Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1872)
- Date
- 1872-04-23
- Page
- Seite 334 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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dahin gelangt war zu sagen, wie und wodurch sie ge-" schehen solle, hat er ein klägliches Masco gemacht, da er sich begnügte, einige wenige Beispiele aus den Dogmen .und dem Cultus anzuführen, Lei denen durch einige Nachsicht von der -einen wie von der anderen Seite eine Vereinbarung nicht unmöglich sei, z. B. die Protestanten sollen die Messe annehmen, die Katholiken die Landessprache. Der große Gelehrte hat erwiesen, daß er die Geschichte nicht begriffen hat und das Leben nicht versteht. Die Geschichte hat unwiderleglich bewiesen, daß der Zug im positiven Christenthume nach Trennung und Zersplitterung der Kirchen, nicht aber nach Unificirung derselben geht, und würde der Wunsch Döllingers eine Realisirung finden, so entstände daraus nur. eine Arche mehr, weiter nichts. Aber auch das Leben versteht er nicht, denn es handelt sich bei ihm nur um den Abschliff einiger verknöcherter Dogmen, die besser an einander geschlossen werden, aber immer bleiben sollen, was sie sind, formulirte Glaubenssätze, die auf dem Nacken frischer Geistesentwickelung lasten und diese ertödten sollen. Daß das Leben der Massen ganz wo anders hindrängt, daß der Unterschied des Katholicismus und des Protestantismus im Leben ganz wo anders liegt, daß es sich hier am meisten um Hierarchie und unbedingte Autorität handelt, begreift Döllinger nicht. Cr bildet sich ein, daß, wenn einige Priester und.Prediger dahin gelangen sollten — was wir ernstlich bezweifeln — sich über eine Anzahl Dogmen und Formen zu vereinbaren, die Völkermassen ihnen folgen und aus den einzelnen kleinen Hürden in eine einzige große mit um so höheren und stärkeren Bollwerken versehene Hürde eingehen würden. Das Wort ist gesprochen, verhallt und — vergessen. OesterreichischungarischeMonarchie. Wien, 7. April. Gegen die Anstellung jüdischer Lehrer an katholischen Volksschulen hat das katholischpolitische Casino Alsergrund eine'Eingabe an das Cultusministerium gerichtet, welches dieselbe aber dem Landesschulrath überwies, der, wie die „Deutsche Zeitung" meldet, folgende Antwort an das Casino ertheilte: „Ueber Ihre mit Erlaß des k. k. Ministeriums für Cultus und Unterricht vom 5. int. 9. März 1872, Z. 2286, anher zur Amtshandlung abgetretene Eingabe vom 24. Februar 1872 wird Ihnen bedeutet, daß nach dem klaren Wortlaute des § 48 des Gesetzes vom 14. Mai 1869, Z. 62 R.-G.-Bl., der Dienst an einer öffentlichen Schule ein öffentliches Amt ist und allen östreichischenStaatsbürgern ohne unterschied des Glaubensbekenntnisses gleichmäßig zugänglich ist, weshalb auf Ihr dieser Bestimmung des Gesetzes widerstreitendes Begehren in keiner Weise eingegangen werden kann." Lemberg, 25. März. Der „N. fr. Pr." schreibt man: Ein soeben beim Landesschulrath eingelangter Bericht des hiesigen jüdischen Gemeindevorstandes über den Zustand der jüdischen Hauptschule wirft ein merkwürdiges Licht nicht blos auf den unmittelbaren Gegenstand, sondern auch auf die Stellung der Deutschen und insbesondere der Juden in dem zum Ränge eines Königreichs Kleinpoten emporstrebenden Galizien. Im Schuljahre 1867 bis 1868 hatte der Vorstand in dieser von der Religionsgemeinde gänzlich aus eigenem erhaltenen Lehranstalt statt der deutschen die polnische Unterrichtssprache eingeführt. Die Behauptung des Berichtes, der Schritt sei ein freiwilliger gewesen, ist insofern eine richtige, als man die sicherlich nicht ganz ohne Einfluß gebliebenen Verhetzungen und; Drohungen, das unablässige Toben der täglich über das koscherteutonische Nest ihre giftige Galle ergießenden Gazeta Narodowa, des seligen Dziennik Lwowski und des Nationaldemokratenvereines unbeachtet lassen wollte. Wie dem auch sei, nach vier Jahren findet der Gemeindevorstand als Facit den entschiedensten Verfall der Schule, statt Kenntnisse höchstens mechanisches Plappern, totale Unklarheit der Begriffe bei den Schülern, kurz alle Vorzüge der galizischen Volksschulen überhaupt, nur noch in verdoppeltem Maße. Und doch zählten noch vor wenigen Jahren die Zöglinge dieser Anstalt zu den ausgezeichnetsten in den Mittelschulen; auch sind sowohl die Oberleitung als die Lehrkräfte außer mehreren hinzugekommenen Parforcepolonisatoren seitdem stets dieselben geblieben. In den polnischen Hauptschulen, bemerkt der Bericht treffend, beginnt erst in der dritten Classe ein spärlicher Unterricht der deutschen Sprache, weil man die Erlernung einer fremden Sprache als für die Kinder zu beschwerlich ansieht. Die Muttersprache der jüdischen Kinder sei nun einmal die deutsche, nur als solche ihnen trotz ihres jüdischen Jargons vollkommen verständlich und leicht erlernbar. Dagegen sei ihnen aber die polnische