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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-04-30 · Heft 18 (30.4.1872) · p. Seite 350

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 18 (30.4.1872)
Date
1872-04-30
Page
Seite 350 (sequence 8)
Language
German
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Eivilrechte zu ertheilett. Wäre dies der Fall, so würden bald „alle Sitze dieser Kammer nur von-Juden in Talaren occüpirt sein." Die 25 Millionen Engländer, unter denen nur 30,000 Juden wären, nennt er --verjudete Menschenwelche durch Handelsittteressen mit den Juden verknüpft sind." Er sagt: „Welchen Eindruck muß es auf die Nation machen, wenn ven Juden die Idee eingepflanzt wirddaß die gegenwärtige Regierung die Absicht habe, ihnen noch in dieser Session die politischen Rechte zu ertheilen? Welchen Eindruck muß dies auf die Wahlcollegien Hervorbringen, wenn sie voraussetzen, daß morgen oder übermorgen die Majorität der Kammer und des Senates aus Juden bestehen werde? Glauben Sie nicht selbst, meine Herren, daß solch eine unglückliche Idee völlig geeignet ist, die ganze Nation aufzustacheln?" Man bemerke: wenn die Juden die bürgerlichen Rechte erhalten, so nehmen sie sofort die Majorität im Abgeordnetenhaus ein, und dies whd einen üblen Eindruck auf die Wahlcollegien machen, die doch die Wahlen zu treffen haben! Was für einen Begriff muß dieser Mann von der Logik seiner Mitabgeordneten haben, um ihnen solchen Unsintt Verträgen zu dürfen! Noch mehrer behauptet, daß die Bevölkerung des Landes von 5 Millionen hierunter 1 Million Juden zählen. (Bekanntlich haben officielle statistische Ermittelungen nllr 213,000 Juden in Rumänien ergeben.) Würde nun dieser Million Juden das politische Recht gegeben, so würden nicht blos alle Kammersitze, sondern auch die Ministersitze von ihnen besetzt sein! Wenn die Energie in Geist und Kraft bei den Inden so groß ist - so wundert es uns nur, daß sie bis jetzt nicht allein nicht die politischen Rechte , sondern nicht einmal Sicherheit des Lebens und des Eigenthums in Rumänien sich erwerben konnten. Eine Anzahl Menschen, did durch ein Stück bedrucktes Papier jofort alle Rumänen aus den Ministerien und den beiden Kammern hinauswerfen könnte, soll diese nicht einmal sich, ihre Frauen und Kinder vor den scheußlichsten Mißhandlungen schützen können! Was den Herrn Bolliac ganz besonders empört, liegt darin, daß die Juden sich auch in der Presse vertheidigen dürfen. Er verlangt, daß die Rumänen allein Preßfreiheit besitzen, die Fremden aber schweigen sollen.^ Wir haben diesen Unsilln hier kurz charakterisirt, der, wenn' er nicht für ganz Rumänien - und für unsere dortigen Glaubensgenossen illsbefondere so traurige Folgen hätte, sicherlich zu großem Ergötzen dienen würde. - : Bonn, 21. März. Die Antwort ides Justiz- Ministers auf die im vorigen Artikel erwähnten Interpellationen war anfangs eine schwankende. Er warf den Interpellanten vor, daß sie nur von einer Schuld der Juden, aber kein Wort von dem, was gegen dieselben gefrevelt worden sei, geredet hätten; er, der Minister, sehe zwei Verbrechen begangen, und beide verfolge er durch die Untersuchung. Aber Dank den ihm zugeschleuderten Vorwürfen der Gegner, erhitzte sich der Justizminister*) und sprach schließlich seinen wirklichen Gedanken aus. Er hatte angedeutet, daß ganz andere Hände die Kirchenschändung in Ismail angezettelt hätten, um das Volk gegen die Juden zu hetzen, das Land in Unruhe, den Staat in Verruf zu bringen. Könnte man doch den Juden in Kahul gar nichts zur Last legen, und hätte daselbst noch ärger gegen sie gewüthet als in Ismail. Hierüber nun in aufregender Weise interpellirt, sprach sich der Justizminister folgendermaßen aus: „Wenn wir den begangenen Kirchendiebstahl und die darauf erfolgten Unruhen betrachten, wenn wir jene Menschen sehen, denen das Untuhestiften als oberstes Princip gilt, welche behaupten, daß die Gesellschaft nur durch unaufhörliche Wirren leben könne, welche sagen, daß die Gesellschaft nur durch Agitationen gereinigt werden könne — und dies sagen sie deshalb, um selbst zu profitiren,' Herren der Situation zu werden und die Völker zu beglücken — wenn wir sehen, daß die Agitation zu einem Dogma erhoben wird, und zwar voll Leuten, welche gegen die Zlckunft und Gegenwart cönspiriren: wollen Sie da, meine Herren, ich solle mir nicht in meinem Geiste sagen, daß diese Juden, welche sich fürchten, daß bei irgend einer Bewegung, ja selbst auf eine bloße unbegründete Denunciation hin, die Leidenschaft der ganzen Bevölkerung sich gegen dieselbeü richten könne, solche Thaten nicht begehen können; denn, meine Herren, wenn in diesem Lande nur alleiü die Meinungell des Herrn BoMc Anklang fänden, welcher 'einen llnversöhnlichen Häß ge^en die Juden hegt, so wäre dies allein schon' hinreichend 'sie mit kam so weit, daß der Jusüzminister ettterft der Jnterpellantell vorwarf , er M der Vertheidiger aller Spitzbuben, mrd dieser 'gab ihm dasselbe zrwück.

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