns zufällig in die Hände kommenden Blatte. Nicht allein, daß unsere. Novellen, wie wir sie in diesem Feuilleton geben „ nachgedruckt werden , nochehe sie iy diesem Blatte bis zu Ende stehen; man. giebt aus den sechs Bänden unseres. „Saron" die ältesten wie die spatere^ Novellen, wie, es. gerade paßt. Druckte doch ein newyorker Blatt den ganzen umfangreichen Roman unseres seligen Bruders „Der unbekannte Rabbi" ab. Wjx wissen wohl, daß juridisch gegen diesen Eingriff in das von allen Eulturstaaten, mit. Ausnahme Hollands und Amerikas, anerkannte Autorrecht nichts zu machen ist, und daß sich unsere amerikanischen Glaubensgenoffen hinter das Landesgesetz, oder vielmehr hinter das Landesnichtgesetz flüchten können. Anders denken wir uns dies vom moralischen Standpunete, insonders vom jüdischen. In Deutschland z. B. haben es sich die jüdischen, Blätter, wenigstens die ehrenhafteren, zum Gesetz gemacht, nichts von einander abzudrucken, es sei denn irgend eine kleine Zeitungsnachricht- und dann mit Nennung der Quelle- Mau wird d ieser Zeitung-ein anderes Verfahren nicht Nachweisen können. Unsere nvrdamerikanischen Glaubens-- brüder sollten die Geistesarbeiten der jüdischen Autoren in Deutschland nicht geradezu plündern, sondern ihnen aus dem Gewinne, den sie von dem Nachdruck und von der Uebersetzung ziehen , einen kleinen Theil znkommen laffen, um sie zu fördern und aufzumuntern. Das wäre Gerechtigkeit, das wäre brüderliche Treue! — Unter diesen Umständen kann man es uns nicht verdenken, wenn wir in den Fällen , wo man wirklich unsere Erlaubniß fordert, diese verweigern. Wir wollen diesem Systemeimmer nur von der deutschen Arbeit zu leben, nicht noch Vorschub leisten. In dem vorliegenden Falle ist es gewiß unser Wunsch, daß die sich jetzt bildende literarische Gesellschaft zu einer vollen und früchtereiftu BMthe komme. Herrscht hierbei aber die Absicht vor, , doch nur die besten deutschen Arbeiten in Uebersetzung zu bringen, so dringen wir im Namen der deutschen Autoren darauf, daß denselben ein, wenn auch sehr mäßiger Bortheil daraus erwachse. Wird ihren Werken doch durch hie Uebersetzung der Verkauf in Amerika geschmälert. Wir denken dabei so: erlangt die Gesellschaft nicht so viel Mittel, außer Druck, Papier und .Ueb.ersetzer.lohn den Autoren ein kleines Honorar auszusetzen , so kann ihre Verbreitung nur eine sehr geringe, und darum für die jüdische Gnstescultur nur unbedeutend sein. Im anderen FM wäre die Vernachlässigung jener Pflicht ganz ungerechtfertigt. Wir haben oben bemerkt, daß wir die Er- ) laubniß zur Uebersetzung einer. unserer Arbeiten stets ' ertheflt und niemals einen Vorthejl davon verlangt oder « erhalten haben. Hier aber gflt es, unsere nordamerikävischen Brüder auf eine Pflicht aufmerksam zu machen, die das. Interesse ^vieler, ber ührt unh deren Verletzung dort ay zu leicht. geno.MWN wird. Wir bemerken nur noch, daß wip m^ oem obigen Briefe eine Correspondenz erhielten, welche mit Recht die' Verwendung ungeheurer Summern auf Synagogenbauten und WohlthätigkeitSaristalten rühmt. Wohl, so mögen - unsere dortigen

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