Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1872)
- Date
- 1872-04-30
- Page
- Seite 351 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Furcht zu erfüllen, gefchweige denn bei den Ausschreitungen, die man gegen sie begeht, nicht nur durch die Presse, sondern auch hier in dieser Versammlung. Wenn sich also die Juden fortwährend verfolgt sehen, oder wenigstens glauben, dann sage ich mir: Um Himmelswillen! diese Menschen müssen unter solchen Umständen eine große Furcht haben, und ich bin sicher, daß sie nichts weiter wollen, als daß wir sie in Frieden ihren Beschäftigungen nachgehen, sie in Ruhe leben lassen. Bolliac. Wie viele Juden befinden sich im Kerker? Der Justizminister. Fragen Sie, wie viele Schuldige sich dort befinden. (Applaus.) So antworte ich im 19. Jahrhundert. Denn die Anftage stellen, wie viele Juden eingesperrt sind, heißt zu den Zeiten des Mittelalters zurückkehren , und solche von Herrn Bolliac geäußerte Ansichten werde ich niemals theilen, denn ich nehme Rücksicht auf mein Land, welches wohl weiß, wozu diese Waffe benützt wird. (Applaus.) Ich sage deshalb, meine Herren, daß eS unwürdig wäre, wenn wir im 19. Jahrhundert und inmitten der Gesellschaft, in welcher wir leben, die sich nie durch religiöse Verfolgungen bemerkbar gemacht hat, solchen Ideen huldigten; es wäre für uns als Minister nicht nur unwürdig, sondern auch mit unserer Pflicht unvereinbar, wenn wir solche Verfolgungen unterstützten, und am allerwenigsten würdig, das auch nur wiederholen zu wollen, was Herr Bolliac täglich in seinem Journale schreibt. (Beifall.) Herr Bolliac weiß, daß sein Journal vielen Schaden angerichtet und die Leidenschaften erregt hat; er wird dies eines Tages seinem Gewissen gegenüber verantworten müssen. Um auf den eigentlichen Gegenstand noch einmal zurückzukommen, bemerke ich Ihnen, daß alle darauf bezüglichen Rapporte zu Ihrer Einsicht vorliegen werden. Nun bitte ich Sie mit Ihrer Ansicht dem Processe nicht vorauszueilen, der über alles ein klares Licht werfen wird. Der Justizminister hat hiermit den einfachen Gedanken ausgesprochen, den alle vernünftigen Menschen theilen werden: die Juden, denen in Rumänien immerfort die gräulichste Verfolgung über dem Haupte hängt, werden sich wahrlich hüten , irgend etwas zu thun, was dem Pöbel die Veranlassung, ja ein gewissermaßen entschuldbares Motiv zur Mißhandlung derselben bieten könnte. Darum ist die Kirchenschändüng in Ismail, sicherlich nicht von ihnenausgegangen und verübt worden. . > Die „Rum. Post" vom 15. März klagt übrigens über die unverantwortliche Vernachlässigung der einfachsten. Maßregeln seitens der Regierung , um eine größere Sicherheit gegen, namentlich am Osterfeste zu befürchtende Wiederholungen der Erneuten zu gewähren. Nicht einmal die Veröffentlichung des wahren Sachverhältnisses, des Berichtes ihrer Untersuchungscommission über den Thatbestand unternimmt sie, um die Gemüther zu beruhigen und das Volk in Beffarabien über die Sache aufzuklären. Die Gewaltthätigkeit ist noch so allgemein, daß die Juden sich nicht in ihre Wohnungen zurückzukehrön getrauen. Wenn die der gegenwärtigen Regierung so ergebene „Rum. Post" sich dermaßen äußert, so muß.das Verfahren der Regierung sehr beklagenswerth sein. Die rumänische Oppositionspresse geräth in Wuth, daß die europäischen Zeitungen in ihren Verdammungsurtheilen so einig sind, wie es nicht anders sein kann; sie nennen daher alle Blätter „jüdische", und Gambetta'sOrgan erhält ebenso dieses Beiwort wie das ungarische „Alföld". Wenn diese Blätter Rumänien, falls es auf seinem jetzigen Wege verbleibt, alle Lebenskraft absprechen, so erhitzen sich die Herren Rumänen und machen ihren Lesern weis: so könnten nur Juden sprechen. Bukarest, 24. März. Man schreibt der N. fr. Pr.: Am 20. d. hat sich der hiesige großbritannische Generalconsul zum Premierminister Catargi verfügt und ihm mitgetheilt, daß er eine zweite Depesche von feiten Lord Granville's erhalten habe, worin die englische Regierung ihr Bedauern darüber ausspricht, daß bis jetzt noch keine geeigneten Maßregeln ergriffen worden sind, um den im rumänischen Beffarabien so unmenschlich behänderen und verfolgten jüdischen Einwohnern Gerechttgkeit und Genugthuung zu verschaffen. Der Generalkonsul sagte ferner, daß schon ein Monat verflossen sei, seitdem die Regierung auf die ihr seitens der hiesigen Consuln zugeschickten identischen Noten geantwortet habe, daß eine specielle Commission, an Ort und Stelle gesendet worden sei, um den Thatbestand zu untersuchen, und daß das Resultat der Untersuchung sofort zur Kenntniß der Consuln gebracht werden würde. Die. Commission sei nun. schon längst zurückgekehrt, habe einen ausführlichen Bericht-der Regierung 18