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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-04-23 · Heft 17 (23.4.1872) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 17 (23.4.1872)
Date
1872-04-23
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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April -1858; überreicht werden, was aber' nicht geschehen ist, - da er solche meines Wissens niemals erhalten hat. Wie lächerlich, daß er zur Rechtfertigung' seiner Kündigung vom 1. Juni sich auf eine an mich gerichtete Verfügung' vom 12. Juli bezieht, und dennoch mit eherner Stirne zu behaupten wagt, die Regierung sei gegen mich! Was nun den Vortrag von Psalm 140 betrifft, so hat es damit folgende Bewandtniß: Nachdem seit Ostern 1871 das -nrnir ^rä abgeschafft worden ist, hatte der Vorstand angeordnet, daß dessen Stelle durch Vortrag eines Psalms in deutscher Sprache ersetzt werde, dessen Wahl mir überlassen blieb. Ich wählte die Sabbathpsalmen und so kam auch dieser an die Reihe, den ich nach Mendelsohns Uebersetzung vortrug., Wenn dennoch Herr Rosenbaum sagt, daß alle Anwesenden die Verwünschungen auf sich beziehen mußten, so müffen diese Anwesenden, die solches gethan haben/ ein gutes Gewissen wahrlich nicht gehabt haben und hatte statt meiner König David verfolgt werden müffen. Dieses Bekenntniß Rosenbaums liefert aber, wenn es noch nöthig Ware, den unumstößlichen Beweis, wie ehrenhaft und lobenswürdig die Art und Weise war, in der man gegen mich vorgegangen ist. Denn würde wohl Jemand, den das Schuldbewußtsein nicht schmerzhaft quälte, von den tiefempfundenen Worten des Psalmisten verletzt worden sein? — Nach dem Gesagten und dem Auftritte vom 18. Nov., der auf etwas mehr als wörtlichen Vorhaltungen beruht und worüber die Acten noch nicht geschlossen sind, wird es wohl jeder begreiflich finden , daß mir jede Lust zum weiteren Verbleiben in meinem Amte, obgleich ich noch Rechte hatte, vergangen sein mußte. Ich trug daher auf ausdrückliche Veranlassung des Herrn Landrathes dem Vorstande einen Vergleich an und acceptirte die 100 Styatev, um Processen auszuweichen. Um mir die Räumung meiner Moventien aus den Zimmern des Synagogengebäudesunmöglich zu machen, versiegelten die humanen Herren Rosenbaum und Grünebaum am hellen Mittag zur Belustigung der Straßenjugend das Synagogengebäude, und wurde mir die Auszahlung genannter Summen welche ich wiederholt persönlich forderte und sogar am 7. Dec. durch den Stadtwachtmeister gegen Aushändigung einer regelrechten Quittung in Empfang nehmen lassen wollte, verweigert, so daß diese erst im Monat Januar, nachdem mein Mandatar dem Vorstand schriftlich mit Klage gedroht hatte, erfolgte. Ich habe weder zu Grünebaum, noch zu Ahlert gesagt, daß der Weserartikel Verläumdungen enthielte; nur einige Ungenauigkeiten Habe^ ich anerkannt und die Autorschaft wahrheitsgemäß abgelehnt. Aber sowohl dieser Artikel, wie auch der „Aus dem Kreise Lippstadt" müffen doch wohl Verläumdungen nicht enthalten haben, weil sonst solche Männer die strafrechtliche Verfolgung der Verfasser trotz ihrer Anonymität wohl einzuleiten und deren gesetzliche Bestrafung durchzusetzen gewußt haben würden, obgleich die Erwiederung an ihrer Spitze sich die Miene giebt, als wären sie so stockdumm, dies nicht zu wiffen. Wenn sie trotzdem die Verfolgung Unterlasten haben, so geschah dies wohl nur aus dem Grunde, weil man den Beweis der Wahrheit nicht wünschte. — Allerdings ist der Lehrer Block — wie mir hier von seinen nächsten Freunden und Bekannten versichert wird — geisteskrank wegen mangelnder Anstellung von hier geschieden. Wenn er später — wohlverstanden — als Cigarrenfabricant freundschaftliche Briefe an einzelne geschrieben haben sollte, so ist dieß gewiß nur im geschäftlichen Interesse geschehen und beweist nichts im Sinne Rosenbaums. Einige Lehrer mögen auch gekündigt haben, die größere Zahl derselben ist aber in bekannter Weise beseiügt worden. Erklärte mir doch auch Rosenbaum, daß er es lieber sähe, wenn ich kündigte, in welchem Falle er mir auch ein ausgezeichnetes Zeugniß zu geben versprach. Da ich ihm nicht willfahrte, erhielt ich von ihm ein nichtssagendes Zeugniß und wurde dadurch veranlaßt, das mir von Privaten gemachte Anerbieten von Zeugnissen zu acceptiren. Nur Einige habe ich um Zeugnisse ersucht, und diese eben haben darin den Wunsch, daß ich in hiesiger Gemeinde verbleiben möge, ausgesprochen.*) Als Rosenbaum hievon Kenntniß erhielt, suchte er die Zeugnißaussteller unter dem Vorhalten der Bloßstellung des Vorstandes zum Widerruf zu bewegen, was ihm nur bei einzelnen gelang. Dieser Widerruf wurde mir in einem offenen Briefe durch den hiebei Briefträger spielenden Herrn Grünebaum übergeben. Herrn Rosenbaum wird es wohl noch erinnerlich sein, auf welche Weise er die Widerrufsunterschriften und namentlich bei einer Frau erlangt hat. Und Grünebaum, der so gerne christianisirt, hat, zu seiner Ehre sei es gesagt, sich bei dieser Gelegenheit mit Leuten associirt, bei denen er nie auf der Straße stehen geblieben ist oder bleiben würde. Ueber oie Art meiner Anstellung und der meiner zahlreichen Vorgänger Folgendes: Die Lehrer werden durch einen Verttag, das eigenste Werk Rosenbaums, worin wörtlich der Passus vorkommt: „Der Lehrer muß die Synagogenfenster als solcher putzen", ohne Kündigung auf ein Jahr angestellt. Ein halbes Jahr nach Ablauf dieses Vertrags wird derselbe, falls eine Erneuerung stattfindet, mit Zurückdattrung um ein halbes Jahr auf ein Jahr erneuert, so daß der Lehrer nur ein halbes Jahr einen Rechtsboden hat. 'So hatte ich bereits 4^2 Jahr vegetirt, ehe mit mir der am 30. Oct. 1870, aber auf den 30. April zurückdatirte Verttag — der sechs Monate nachher gekündigt wurde — auf drei Jahre abgeschlossen worden ist. Allerdings ist das Abschließen dieses Vertrags auf mein dringendes Veran- *) Dreiviertel der hiesigen Gemeindeglieder, worunter die große Majorität der Schülinteressenten, der Repräsentanten und ein Vorstandsmitglied haben wir sehr günstige Zeugnisse ausgestellt.

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