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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-04-30 · Heft 18 (30.4.1872) · p. Seite 349

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 18 (30.4.1872)
Date
1872-04-30
Page
Seite 349 (sequence 7)
Language
German
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raschen Verfalle entgegen gehen würde, der Gemeindeverwaltung die Ermächtigung ertheilt werden möge, das Gebäude in seinem jetzigen Zustande an eine Corporation abzutreten, welche dasselbe zu beendigen im Stande wäre, und zu wissenschaftlichen oder Kunstzwecken anwenden könnte. Bereits haben hiesige Blätter hierauf bezügliche Vorschläge besprochen. Allein die Generalversammlung der Gemeinde, weit entfernt eine solche. Ermächtigung zu gewähren, erklärte sich bereit, jedes erforderliche Opfer zur Vollendung des vorgerückten Baues zu tragen, und der Vorstand der Gemeinde wurde beauftragt ungesäumt die zu so edlem Zwecke dienlichen Vorschläge zu entwerfen und zur Berathung mitzutheilen. Diese Beschlußnahme zeugt für den edlen Sinn der Gemeinde, und läßt nun hoffen, daß der schon während des Baues allgemein bewunderte Tempel auf Kosten der Gemeinde doch noch werde beendigt werden können. Donaufürstenthümer. Bonn, 20. März. Es liegt uns heute Nr. 76 der „Rumänischen Post" vom 12. März vor. Dieselbe beginnt den stenographischen Bericht über die Sitzung des rumänischen Abgeordnetenhauses zu geben, in welcher die Herren Cäsar Bolliac und A. Varnali ihre Interpellation wegen der Vorgänge in Ismail vortrugen und von dem Ministerpräsidenten und dem Justizminister Antwort erhielten. Die Reden dieser beiden Deputirten sind aber zu kindisch, entbehren der einfachsten Logik und alles gesunden Menschenverstandes so sehr, daß selbst die Niedertracht der Absicht dieser beiden Menschen uns nicht rechtfertigen könnte, den Raum dieses Blattes mit solchem Gewäsch zu füllen. Um gerecht zu sein, müssen wir bemerken, daß die Kammer bei der Anhörung dieser Reden sehr unruhig war und sich derselben gern enthoben gesehen Hätte. Hervorheben wollen wir, daß bei dieser Sorte rumänischer Patrioten eine in Bukarest angekommene Depesche des englischen Ministers des Auswärtigen ein großes Aufsehen gemacht hat, da die- . selbe unverhohlen bei der Wiederkehr solcher Vorgänge das Einschreiten der Schutzmächte anzeigen soll. Wir hätten sehr gewünscht, daß die „Rumänische Post" im Stande gewesen wäre, den Wortlaut dieser Depesche wiederzugeben, denn verhält es sich wie angedeutet, so wäre sie von der größten Wichtigkeit. Man kann sich nun denken^ wie eine solche Depesche diese Art von Rumänen berührt. Sie, die sich nicht sowohl als unabhängigen Staat, sondern vielmehr schon als europäische Großmacht, als Weltmacht fühlen — so weit hat der Frosch sich schon aufgebläht — werden dadurch aus ihren Träumereien sehr unsanft aufgeschreckt. Der wahre rumänische.Patriot wird anders denken. Soll ein Staat, soll ein Volk gedeihen, so ist vor allem Rechtsgefühl, Rechtsübung, Herrschaft des Rechtes nothwendig; jeder Act der Brutalität erschüttert den Staat in seinen Grundsäulen und gefährdet die Existenz des Volkes. Hat daher ein Staat, ein Volk noch nicht so viel Consistenz, so viel innere Kraft erlangt, um die Brutalität zu verhindern, oder wenigstens zu bestrafen, so muß ein wahrer Patriot einer äußeren Macht dankbar sein, wenn sie entschieden da-? gegen auftritt und die weitere Herrschaft brutaler Gewalten verhindert. Für die augenblickliche Abhängigkeit wird er durch die Aussicht entschädigt, daß die Zukunft seines Staates und Volkes hierdurch geschützt und gesichert wird. Uebrigyns ist schließlich diese Erde nicht um der Nationalitäten, sondern um der Gerechtigkeit und der Humanität willen da. Will die rumänische Nation durchaus brutal sein, so mag und wird sie entweder wie eine Seifenblase zerflattern, oder bald genug einer andern brutalen Gewalt ihren Nacken beugen müssen. Diese Bolliac's und Varnali's stellen sich nämlich in einer empörend naiven Weise auf den Standpunct, die Juden in Ismail hätten ihre Kirche angegriffen, beraubt und geschändet, und wüßten daher bestraft werden. Die Gräuelthaten, die an den Juden verübt wurden, ignoriren sie ganz, oder sehen sie als eine gerechte, aber noch lange nicht genügende Strafe an. Sie interpelliren daher das Ministerium, warum es an den Juden die Verbrechen noch nicht gesühnt habe! Jener Varnali nun ist ein so beschränkter Kopf, daß man ihn übergehen kann. Bolliac aber, der Redacteur der „Trompetta", ist ein gefährlicher Mensch, da ihm Kenntnisse und Talente zur Seite stehen. Dieser Mensch ist einer der Haupturheber aller der gegen die Juden in Rumänien verübten Gräuel, und täglich bringt er in seinem Blatte die scheußlichsten Lügen gegen die Juden.: Uw einen Beweis von den Tollheiten dieses Mannes zu geben , so insinuirt er der Regierung die Absicht , den Juden politische und

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